Glinde

Deutschstunde mit Schriftsteller

Autor Feridun Zaimoglu gibt an Gemeinschaftsschule in Glinde Tipps zum Schreiben und ist begeistert von der Ideenvielfalt der Zehntklässler

Glinde. Feridun Zaimoglu ist begeistert. "Als ich in dem Alter war, habe ich mich mit meiner Akne beschäftigt", sagt der Schriftsteller, der für seine deutlichen Worte bekannt ist. Sein 1995 erschienenes Buch "Kanak Sprak - 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft" ist ein Erfolgswerk. Doch als Jugendlicher, erzählt Zaimoglu, habe er noch andere Dinge im Kopf gehabt als Literatur. So viele kreative Ideen und gute Texte wie die 40 Zehntklässler der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld in Glinde hätte er in ihrem Alter sicher nicht zustande bringen können - schon gar nicht in der kurzen Zeit, die die Schülerinnen und Schüler bei seiner Schreibwerkstatt am Donnerstag zur Verfügung hatten. Von der ersten Idee bis zur Vorstellung des Vorhabens hatten die Jugendlichen nur eine gute Viertelstunde. Zum Schreiben dann etwa das Dreifache. "Ich bewundere euch da sehr", sagt Zaimoglu.

Mit seiner aufmunternden und direkten Art kommt der aus der Türkei stammende 48-Jährige bei den Zehntklässlern gut an. Nur am Anfang sind sie ein wenig zurückhaltend. Dann nehmen die Jugendlichen Zaimoglus Rat an, ihn einfach "anzuhauen", wenn es beim Schreiben klemmt. "Dafür bin ich hier." Wie kann Tobias das Gedicht für seine Freundin besser machen? Wie schaffen es Xandra und ihre Mitschülerinnen, die Dreiecksbeziehung so aufzuschreiben, dass sie für den Leser nachvollziehbar und die Geschichte fesselnd wird?

Wie kann Till sein komplexes Thema, in dem es nur am Rande um Liebe geht, packend aufschreiben? Feridun Zaimoglu hat für alle einen ganz persönlichen guten Rat, nimmt sich Zeit, hört sich Texte an, liest sich Passagen durch und gibt Hinweise. Er hat das Thema Liebe vorgeschlagen, mit dem sich die Jugendlichen in der Schreibwerkstatt beschäftigen.

Die Gemeinschaftsschule beteiligt sich am Projekt "Unsere Welt ist bunt" des Friedrich-Bödecker-Kreises in Schleswig-Holstein. Bis Frühjahr kommenden Jahres organisiert die Literaturstiftung mit dem Projekt Begegnungen und Schreibwerkstätten mit Trägern des Adelbert-von-Chamisso-Preises. Diesen vergibt die Robert-Bosch-Stiftung seit 1985 an Schriftsteller wie Feridun Zaimoglu (Preisträger 2005), die eine andere Muttersprache als die deutsche haben, ihre Werke aber auf Deutsch verfassen und damit einen besonderen Blick auf Interkulturalität ermöglichen.

"Feridun Zaimoglu ist in der interkulturellen Bildung ein ganz, ganz wichtiger Autor", sagt Reinhild Süßenguth, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule. In seinen Büchern zeige er, dass es Erfahrungen gibt, die man unabhängig von der Kultur macht, aus der man stammt. Die Liebe ist so eine Erfahrung. Außerdem ist sie offenbar ein Thema, zu dem die Jugendlichen einen guten Zugang haben. "Ich habe schon immer mal ein Gedicht für eine Freundin geschrieben", sagt Tobias und erklärt, warum er sich in der Schreibwerkstatt für diese Form der Literatur entschieden hat. "Das ist immer gut angekommen", sagt er und lächelt.

"Es war lustig, mal eine ausgedachte Geschichte aufzuschreiben", erzählt Xandra. In den vergangenen Wochen haben die Zehntklässler ihre letzten Klausuren geschrieben. Frei erfunden durfte darin selbstverständlich nichts sein. Die Schreibwerkstatt mit Zaimoglu war da eine willkommene Abwechslung und ein schönes Projekt zum Abschluss der gemeinsamen Schulzeit, glaubt Lehrerin Reinhild Süßenguth, die das Projekt an die Schule geholt hat. Am Ende werden alle Stücke, die bei "Unsere Welt ist bunt" entstanden sind, in einem Buch veröffentlicht. Die jungen Autoren bekommen ein Exemplar davon. Noch können sich übrigens Schulen aller Formen beim Friedrich-Bödecker-Kreis um die Teilnahme bewerben. Auf der Internetseite www.fbk-sh.de gibt es mehr Informationen dazu. Am heutigen Freitag geht es aber erst einmal an der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld weiter: Dann mit den anderen beiden zehnten Klassen.