Travenbrück

Anwohnerprotest erfolgreich: In Nütschau kehrt Ruhe ein

Neue Verkehrsschilder am Benediktiner-Kloster halten Schwerlaster fern. Durchgesetzt haben dies nach jahrelangem Kampf Gottfried Weinert und seine Mitstreiter von einer Anwohnerinitiative.

Travenbrück. "Die Situation ist jetzt schon deutlich besser geworden", sagt Gottfried Weinert. Er freut sich darüber, dass jetzt weniger Lastwagen durch die Schlossstraße im Travenbrücker Ortsteil Nütschau fahren. Und die, die dort noch fahren, sind meist nicht mehr so schwer wie früher. Grund für die Veränderung ist eine neue Beschilderung. Wer im Westen von der Kreisstraße 64 in die Schlossstraße einbiegen möchte, erfährt, dass diese für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als zwölf Tonnen gesperrt ist. Und dass es für Lkw keine Wendemöglichkeit gibt. Durchgesetzt haben dies nach jahrelangem Kampf Weinert und seine Mitstreiter von einer Anwohnerinitiative. Darunter sind auch die Benediktiner-Mönche vom Kloster Nütschau, das an der Schlossstraße liegt.

Wer von Osten in die Straße einbiegen möchte, die dort Nütschauer Weg heißt, wird frühzeitig durch ein Lkw-Verbotsschild gewarnt. Überdies wurden auf Druck der Initiative die Hinweise "Anlieger frei" und "Landwirtschaftlicher Verkehr frei" an den Einmündungen abmontiert. Dafür wird erklärt, warum die Beschränkungen eingerichtet worden sind: Die Kreisstraße, die eine kurze Verbindung zwischen der Autobahn 21 und Orten im Kreis Segeberg herstellt, führt über eine Holzbrücke. Das Bauwerk, unter dem die Trave fließt, ist erst vor etwa drei Jahren für 330.000 Euro repariert worden. "Das sind 800 Euro pro Einwohner, und zwar vom Säugling bis zum Greis", rechnet Hans-Jürgen Wulff vor, der ebenfalls der Anwohnerinitiative angehört.

Auch vorher war die Brücke schon für Fahrzeuge gesperrt, die schwerer als zwölf Tonnen sind. Doch wurde dies vielen Lastwagenfahrern erst durch Schilder unmittelbar vor der hölzernen Überquerung deutlich. Bis zur Brücke ist der Anlieferverkehr weiterhin erlaubt. Neu ist dort aber die Tempo-30-Zone zwischen dem Kloster Nütschau und der Travequerung. In einer Erklärung bedankt sich die Anwohnerinitiative unter anderem auch bei Dirk Willhoeft, Fachdienstleiter für Straßenverkehrsangelegenheiten beim Kreis Stormarn, weil er "das Problem lösungsorientiert behandelt" habe.

Antonius van den Nieuwendijk, ein weiteres Mitglied der Initiative, ist mit dem Erreichten aber noch nicht vollends zufrieden. "Wir brauchen nun noch Vorankündigungen an den Abfahrten der Autobahn 21, damit die Lkw-Fahrer sich für einen anderen Abzweig entscheiden." Außerdem müssten die Beschränkungen auf der Strecke auch in die Navigationssoftware eingepflegt werden. Diese leite Schwerlaster oftmals auf die Schlossstraße oder den Nütschauer Weg. Van den Nieuwendijks Mitstreiter Hans-Jürgen Wulff meint, es wäre ideal, wenn es eine zentrale Stelle - etwa die Verkehrslenkung Stormarn - gebe, die Veränderungen an alle Hersteller weitergebe.

"Das ist für uns gar kein Problem", sagt Willhoeft. Die Verkehrslenkung könne aber nicht garantieren, dass die Informationen, die sie weitergebe, auch in die Navigationssysteme einfließe. Oftmals sei es Sache der Nutzer selbst, Aktualisierungen, die die Hersteller anböten, gegen Bezahlung vorzunehmen. Willhoeft spricht sich gegenwärtig auch gegen eine weitere Beschilderung an der Autobahn aus. "Dafür gibt es momentan keinen Grund." Er könne sich nicht vorstellen, dass dadurch auch nur ein einziger weiterer Lkw davon abgehalten würde, auf die Kreisstraße 65 einzubiegen. "Wir werden erst mal die weitere Verkehrsentwicklung dort abwarten, ehe eine zusätzliche Beschilderung in Betracht gezogen wird."

Pater Matthäus Buß stören weiterhin schwere Traktoren, mit denen Landwirte am Kloster Nütschau vorbeidonnerten. Er sieht dadurch auch Schulkinder gefährdet, die oftmals im Jugendhaus des Klosters übernachten. Travenbrücks Bürgermeister Peter Lengfeld von der Wählergemeinschaft AWGT meint, die Benediktiner-Mönche sollten mit dafür sorgen, dass Jugendliche nicht durch den Verkehr gefährdet würden. "Und wenn die Anwohner zu schwere Lkw sehen, sollen sie die fotografieren und Anzeige erstatten."

Damit schiebt der Bürgermeister nur Verantwortung von sich, meint van den Nieuwendijk. Und Eggert Timm von der Bürgerinitiative ergänzt: "Unser Motto ist aufklären statt anzeigen."

Marianne Dräger, die ebenfalls zur Anwohnerinitiative gehört, hebt dagegen hervor, auf der Straße gebe es jetzt auch mehr Radler und langsam fahrende Autos. "Darin zeigt sich auch eine neue Bewegung in der Gesellschaft, die Natur und Ruhe zu schätzen weiß." Das Kloster reihe sich "ganz bewusst in diese Bewegung ein", fügt Pater Matthäus an. Es liege nämlich auch an zwei Pilgerrouten: der Via Balitica des Jakobswegs und am Mönchsweg.