Ahrensburg

"Ich will meine Kirche retten"

Ahrensburger legt Beschwerde beim Landeskirchenamt wegen St. Johannes ein

Ahrensburg. Das Ahrensburger Ehepaar Hannelore und Hans-Peter Hansen hat Beschwerde beim Landeskirchenamt eingelegt. Anlass ist die Auflösung des Gemeindebezirks St. Johannes sowie der Beschluss, die Kirche an der Rudolf-Kinau-Straße zu entwidmen. Das Ehepaar bezweifelt die Rechtmäßigkeit des Vorgehens und will, dass die Beschlüsse zurückgenommen werden. "Notfalls erheben wir Klage", sagt Hansen.

Der Ahrensburger fühlt eine historische Verpflichtung. "Der Großvater meiner Frau gehörte als Superintendent der evangelischen Kirche zu den bekennenden Christen. Er zählte zum Widerstand um Bonhoeffer", sagt Hansen. "Ich sehe mich in dieser Tradition."

Seit 1959 ist Hannelore Hansen Mitglied im Bezirk St. Johannes. Seit 1977 lebt das Ehepaar in Ahrensburg. "Seitdem sind wir in St. Johannes als engagierte Christen tätig", sagt Hansen, der als freier Architekt den Wiederaufbau der Kirche der Patengemeinde Rosow (Uckermark) begleitet und in den 80- und 90er-Jahren die Kirchengemeinde Ahrensburg in baulichen Fragen beraten hat. Dazu gehörte auch die Instandsetzung des Gemeindehauses und der St. Johanneskirche. Für ihn steht fest: "Die Substanz der Gebäude ist nach wie vor gesund. Die vorliegenden Kostenangaben für eine Sanierung sind zu überprüfen." Die Kostenfrage sei angesichts der prekären Finanzlage der Ahrensburger Kirchengemeinde, die alle Bezirke betreffe, dringender denn je. Hansen: "Wir fragen nach den rechtlichen Grundlagen für die Verteilung der kirchlichen Gelder. Die Verluste der Gesamtgemeinde mit der Übernahme des Vermögens des Bezirks St. Johannes auszugleichen ist für mich unrechtens." Und noch etwas möchten die Hansens geklärt wissen. "Besteht eine Rechtsgrundlage im Kirchenrecht, die ein Mitspracherecht der Kirchengemeinde bei ihrer Auflösung sichert?"

Diese Frage hat Brisanz, denn die Gruppen von St. Johannes hatten eine Gemeindeversammlung initiiert. Sie wurde aber erst einberufen, nachdem der Kirchengemeinderat bereits beschlossen hatte, Pastorat und Gemeindehaus aufzugeben. Eine Antwort von Oberkirchenrat Gebhard Dawin vom Dezernat Recht des Landeskirchenamtes auf diese Frage liegt bereits vor. "Nach Artikel 22, Absatz 3, der Verfassung der (Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland) sind Entscheidungen des Kirchengemeinderates zu Strukturfragen nur nach Anhörung der Gemeindeversammlung der betroffenen Kirchengemeinde erlaubt."

Diese Aussage habe jedoch für Ahrensburg keine Relevanz. So sehen es Pastorin Anja Botta und auch das Landeskirchenamt selbst. Denn in Artikel 22 sei keineswegs von einer Strukturveränderung innerhalb einer Kirchengemeinde die Rede. Geregelt würden hier Änderungen äußerer Grenzen, zum Beispiel bei einer Fusion. Darum gehe es in Ahrensburg nicht. "Wenn ich einen Bezirk auflöse, um die Finanzen zu sanieren, und ein komplettes Gemeindeleben umziehen muss, dann ist das für mich ein Strukturwandel", sagt Hansen. "Die Strukturfrage wird zur Gretchenfrage. Sie bringt uns in Rechtsnot und St. Johannes in Existenznot." Aufhören kommt für ihn nicht in Frage: "Ich will meine Kirche retten." Finde er keine Mitstreiter, zahle er die Klage gegebenenfalls aus eigener Tasche. Das sei es ihm wert.