Witzhave

Die nächste Kirche wird entwidmet

Gemeinde Trittau trennt sich von Gotteshaus in Witzhave. Kommune kauft das gesamte Areal und erhält das Bauwerk. Die Kirche steht unter finanziellem Druck.

Witzhave. Die Bethlehem Kirche in Witzhave wird entwidmet und künftig als Friedhofskapelle dienen. Das daneben stehende Gemeindehaus wird abgerissen und durch den Bau einer Krippe für 20 Kinder ersetzt. Neuer Eigentümer ist die Kommune. "Wir haben das rund 3000 Quadratmeter große Kirchengelände samt den Gebäuden gekauft", sagt Witzhaves Bürgermeister Jens Feldhusen (Wählergemeinschaft). Einen Tag nach der Ankündigung der Ahrensburger Pastoren, man müsse sich auf weitere schmerzhafte Einschnitte einstellen (wir berichteten), verkündet die Trittauer Kirchengemeinde die Aufgabe eines weiteren Gotteshauses in Stormarn. Die Kirche steht unter finanziellem Druck.

"Wenn es eng wird, muss man zurückbauen", sagt Pastor Matthias Heitmann, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Trittau. "So wie Post, Banken oder Sparkassen in einem solchen Fall Filialen schließen, müssen wir uns auf die Mutterkirche in Trittau konzentrieren." Die prekäre Finanzlage sei schon seit zehn Jahren ein Thema. "Es ist bekannt, dass Kirche nicht gerade fröhlich prosperiert", sagt der Geistliche. "Und die Steuerzuweisungen werden weiter sinken."

Umso zufriedener könne man angesichts dieser Lage mit der pragmatischen Lösung sein. Heitmann: "Das Gelände wird im Interesse der Gemeinde weiter genutzt. Und die Kirche bleibt bestehen und wird nicht verändert." Der Goldene Hahn auf der Kirchturmspitze wird also auch künftig in der Sonne blinken. Heitmann: "Es ist ein Zeichen für die Auferstehung. Die Menschen hängen daran. Für sie ist es ein Symbol des Morgens und dafür, dass es weitergeht." Und das tut es, wenn auch anders als gedacht. "Natürlich sind alle sehr traurig, dass der Standort aufgegeben wird. Aber die Entscheidung fiel vollkommen einvernehmlich. Und die Witzhaver sind sehr früh informiert worden", sagt Heitmann.

Die Kommune hatte schon länger auf diese Entscheidung gedrängt, denn der Bedarf an Krippenplätzen ist groß. Und das kirchliche Gemeindehaus steht bereits seit drei Jahren leer. So soll auf dem Gelände an der Kirchenstraße nun spätestens bis Frühjahr 2014 Abhilfe geschaffen werden. Feldhusen: "Am liebsten wäre mir, wir würden die Krippe bereits vor Weihnachten eröffnen können." Am liebsten wäre dem Bürgermeister auch gewesen, das Areal zu einem symbolischen Preis von einem Euro zu kaufen - angesichts der Tatsache, dass die Kommune keinen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Kauf zieht und angesichts der Kosten, die auf Witzhave zukommen. Aber daran waren die Verhandlungen schon mal gescheitert: 2005 stand der Verkauf zur Debatte. Die Kirche brauchte das Geld. Die Gemeinde lehnte ab. "Jetzt haben wir 50.000 Euro bezahlt", sagt Feldhusen und klingt nicht unzufrieden.

Dennoch stehen jetzt hohe Ausgaben an. Der Abriss des Gemeindehauses, das energetisch nicht auf dem neuesten Stand ist, wird zu Buche schlagen. Es gibt einen "Reparaturstau" für das Anfang der 70er-Jahre gebaute Gotteshaus. Und die geplante Kita wird den Etat von Witzhave ebenfalls erheblich belasten. Feldhusen: "Wir rechnen mit Kosten von rund 700.000 Euro und hoffen natürlich auf eine maximale Förderung durch das Land in Höhe von 75 Prozent." Aber der Fördertopf sei auch irgendwann leer. Und möglicherweise ändere sich über kurz oder lang auch die politische Strategie.

Feldhusen: "Deswegen will ich so schnell ran wie möglich. Viele Eltern sind unzufrieden mit dem langen Weg nach Trittau." Die Krippe mache Witzhave attraktiver. Und die Kirche zur Friedhofskapelle zu machen, passe ebenfalls ins Konzept. "Wir haben dahinter einen kommunalen Friedhof, aber keine Kapelle", sagt Feldhusen. "Diese Konstruktion, eine entwidmete Kirche zu retten, ist vollkommen neu", sagt Pastor Heitmann, der sich freut, dass das Modell funktioniert. Die Kirche wird hier künftig Nutzer sein. Muss sie Miete zahlen? Heitmann: "Nein."

Der Entwidmungsgottesdienst ist für den 13. Juni, 19 Uhr, geplant. Bischöfin Kirsten Fehrs und Propst Hans-Jürgen Buhl werden erwartet.