Ahrensburg

Ahrensburgs Kirche schafft Finanz-Kontrolle

Neuer Ausschuss-Vorsitzender: "Wir sind mit dem Rotstift noch lange nicht am Ende"

Ahrensburg. Die mehr als 13 000 Protestanten in Ahrensburg müssen sich aufgrund des enormen Spardrucks auf weitere schmerzhafte Einschnitte im Gemeindeleben einstellen. "Niemand hat Spaß daran, Grundstücke zu verkaufen, Gemeindehäuser zu schließen oder Kirchen zu entwidmen", sagt Pastorin Anja Botta. "Aber wir müssen diesen Weg gehen. Ein strukturelles Defizit von rund 100.000 Euro zwingt uns zu unpopulären Maßnahmen." Defizite bei der Haushaltsführung haben die Verantwortlichen erkannt und jetzt einen Finanz- und Controllingausschuss gebildet.

Vorsitzender ist Christian Werner, der von Ruth Wölber und Anja Botta unterstützt wird. Werner glaubt, dass selbst der Verkauf des Gemeindehauses St. Johannes und die Aufgabe des Gotteshauses auf Sicht nicht ausreichten, um die Kirche finanziell wieder auf Kurs zu bringen. Fakt sei, "dass die Bewertung der Gebäude durch zwei unabhängige Gutachter und die intensiven Diskussionen aus wirtschaftlicher Sicht keine andere Entscheidung zulassen. Wir beginnen jetzt mit den Vorbereitungen zum Verkauf des 4500 Quadratmeter großen Grundstücks". Der Erlös werde laut Kirchenrecht reinvestiert.

Seit Bekanntwerden des in Stormarn bisher einmaligen Vorhabens zur Entwidmung einer Kirche gerieten die Geistlichen immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik. Nicht immer sachlich, "manchmal jenseits der Grenzen des Anstandes", wie sie kürzlich in dieser Zeitung beklagten. Doch einige Gemeindeglieder wollen helfen. So habe ein Ahrensburger bereits eine fünfstellige Summe gespendet, andere böten ihren Rat an, berichtet Anja Botta.

Und es gibt weitere Neuerung neben der Einrichtung des Finanz- und Controllingausschusses. Zwar tagt der Kirchengemeinderat weiterhin zweimal pro Monat. Doch die Bezirksausschüsse der Schlosskirche, von St. Johannes und Kirchsaal Hagen wurden abgeschafft. Intern und extern soll so unter anderem ins Bewusstsein aller gerückt werden, dass es in Ahrensburg nur eine Kirchengemeinde gibt. Die eben nicht, wie von vielen irrtümlich angenommen, aus drei finanziell und organisatorisch unabhängigen Gemeinden besteht. Zurzeit komme quasi alles auf den Prüfstand, sagt Werner. "Auch die Frage, wie viele Predigtstätten, wie viele Quadratmeter Versammlungsfläche Ahrensburg braucht." Das, so Werner, werde zurzeit an höherer Stelle diskutiert. Klare Vorgaben seien "ebenso sicher zu erwarten wie das Amen in der Kirche". Und: "Leider sind wir mit dem Rotstift noch lange nicht am Ende."

Die Aktivitäten zur Gründung eines Fördervereins bewerten Botta und ihre Kollegen als "grundsätzlich positiv". Doch eine realistische Chance zum Erhalt der Kirche sehen sie darin nicht. Christian Werner: "Selbst bei eher niedrig angesetzten 1,3 Prozent des Neubauwertes der Kirche beläuft sich die Instandsetzungsrücklage-Vorgabe auf mehr als 26.000 Euro je Jahr. Hinzu kommen Wartungs- und Heizkosten, Versicherungen, etc." Unterm Strich, schätzt der Diplom-Betriebswirt, müssten die Vereinsmitglieder jedes Jahr rund 80.000 Euro zum Erhalt von St. Johannes aufbringen.

Auch das wird Thema sein beim Info-Abend der Initiative in St. Johannes am Dienstag, 30. April, ab 19.30 Uhr.