Ahrensburg

Das lange Winterwetter friert Umsätze ein

Der Winter scheint in diesem Jahr kein Ende zu finden: Der Dauerfrost stellt Gärtnereien, Straßen- und Landschaftsbaubetriebe auf eine harte Geduldsprobe und beschert ihnen finanzielle Verluste.

Ahrensburg. Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen sind die Boten des Frühlings und im April sonst schon in vielen Gärten zu sehen. Doch der Winter scheint in diesem Jahr einfach kein Ende zu finden. Das drückt nicht nur aufs Gemüt, sondern mindert auch die Einnahmen vieler Unternehmen. Gärtnereien und Landschaftsbauunternehmen, aber auch Maurerbetriebe und Straßenbauunternehmen kämpfen mit Umsatzeinbußen.

Die Witterung habe für Gärtnereien "fatale Folgen", sagt zum Beispiel Günter Hugo vom Blumenhaus Hugo in Bad Oldesloe. "Auch wenn es tagsüber schön ist, die Nächte sind noch immer frostig." Das würde keine Frühlingsblume überleben. Doch genau damit verdienen die Blumenhändler im März und Anfang April normalerweise ihr Geld. Mit Frühblühern.

"Die Betriebe sind zurzeit voll mit Ware", sagt Hugo. Sie hätten sich wie jedes Jahr auf den Verkauf eingestellt. Hugo selbst sagt, er sei froh, dass sein Betrieb nur Pflanzen auf dem Großmarkt einkaufe und dann an Kunden weiterveräußere. Denn gerade diejenigen, die in Gewächshäusern die Pflanzen für die eigene und andere Gärtnereien anpflanzten, würden schwer getroffen. Das Problem: In den Gewächshäusern stünden noch die Frühblüher, doch eigentlich müssten schon die Sommerblumen gepflanzt und eingetopft werden.

Doch wohin mit den vielen Pflanzen? "Entweder abwarten oder wegwerfen", das sind laut Hugo die Möglichkeiten. Zwar würden Stiefmütterchen und Primeln noch als Dünger Verwendung finden, doch der Verlust sei enorm. "Bei 100.000 Stiefmütterchen, die nicht verkauft werden, macht das Unternehmen 30.000 Euro Verlust. Dazu kommen dann noch die Heizkosten für das Gewächshaus." Wenn die Sommerblumen nicht bald gepflanzt würden, könnte das weitere Umsatzeinbußen bedeuten. "Die Folgen sind noch gar nicht abzusehen", sagt der Inhaber des Blumenhauses. Er glaubt: "Viele Betriebe kommen durch den langen Winter an ihr Existenzminimum." Die Verluste seien nicht wieder wettzumachen. Er spüre die geringe Kaufkraft auch in seinem eigenen Blumenhaus. Normalerweise habe er um diese Zeit schon 20.000 Frühlingsblumen verkauft. In diesem Jahr seien es aber erst 200 gewesen.

Der Ahrensburger Matthias Hildebrandt kennt die Probleme seines Kollegen. Er ist Chef eines Garten- und Landschaftsbauunternehmens. "Wir konnten in den vergangenen zwei, drei Wochen fast gar nicht arbeiten", sagt er. Wenn es jetzt wärmer werde, komme alles auf einmal: Pflanzen setzen, Gehölze schneiden, Blumenzwiebeln pflanzen. Dann hätten er und seine zwei Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. Im Moment könne er dagegen nur wenige Arbeiten erledigen. Hildebrandt steckt erst jetzt in den letzten Zügen der Baumschnittarbeiten. Dafür sei die Zeit eigentlich schon abgelaufen. Um die Vögel in ihren Nestern nicht zu stören, müssten diese Arbeiten normalerweise bis Mitte März beendet sein. Dennoch ist Hildebrandt zuversichtlich. Er sieht kaum Gefahr durch eventuell ausbleibende Umsätze. Er sagt: "Ich denke, wir können die Verluste wieder einholen, sobald es wärmer wird."

Einen positiven Aspekt können beide Gärtner dem Frost abgewinnen. Auch die großen Baumärkte blieben auf ihrer Ware sitzen. Diese würden die Pflanzen oft billiger anbieten, als es einer kleinen Gärtnerei möglich sei. "Die Baumärkte versuchen jetzt durch Schnäppchenaktionen, die Frühlingsblumen loszuwerden", sagt Hugo. Er habe sogar eine Anfrage von einem großen Baumarkt bekommen, ob er diesem nicht ein paar Paletten abkaufen wolle.

Neben dem Garten- und Landschaftsbau macht der gefrorene Boden auch anderen Gewerben die Arbeit schwer. "Gerade bei Maurer- und Rohbauarbeiten sowie im Straßenbau behindert der Frost die anstehenden Arbeiten", sagt Kai Boysen. Der Obermeister des Baugewerbeverbandes im Kreis Stormarn sagt, dass die Situation in einigen Betrieben angespannt sei. Das Kurzarbeitergeld, das in einigen Branchen, die saisonbedingt weniger Arbeit haben, gezahlt werden kann, könne nur bis März beantragt werden. "Ab April geht es voll zu Lasten der Betriebe, wenn Außenarbeiten nicht möglich sind", sagt Boysen. "Die Verluste werden viele nicht aufholen können."

Boysen ist Chef der Zimmerei Boysen in Reinbek. "Wir sind zum Glück nicht so stark vom Wetter abhängig, weil wir bestimmte Sachen in der Werkhalle vorproduzieren und dort lagern können", sagt er. Damit könne die Zeit überbrückt werden. "Nur der Schnee ist hinderlich, weil er die Arbeit auf Gerüsten zu gefährlich macht."

Boysen denkt aber auch an die Kunden. "Viele müssen ihre Pläne jetzt wohl umstellen." Die Auftragslage sei im Baugewerbe sehr gut, doch die Aufträge stauten sich jetzt auf. Das sei ärgerlich, Kunden wie Unternehmen bleibe wohl nichts anderes übrig, als sich weiter in Geduld zu üben.