Tremsbüttel

Die Bahnhofsfrage spaltet Tremsbüttel

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Antonia Thiele

Die Gemeindevertretung vertagt die Entscheidung über den Haltepunkt Kupfermühle. Einwohnerversammlung am 10. April.

Tremsbüttel. Es wurde gebuht, applaudiert, gepfiffen: Die mögliche Verlegung des Bahnhofes Kupfermühle rief am Montag bei einer öffentlichen Sitzung der Gemeindevertreter rund 100 Tremsbütteler auf den Plan. Bürger und Politiker diskutierten hitzig, manch einer vergriff sich dabei auch mal im Ton. Eine Entscheidung, wie es mit dem 1893 erbauten Haltepunkt im Ortsteil Sattenfelde weitergehen soll, gab es jedoch nicht. Auf einer Einwohnerversammlung am 10. April soll weiter argumentiert werden.

Von welcher Bedeutung die Debatte für die Tremsbütteler ist, wurde bei der Sitzung im Gemeindezentrum deutlich. Vier Dutzend Bürger drängten sich in den Raum, weitere 50 Tremsbütteler warteten im Treppenhaus - der Raum im Obergeschoss ist aufgrund seiner Statik für maximal 60 Personen zugelassen. Das sorgte bei vielen Besuchern für Unmut. Die Anfrage eines Bürgers, die Sitzung in die Sporthalle zu verlegen, wurde von Bürgermeisterin Erika Mosel (CDU) abgelehnt. Begründung: Dort sei ein Punktspiel im Gange.

"Es ist eine Frechheit, die Leute einfach hier draußen stehen zu lassen", sagte Ullrich Kruse, der einen der letzten Stehplätze an der Tür ergattert hatte. Der Tremsbütteler sprach damit die Meinung vieler Anwesender aus, die einen Großteil der teils sehr emotional geführten Debatte verpassten.

Die aus Gemeindevertreter Hermann Thaele bestehende SPD-Fraktion hatte genauso wie die Kommunale Wählergemeinschaft Tremsbüttel (KWG) einen Antrag eingereicht und das Gremium damit aufgefordert, eine Entscheidung über die Zukunft des Bahnhofs Kupfermühle zu treffen. Wie berichtet, haben sich in dem Ort zwei Bürgerinitiativen mit gegenteiligen Zielen gegründet. Die Gruppe "Wir für S 4" fordert, im Zuge der Planungen der S 4 einen Haltepunkt am Fischbeker Weg im Ortskern Tremsbüttels zu errichten. Dort lebten ohnehin 80 Prozent der Dorfbewohner.

Der bestehende Bahnhof Kupfermühle, zwei Kilometer weiter nördlich im Ortsteil Sattenfelde, müsste in diesem Fall nach Aussage der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) geschlossen werden. Dies zu verhindern ist das Ziel der zweiten Bürgerinitiative "Pro Bahnhof Kupfermühle". "Der Bahnhof ist unsere einzige Verbindung ins Umland", sagte Jeannette Börmann, die für "Pro Bahnhof Kupfermühle" sprach. "Wir Sattenfelder sind zahlenmäßig unterlegen, deshalb würden wir bei einer Abstimmung natürlich unterliegen. Das Thema sollte ausführlich diskutiert werden bevor eine Entscheidung getroffen wird."

Zumindest in diesem Punkt waren sich beide Initiativen einig. Auch Simone Lobbel, Mitgründerin von "Wir für S 4", forderte die Politiker auf, die Entscheidung zu vertagen. Es sei "toll", dass beide Gruppen sich für diese Variante aussprächen, sagte Norbert Hegenbart (KWG). Der Zuspruch, den die Unterschriftensammlungen der beiden Initiativen erhalten habe, mache deutlich, wie wichtig das Thema für die Bürger sei. "Mehr als die Hälfte der Tremsbütteler hat sein Votum abgegeben. Wir als KWG wollen erst alle Argumente hören und heute noch nicht abstimmen", sagte Hegenbart und fand damit die Zustimmung der Bürgermeisterin. Ihre persönliche Meinung sei, dass der Bahnhof Kupfermühle erhalten bleiben solle, sagte Mosel. "Wir müssen uns aber darüber klar werden, was wir für die Zukunft für Tremsbüttel wollen." Anlass für die Debatte war eine Anfrage Mosels bei der LVS nach einem zweiten Haltepunkt für das Dorf gewesen.

Die Bürgermeisterin forderte KWG und SPD auf, ihre Anträge zurückzustellen. Erstere kam der Anfrage direkt nach, Hermann Thaele ließ sich zunächst nicht umstimmen. Mit seinen Aussagen, die Sattenfelder hätten in Sachen Bahnhof Besitzstandswahrung, sorgte er dagegen für Aufruhr bei einigen Bürgern. Der Bahnhof Kupfermühle müsse erhalten werden, um nicht nur Berufstätigen, sondern auch Rentnern und Kranken die Anbindung an den Nahverkehr zu ermöglichen, ergänzte Thaele und wurde von Buhrufen unterbrochen, was den Gemeindevertreter dazu veranlasste, zu fragen, ob er sich in einer "Idiotenschule" oder einem "Kinderzirkus" befinde statt in einer Anhörung. Später entschuldigte sich Thaele.

Die meisten der Redner, die die Einwohnerfragezeit nutzten, betonten, sie wollten den Ort nicht in zwei Lager spalten. "Lasst nicht zu, dass unsere Gemeinde auseinander bricht", appellierte eine Frau an die Anwesenden.

Es gab jedoch auch Gegenreden. Ein Bürger erklärte, das "egoistische Verhalten" der Initiative "Wir für S 4" erschüttere ihn: "Die Gruppe muss wissen, dass es dadurch zu einer Frontenbildung kommt." Laut wurde es im Sitzungsraum auch, als eine Bürgerin anmerkte, die "Neubürger" hätten noch nichts für den Ort getan und aus diesem Grund kein Recht darauf, einen Bahnhof für sich zu beanspruchen.

Mehrere der Anwesenden forderten einen Bürgerentscheid. "Dieses Thema ist dafür geradezu prädestiniert", sagte Ullrich Kruse. Ein Anwohner des Fischbeker Wegs erläuterte seine Sorgen bezüglich eines vermehrten Verkehrsaufkommens. Er habe an einem Werktag zwölf Stunden lang Autos und Züge gezählt. Das Ergebnis: "Zwischen 6 und 18 Uhr fahren durch den Fischbeker Weg schon jetzt 450 Autos, zwölf Lkw und zudem 84 Züge. Die Schranke am Bahnübergang ist pro Stunde 18 bis 24 Minuten geschlossen. Im Extremfall staut sich der Verkehr bis zum Anfang des Fischbeker Weges."

Ein weiterer Redner gab zu bedenken, dass ein neuer Bahnhof in den nächsten Jahren wahrscheinlich ohnehin nicht gebaut würde. "Stattdessen müssen wir damit rechnen, unseren Bahnhof komplett zu verlieren." Das befürchtet auch Thaele: "Der neue Haltepunkt wird finanziell gar nicht realisierbar sein", sagte Thaele, der sich schließlich bereiterklärte, seinen Antrag vorerst zurückzustellen.

Die Einwohnerversammlung am Mittwoch, 10. April, um 19.30 Uhr findet in der Sporthalle des Gemeindezentrums statt. Zwei Wochen danach wollen die Gemeindevertreter entscheiden. Mosel: "Dann müssen wir zusehen, dass wieder Ruhe im Dorf einkehrt."

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