Erfolsstory

In Großhansdorf ist Kultur Frauensache

Der Kulturring der Waldgemeinde feiert heute seinen 50. Geburtstag. Eine Damenriege hält den Verein seit Jahrzehnten auf Erfolgskurs.

Großhansdorf. Männer im Vorstand? Fehlanzeige. Dieses Unternehmen wird von einer Damenriege geführt. Und das mit Erfolg: Die Abo-Vorstellungen des Kulturrings Großhansdorf sind fast zu 100 Prozent ausgelastet. "Wir könnten sogar 105 Prozent schaffen", sagt Karin Thost. Sie rechnet sich das nicht schön. Sie hat auch kein Problem mit der Prozentrechnung. Der Andrang ist einfach so groß, dass die Stühle oft nicht ausreichen. Auch heute Abend wird es wieder proppenvoll. Denn heute wird der 50. groß gefeiert.

Die Kult-Gruppe LaLeLu sorgt mit Musik-Kabarett für Jubiläumslaune. Gute Stimmung auf der Bühne - gute Stimmung hinter den Kulissen. "Es macht echt Spaß hier mitzumachen", sagt Helga Link, die die Hälfte der Vereinsgeschichte aktiv mitgestaltet hat. Jetzt ist sie 80 und noch munter dabei.

Die Macherinnen haben Spaß. Das Publikum ist begeistert. Und die Stars kommen gern: Joja Wendt, Volker Lechtenbrink, Peter Striebeck, Nicole Heesters, Hannelore Hoger und Kristian Bader - sie waren alle schon da. "Auch Monica Bleibtreu und Evelyn Hamann sind unvergessen", sagt Ingrid Barz, die gegen die Regel der Schwerkraft zum Vereinsvorsitz gekommen ist.

Als Beisitzerin fing es für die damalige Leiterin der Gemeindebücherei an. "Dann nahm das Formen an", sagt Ingrid Barz und lacht. "Und so bin ich die Leiter hoch gerutscht." Und oben geblieben ist sie seit 2001 auch noch. Und mit welchem Wirkungskreis: Vor zehn Jahren hatte der Kulturring 110 Abonnenten, jetzt sind es 200. Barz: "Wir sind zum Aushängeschild geworden. Die Gemeinde steht voll hinter uns." Aber das war nicht immer so.

"Chartert doch lieber einen Bus und fahrt die Leute nach Hamburg", meinte vor 15 Jahren ein Politiker. Der Vorschlag wurde abgeschmettert. Die Damen machten weiter und alles in Eigenregie. Dabei ist es geblieben.

Selbst die Eintrittskarten werden am Computer gemacht. Ingrid Wergin: "Die drucken wir dann aus und schnippeln sie zurecht." Das Catering für die Künstler wird natürlich auch nicht bestellt. Brigitte Ludwig holt Wasser, schmiert Brötchen für ein kaltes Büfett, besorgt bestimmte Salate und kocht Kräutertee. Nicht irgendwelche. Die Wünsche der Künstler sind sehr speziell. "Aber alle sind sehr nett. Ohne Starallüren", sagt Karin Thost. Nur einmal wollte ein Schauspieler unbedingt seine Freunde und Verwandte in der ersten Reihe unterbringen. Er drohte mit Absage. Aber auch dieses Problem lösten die Vorstandsdamen.

Die Eigeninitiative ist hoch, der Verwaltungsaufwand so gering, das Bürgermeister Janhinnerk Voß staunt und voll des Lobes ist. In der vergangenen Spielzeit waren es gerade einmal 699 Euro. Und zum Glück ist für die Technik Fabian Oving zur Stelle. Er war während seiner Schulzeit Kulissenschieber und studiert jetzt Mediendesign. Barz: "Auf ihn ist 100 Prozent Verlass. Und er ist sehr günstig."

Dennoch musste die Vereinschefin wieder in den Verhandlungsring steigen. Denn die Gagen steigen und die Tourneetheater verlangen immer mehr Bühnentechnik. Barz: "Es sieht gut aus." Der Zuschuss von jetzt 19.000 Euro wird vermutlich angehoben.

Der größte Schatz des Vereins liegt jedoch nicht in barer Münze in der Kasse, sondern am Barkholt, beim Rathaus: der Waldreitersaal. Ohne ihn gebe es keinen Kulturring. Und dass es ihn gibt, ist zum großen Teil Konsul und Kaffee-Exporteur Werner Limberg zu verdanken. Er legte mit 10.000 Mark den Grundstein für eine Spendenaktion.

"Die Nachkriegszeit war zu Ende. Es ging nicht mehr nur um Essen und Trinken", sagt Joachim Wergin, der zweite Vorsitzende des Großhansdorfer Heimatvereins. "Es wurde Theater gespielt. Allerdings draußen. Die Waldörfer Bühne machte Freilichtaufführungen im Park Manhagen." Verständlich, dass der Wunsch nach einem Saal immer größer wurde. Der Heimatverein beförderte den Lauf mit einem Trick: Vorsitzender Herbert Fahs schlug die Gründung eines Kulturrings vor. Im Februar 1963 wurde er unter Vorsitz von Hubertus Kordon aus der Taufe gehoben. Am 4. Mai wurde der Saal eröffnet.

1981 musste er abgerissen werden. Er war marode und damals schon zu klein. Jetzt passen 250 Stühle rein. Und selbst das reicht nicht immer.

Qualität zieht Publikum. Auch Sondervorstellungen, Opern für Kinder und Märchen locken das Publikum. Dafür sorgt der Vorstand dieses Unternehmens vorbildlich. Aber fünf Damen. Geht das gut? "Für Neid und Konkurrenzkampf bleibt einfach keine Zeit", sagt die Vorsitzende und lacht. Barz: "Wir haben Spaß. Deswegen machen wir ja auch alle weiter."