„Elkana“

Serie: Mein Verein ... ist total närrisch

Jeden Sonnabend stellen wir einen Verein in Stormarn und dessen Mitglieder vor. Heute: der Elmenhorster Karnevalverein.

Wenn die "Elephants" auf der Bühne stehen, tobt das Publikum. Neben Schrittfolgen in Samba-Kostümen und Hula-Röcken zeigt die Männertanzgruppe, die es "jedes Jahr schafft, nicht synchron zu sein", vor allem eines - viel nackte Haut. Als "die schönsten Bäuche Stormarns" bezeichnen die Herren sich. "Wir sind der größte Funact der 'Elkana'", sagt Dirk Bakker, begeisterter "Elephant" und Vizepräsident des Elmenhorster Karnevalvereins.

An diesem Sonnabend feiern 1000 Besucher bei der "Elkana"

Die "Elkana" - die Elmenhorster Karneval Nacht - ist die Hauptveranstaltung des Clubs. Jedes Jahr am ersten Wochenende im Februar pendeln rund 1000 Besucher in das 2500-Seelen-Dorf, um in der Sporthalle Fasching zu feiern - auf die norddeutsche Art. "Büttenreden gibt es bei uns nicht, und auch keinen Elferrat. Das kommt beim Publikum nicht an", sagt Dirk Bakker, der sich vor Jahren von seiner Zahnarzthelferin zum Karneval überreden ließ. "Es macht einfach höllisch Spaß."

Um 20.11 Uhr an diesem Sonnabend wird Präsident Reiner Solvie die Feier eröffnen. Dann übernimmt die Prinzengarde. Schon Monate im Voraus bereiten die 13 bis 15 Frauen, alle um die 20 Jahre, ihre Show vor. "Die Tänzerinnen wollen perfekt sein. Dafür proben sie zum Schluss dreimal pro Woche", sagt Bakker. Die zwölfminütige Tanzeinlage hinterlässt bleibenden Eindruck. "Nach so einem Auftritt müsste ich selbst ins Sauerstoffzelt", sagt der Vizepräsident, der mit den "Elephants" lieber den Schlusspart gibt - wenn "die Stimmung schon kocht".

Viele der rund 180 Vereinsmitglieder tanzen in den Garden mit. Neben den "Elephants" und der Prinzengarde gibt es für die verschiedenen Altersgruppen die Showdancer, die "Alten Schachteln", die Teeniegarde, die Kindergarde sowie die "Mini Elephants". Die Tanzgruppen treten bei Veranstaltungen in ganz Stormarn auf.

Die meiste Zeit aber proben sie für die Elmenhorster Partys. Denn mit der "Elkana", die meist nach kurzer Zeit ausverkauft ist, sind noch lange nicht alle norddeutschen Narren bedient. Nach einer Stunde waren alle Tickets für den "Karneval für Junggebliebene" am 9. Februar weg. Wer bei der Beschreibung "für Junggebliebene" unwillkürlich an ein Kaffeekränzchen mit Luftschlangen denkt, hat sich geirrt. Den Unterschied zwischen den beiden Feiern erklärt der Vizepräsident so: "Die ,Elkana' ist mehr Scooter, der Karneval für Junggebliebene mehr Wolle Petry."

Für die Musik ist DJ Sven Lange zuständig. "Damit steht und fällt die ganze Veranstaltung", betont Bakker. Den Eröffnungstanz gibt traditionell das Prinzenpaar, in diesem Jahr Nicole I. und Andreas I. "Welcome to the Jungle" der amerikanischen Hard-Rock-Band Guns N' Roses wählten Dirk und Wiebke Bakker vor drei Jahren, als sie selbst als Prinzenpaar durch den Abend führten. "Da hat der DJ schon komisch geguckt", gibt Bakker zu, der den Song passend zu dem Motto "Im Dschungel ist die Hölle los" ausgesucht hatte.

Dekoration und Kostüme herzustellen, nimmt viel Zeit in Anspruch

Über das Motto stimmt der Vereinsvorstand in geheimer Sitzung ab. "Wir wählen das Motto so, dass der Kreativität bei der Verkleidung keine Grenzen gesetzt sind", sagt Bakker. "Einige nähen wochenlang an ihren Outfits. Da steckt schon viel Herzblut drinn."

Wer dazu keine Zeit oder Lust hat, kann Schriftführerin Marlene Zietz auf dem Dachboden der Mehrzweckhalle besuchen. Eine schmale Stiege führt direkt in den Kostümfundus des Vereins. "Wir verleihen Verkleidungen zu jedem Thema", sagt Zietz. Auf dem Dachboden gibt es neben Kostümen für Kinder und Erwachsene auch Perücken, Masken und Accessoires. Auf einem Kleiderständer hängen Schlaghosen in grellen Farben und Oberteile mit psychedelischen Mustern. Marlene Zietz hat Kostüme herausgesucht, die zum diesjährigen Motto passen - "Flower Power".

Am anderen Ende des Dachbodens findet sich einer der Gründe, warum es viele Mitglieder erst in letzter Minute schaffen, ihre Kostüme auszusuchen - die Dekoration. "Damit, den Schmuck herzustellen, sind wir monatelang beschäftigt", sagt Hans Zietz. Zunächst muss jedoch der Boden der Halle zum Schutz abgeklebt werden. Dafür und für den restlichen Aufbau nehmen sich einige der Mitglieder bereits in der Woche vor der "Elkana" frei. Dann werden Bierzeltgarnituren, der Prinzenpavillon und die Technik aufgebaut.

Für die Ketten aus Luftballons ist ebenfalls Marlene Zietz Expertin. Vor Jahren hat die Schriftführerin einen Lehrgang besucht. Für die "Elkana" müssen sie und ihre Helferinnen 1000 Luftballons aufblasen. Die müssen alle einen Durchmesser von 28 Zentimetern haben, betont Hans Zietz. "Sonst sieht das nachher nicht aus."

Mittlerweile benutzt das Dekoteam einen Kompressor. "Früher wurden die Luftballons mit dem Mund aufgepustet", sagt Zietz und meint die Zeit, als die "Elkana" noch in der Gaststätte Voss gefeiert wurde. "Schon damals hatten wir 300 bis 400 Besucher. Die Wände der Kneipe beulten sich aus", sagt Zietz.

Der Verein organisiert auch Feste für Senioren und für die Jugend

Fasching wird bereits seit 1952 im Dorf gefeiert. "Ein Rheinländer kam damals wegen einer Frau nach Elmenhorst und brachte den Karneval mit", sagt Zietz. Hilde Unverhau, das Tanzmariechen von 1964, gehört zu denen, die schon vor Jahrzehnten mitgemacht haben. Mittlerweile feiert sie beim Seniorenkarneval, der einzigen Veranstaltung mit Büttenrede. Zu der Feier am kommenden Mittwoch werden wieder mehrere Hundert Besucher aus den umliegenden Orten anreisen. An diesem Sonntag feiern die Kinder. "Dann wird es extrem laut und fröhlich", prophezeit Bakker. 2012 waren rund 400 Kinder dabei, seit einigen Jahren wird auch bei den Kleinen ein Prinzenpaar gewählt.

Zwar schlief die Karnevalstradition in Elmenhorst irgendwann ein, wurde in den 1980er-Jahren aber wieder belebt. 1997 gründete sich der Verein. "In Schleswig-Holstein gibt es mehr als 200 Karnevalvereine", sagt Zietz. Die "Elkana" sei wahrscheinlich die größte Feier im Norden. "Und wenn es nicht die größte ist, ist es auf jeden Fall die beste", sagt Vizepräsident Bakker.

Seit 2001 feiern die Narren in der Sporthalle. "Unsere alte Deko war viel zu klein für die große Halle. Die neuen Bilder sind 4,20 mal 3,60 Meter groß", sagt Zietz. Vor ein Problem stellt die Karnevalisten nicht nur die Frage, wo die Deko gelagert werden soll, sondern auch die, wo sie hergestellt werden soll. Einen Leuchtturm baute Hans Zietz vor Jahren bei minus 20 Grad in seiner Garage. "Der musste ja fertig werden, und in die Wohnung passte er nicht", sagt Zietz. "Solche Kleinigkeiten bereiten uns manchmal Sorgen."

Am Ende jedoch mache sich aller Aufwand bezahlt: Nach dem Schlachtruf "Fisch-Elm", zusammengesetzt aus den Ortsteilen Fischbek und Elmenhorst, übergibt Bürgermeisterin Karen Rinas an diesem Sonnabend symbolisch die "Macht über das Dorf" an die Karnevalisten. Die Halle wird dann mit bunten Prilblumen geschmückt sein, und dann ist es offiziell: Die Karnevalszeit hat begonnen. In die Häuser der Vereinsmitglieder hatte die närrische Zeit schon vor Monaten - mit Beginn der Planungen - Einzug gehalten. Statt Glaskugeln hingen an ihren Weihnachtsbäumen Prilblumen ...