Ammersbeker Kunsthaus

Künstler in Stormarn planen eigenes Netzwerk

Messe soll Stormarn als kulturelle Region stärken, vereinbaren 30 Maler, Bildhauer und eine Autorin im Ammersbeker Kunsthaus.

Ammersbek. Künstler sind Einzelkämpfer. Die Kommunikation untereinander ist verbesserungsfähig. Und es herrscht keineswegs nur eitel Sonnenschein im Kollegenkreis. Diese Einschätzung beruht keineswegs auf Vorurteilen, sondern auf Erfahrung eines Mannes, der mittendrin steckt: Axel Richter, Leiter des Ahrensburger Kunsthauses am Schüberg. "Natürlich müssen Künstler auch Einzelkämpfer sein. Aber es kann nicht immer nur um die nächste Einzelausstellung gehen", sagt Richter, selbst Bildhauer und Kenner der Szene. "Wir müssen ein Zeichen setzen. Wir müssen es schaffen, eine Gemeinschaft zu bilden, um uns kulturpolitisch zu formieren und wahrgenommen zu werden", sagt Richter, der deswegen zum Stormarner Künstlergespräch eingeladen hatte.

Rund 30 Maler, Bildhauer und eine Autorin waren zu dem Erfahrungsaustausch ins Ammersbeker Kunsthaus gekommen. Auch Hardy Fürstenau vom Terminmagazin q-ltour hatte die Begegnung initiiert, um die Vernetzung voranzutreiben und Stormarn als kulturelle Region zu stärken. Erstes Planungsergebnis des Treffens: die Vorbereitung einer Messe, auf der sich möglichst viele Stormarner Künstler präsentieren können. "Künstler zum Anfassen, eben nicht Vertreter irgendwelcher Institutionen. Das wäre toll", kommentiert Richter die Idee. Jetzt müsse man dranbleiben, ein Konzept entwickeln und einen geeigneten Ort finden. Hochglanz sei dabei nicht notwendig. "Das kann ruhig ein bisschen haken und hubbeln. Wir sollten etwas Chrashiges schaffen", sagt Richter. Genau das würde die Frische ausmachen, das würde Aufmerksamkeit bringen.

"Ich unterstütze das Bemühen um Vernetzung sehr. Das ist ein interessanter Ansatz. Deswegen bin ich auch gekommen. Und natürlich auch, weil ich neugierig war", sagt die Barnitzer Künstlerin Ute Herwig, Geschäftsführerin des Vereins TraveArt. Sie weiß, wie wichtig die Gemeinschaft ist. 2005 organisierte sie mit Mitstreitern das Trave-Art-Festival. "Die ganze Haftung lag auf meinen Schultern. Das war zu riskant", erinnert sie sich. So sei ein Jahr später der TraveArt Verein gegründet worden. "Und der ist gemeinnützig. Deswegen können wir auch Förderanträge stellen.", sagt Ute Herwig, die weitere, kreisweite Zusammenarbeit für sinnvoll hält. Das Künstlergespräch in Ammersbek sei ein wichtiger Beitrag dazu gewesen. Gerade die Region zwischen Hamburg und Lübeck müsse stärker wahrgenommen werden. "Viele fahren nur durch, um entweder zur Oper oder zum Strand zu kommen", sagt Herwig, "und die Stormarner Künstler brüten einsam in ihren Ateliers. So kann sich natürlich keine Lobby für uns bilden."

Die Künstlerin aus Barnitz hat einen positiven Eindruck vom Treffen in Ammersbek mit nach Hause gekommen. Es sei erstaunlich viele gekommen. Und das Interesse, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen, sei groß gewesen. Auch der Bildhauer Hans-Joachim Ruge war angetan. "Ich habe nichts erwartet und habe viel bekommen", sagt der Hoisdorfer, der Mitglied im Zusammenschluss "Kunstraum Ahrensburg" ist. "Es sind erstaunlich viele gekommen, und alle wollen etwas machen. Daraus könnte durchaus ein Stormarner Netzwerk entstehen", sagt Ruge. Auch der Vortrag von Bernd Brandes-Druba, Geschäftsführender Vorstand der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, mit dem das Treffen eröffnet wurde, habe wichtige Hinweise gegeben. Ruge: "Ich weiß jetzt, dass es vielfältige Förderung im Land gibt und wo und unter welchen Bedingungen Künstler Geld holen können." Deutlich sei aber auch geworden, dass Handeln in der Region erforderlich sei. Ruge: "Uns Künstler hier vor Ort hat die Sparkassenstiftung gar nicht auf dem Schirm. Das geht nicht weit genug runter." Die Idee, mit einer Künstlermesse auf sich aufmerksam zu machen, sei daher sinnvoll und auch leichter zu organisieren als "Offene Ateliers".

Dieses Projekt hatte die vorangegangene Kreiskulturreferentin Friederike Daugelat anschieben wollen. Ihre Nachfolgerin Tanja Lütje signalisierte beim Treffen in Ammersbek, dass sie sich weiter darum kümmern will. Die Frage ist jedoch: wie. Die Diskussion zeigte, dass die Künstlerschaft in dieser Frage keineswegs einig ist. "Welche Auswahlkriterien soll es denn da geben?", fragte Heinke Both von der Künstlerinitiative Stormarn. "Wenn jeder mitmachen kann, wie steht es dann um die Qualität? So kann ich da nicht mitmachen", sagte die Trittauerin.

Genau das sei nicht die Frage, entgegnete Axel Richter, der seinen Ansatz noch einmal erläuterte und für mehr Gemeinschaft plädierte. Richter: "Wir müssen mit einer Stimme sprechen und müssen das locker halten. Wenn wir in die Falle der Qualitätsdebatte fallen, kommen wir nicht weiter." Ziel sei nicht, ein Bildungspaket zu schnüren, sondern eine Plattform zu schaffen. Dafür müssten die Künstler allerdings selbst etwas tun. Es nütze nichts zu sagen, ich muss arbeiten, die Institutionen sollen sich kümmern. Richter: "So geht das auch nicht mehr."

Magda Sorour aus Reinfeld kümmert sich. Sie vertrat in Ammersbek die Sparte Literatur. "Ich habe hier zwar keinen anderen getroffen, der schreibt. Aber das Treffen war nützlich, um einander kennenzulernen und Kontakt aufzunehmen." Sie schreibt Kurz-Krimis mit historischem Bezug. "Ich baue auch Geschehnisse aus Stormarn ein", sagt Sorour. Am 3. Februar kommt sie für eine Lesung in den Ahrensburger Marstall. Familie Schimmelmann wird auch vorkommen. "Ich schreibe noch. Die Besucher bekommen etwas ganz Frisches", sagt die Autorin, die zurzeit auch an einem Lyrikband arbeitet. Sorour: "Ich würde es gern bebildern. Vielleicht finde ich ja durch Treffen wie diese einen Fotografen. Und vielleicht ist der Band ja schon fertig, wenn wir zur ersten Künstlermesse einladen."