Ahrensburg

Fällt die Gartenschau auf fruchtbaren Boden?

Ahrensburger Politiker bewirbt sich heute Abend mit einem Antrag aus der Kaufmannschaft: Die Stadt solle sich für 2016 bewerben.

Ahrensburg. Bewirbt sich Ahrensburg um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2016, oder werden die Pläne zu den Akten gelegt? Eine Entscheidung in dieser Frage könnte bereits heute Abend fallen. Den Stadtverordneten, die ab 19.30 Uhr im Marstall tagen, liegt ein Antrag aus der Feder Götz Westphals vor. Der Vorsitzende der Kaufleute-Vereinigung Ahrensburger Stadtforum hatte ihn während der Einwohnerversammlung Ende November gestellt (wir berichteten).

Das Stadtforum hat das Bewerbungskonzept aus dem Jahr 2004 als Grundlage genommen, um die Kosten einer Landesgartenschau einzuschätzen. Damals hatte sich die Stadt um die Blumenausstellung 2011 bemüht, ihre Bewerbung jedoch aus Kostengründen wieder zurückgezogen.

Nun also ein neuer Anlauf? "Soweit ich die Meinung von Herrn Westphal und vom Stadtforum kenne, kann ich das voll unterstützen", sagt Anita Hintz, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Hagener Allee. "Das ist meine persönliche Meinung. Wir haben uns ansonsten mit den Plänen noch nicht beschäftigt." Das werde die Interessengemeinschaft von 23 Einzelhändlern im Januar nachholen, so Hintz. Die Unternehmerin sagt dennoch: "Ahrensburg muss etwas tun, um neue Besucher anzulocken." Es reiche nicht, sich nur auf dem Ruf auszuruhen, Hamburgs schöne Nachbarin zu sein. "Es wird so viel Geld für Überflüssiges ausgegeben. Da wäre so eine Landesgartenschau schon sinnvoller", meint Hintz.

"Wir haben ein Realisierungskonzept vorgelegt und warten jetzt ab", sagt Antragsteller Götz Westphal. "Natürlich verfolgen wir die politische Debatte in den Gremien." Als positives Signal bezeichnet Axel Strehl, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Stormarn, die Bemühungen um eine Bewerbung Ahrensburgs. "Andere Städte haben auch eine stabile Finanzierung auf die Beine gestellt. Warum sollten wir das nicht auch schaffen?" Bevor jedoch der Dehoga Konzepte und Planungen aufstelle, so Strehl, müsse die Gartenschau auch wirklich nach Ahrensburg geholt werden. "Noch sitzt die Taube auf dem Dach", sagt der Dehoga-Vorsitzende.

"Eine Landesgartenschau wäre attraktiv für Ahrensburg und die Region, weil sie die Bekanntheit steigert", sagt Axel Stehr, Geschäftsführer des Verbandes der Südholsteinischen Wirtschaft (VWS). "Gastronomie und Einzelhandel würden sicherlich profitieren. Doch ist die entscheidende Frage, ob sich die Schau finanziell lohnt", so Stehr weiter. "Damit steht und fällt das Projekt."

Was halten Ahrensburger von den Plänen, die Landesgartenschau 2016 in die Stadt zu holen? "Ich würde mich von Herzen darauf freuen", sagt Carmen Warda. "Die Gartenschau könnte dabei helfen, das Gebiet rund um das schöne Schloss attraktiver zu machen." Auch mögliche Parkplatzprobleme ließen sich lösen, meint die Ahrensburgerin. "Es gibt genug freie Flächen, die als Parkplätze dienen könnten. Man muss sich nur rechtzeitig darüber Gedanken machen", sagt sie.

"Warum nicht?", meint Pitter Bockhacke. Der Ahrensburger sieht mehrere Vorteile für die Stadt. "Die Schau würde Menschen anziehen und Ahrensburg noch bekannter machen. Das wäre gut für den Tourismus", sagt der 69-Jährige. Die in die Diskussion geworfene Investitionssumme von 16 Millionen Euro, schrickt ihn nicht. "Es ist mir lieber, dass das Geld dafür als für andere Zwecke verwendet wird", so Bockhacke.

Es sind gerade die Kosten, die dagegen Reinhart Heller an dem Plan zweifeln lassen. "Die Landesgartenschau in Norderstedt in diesem Jahr war finanziell kein Erfolg", meint er. "Es müsste vorher ganz klar sein, wer die Schau finanziert. Bei der momentanen Haushaltslage kann die Stadt jedenfalls kein Geld mehr ausgeben." Wenn Geld ausgegeben werde, meint der 73-jährige Ahrensburger, dann sollte es eher in die Kinderbetreuung investiert werden.

Auch Marlies Jokisch ist gegen die Bewerbung Ahrensburgs für die Landesgartenschau: "Ich glaube, wir sollten andere Sorgen haben. Es gibt so viele teure Vorhaben, die wirklich wichtiger sind", sagt die Ahrensburgerin.

Die Großhansdorferin Gloria Ruschmann würde dagegen eine Bewerbung befürworten: "Ich sehe nur Vorteile darin. Wenn die Menschen zur Gartenschau kommen, können sie gleich Ahrensburg kennenlernen. Das macht die Stadt attraktiver." Und zum umstrittenen Thema Kosten sagt Ruschmann nur: "Alles kostet heute Geld." Für die Gartenschau hätte sie einen besonderen Wunsch: "Dass es Rosen gibt, in allen Farben."

Befürworter der Gartenschau-Pläne hoffen auf die Unterstützung von Landrat Klaus Plöger. Der allerdings sagt auf Anfrage: "Ich werde mich zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich dazu äußern." Er sei allerdings zur Sitzung des Umweltausschusses am Mittwoch, 14. Dezember, eingeladen. "Wenn ich die Zeit habe, komme ich dorthin und werde öffentlich etwas zum Thema sagen", sagt er. Plöger kritisiert, dass sich die Ahrensburger Chancen verbauten, indem sie das Thema zu früh in aller Öffentlichkeit diskutierten.

Die Stadtverordneten beraten heute, der Umweltausschuss wird sich in jedem Fall auch damit beschäftigen. "Sollte es dort eine positive Entscheidung geben, werden die Stadtverordneten im Januar darüber abstimmen", sagt Bürgervorsteher Werner Bandick (CDU). "Wir haben die Landesgartenschau sowieso schon auf die Tagesordnung gesetzt", sagt Dieter Heidenreich (WAB), Vorsitzender des Umweltausschusses. "Das Thema sollte nicht lange geschoben werden", so Heidenreich. "Allerdings liegt uns noch keine konkrete Vorlage vor. Ohne die können wir aber nicht entscheiden."