Stormarn

Anwohner leiden unter A1-Stau

Foto: Konstanze Erker

Autofahrer nutzen Bundesstraße 75 als Ausweichstrecke. Gerade an Wochenenden ist sie zurzeit überlastet

Ahrensburg. Seit Freitag haben sämtliche 16 Bundesländer Sommerferien. Doch nicht nur Sonne, Strand und Spaß kommen vielen dabei in den Sinn, sondern auch das Wörtchen Stau. Der ADAC erwartet das verkehrsreichste Wochenende des Jahres. Auch für die Autobahn 1 rechnet der Verein mit Staus. "An den Stellen, an denen gebaut wird, also zwischen Hamburg und Ahrensburg und zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe, haben wir ständig Staus", sagt Georg Ruge, Leiter des Autobahnreviers Bad Oldesloe, "nun kommt der Reiseverkehr noch hinzu." Eine Vorhersage sei jedoch grundsätzlich nicht möglich. "Ich hatte für das vergangene Wochenende mit Problemen gerechnet, weil Nordrhein-Westfalen Ferien bekommen hatte", erläutert Ruge, "aber dann war es doch nicht so schlimm."

Ist die A 1 dicht, hoffen viele Autofahrer, dass sie auf der Bundesstraße 75 schneller vorankommen - zum Leidwesen vieler Anwohner. Peter und Martina Sommer sind unmittelbar von dem erhöhten Verkehrsaufkommen betroffen. Sie wohnen direkt an der B 75. Ohne gute Fenster-Isolierung sei es nicht auszuhalten, das merkten sie vor allem jetzt im Sommer beim Lüften. "Man hört auch bedeutend mehr LKW", sagt der 60 Jahre alte Bargteheider. Die würden ebenfalls die Autobahn meiden und die B 75 als Ausweichstraße nutzen.

"Wenn die Autobahn mal wieder dicht ist, dann nutze ich die B 75", sagt Klaus Menze. Der 57-Jährige arbeitet in Jersbek, wohnt aber in Nordrhein-Westfalen. "Auf meiner Fahrt versuche ich die A1 zu meiden, das dauert sonst zu lange."

Doch von Ausweichrouten wie der B 75 raten Georg Ruge und seine Kollegen ausdrücklich ab. "Das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera", meint Reimund Hagen, Kommissar bei der Oldesloer Autobahnpolizei. "Ich selbst komme aus Reinfeld und fahre privat am Wochenende nicht mehr mit dem Auto, wenn es nicht unbedingt sein muss", sagt der 57-Jährige. Zu den umliegenden Geschäften komme man kaum noch durch. "Der Verkehr ist schon recht heftig", sagt auch Waltraud Gurkowski. Die Bargteheiderin ist froh, dass sie nicht an der B 75 wohnt. Besonders schlimm sei es während des Berufsverkehrs.

"Am Freitagnachmittag ist Katastrophenalarm, da ist ab 15 Uhr Stau", sagt Renate Gödel aus Ammersbek. Da komme man gar nicht mehr richtig mit dem Auto nach Bargteheide rein. Elsbeth Meszkat fügt hinzu: "Ich finde es manchmal schrecklich laut." Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Ferienzeit können beide jedoch nicht feststellen. Gödel: "Nur am Wochenende sieht man, dass mehr Betrieb ist."

Birte Jentsch, Inhaberin von Blumen Jentsch, hat ihr Geschäft direkt an der B 75. Sie merkt die Folgen des hohen Verkehrsaufkommens am Ausbleiben der Kunden zu bestimmten Zeiten. "Das Nachmittagsgeschäft am Freitag war immer sehr gut. Aber es wird zunehmend schlechter, weil die Kunden fürchten, wegen des dichten Verkehrs nicht mehr vom Parkplatz zu kommen." Kunden aus Ahrensburg oder Delingsdorf würden es erst gar nicht über die B 75 bis zum Geschäft schaffen. "Da steht der Verkehr", sagt die 41-Jährige. Sie sieht neben dem Berufsverkehr die Autobahnstaus als Ursache. "Natürlich wird die B 75 als Ausweichstraße für die A 1 genutzt." Das mache sie genauso.

Jens Sommerburg leitet den Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Lübeck. "Zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe haben wir ohnehin Stau, weil ein Streifen pro Fahrtrichtung wegfällt", sagt er. Im Gegensatz zum ADAC rechnet er für das Wochenende nicht mit großen Behinderungen. Doch er warnt die Autofahrer: "Es ist nicht klug, über Strecken wie die Bundesstraße 75 auszuweichen. Sie kann binnen Minuten überlastet sein." Er empfiehlt vielmehr, an Fahrbahnverengungen konsequent das Reißverschlussverfahren anzuwenden und die vorgeschriebene Geschwindigkeit einzuhalten. "Gerade unsteter Verkehrsfluss durch schnelles Fahren und plötzliches Bremsen führt zu Stockungen."

Für Reisende aus dem Hamburger Raum, die Richtung Rostock oder Rügen fahren, hat er dennoch einen Tipp. "Sie könnten über die A 24 bis zum Autobahndreieck Schwerin fahren und von dort auf der A 14 Richtung Norden bis zum Dreieck Wismar, wo die A 20 Richtung Osten erreicht wird." Diese Autobahnen seien eher Pendlerstrecken und daher an Wochenenden nicht so stark frequentiert, erläutert Sommerburg. "Zudem wissen viele nicht, dass die A 14 mittlerweile die A 24 und die A 20 verbindet."

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.