Stormarn

Stormarner wollen nah an Hamburg wohnen

Grundstückspreise sind im Süden des Kreises beinahe dreimal so hoch wie im Norden

Bad Oldesloe. Teuer im Süden, günstiger im Norden, durchschnittlich in der Mitte. Und im Mittel konstant: Der Stormarner Immobilienmarkt gibt ein recht stabiles Bild ab. Das belegen die neuen Bodenrichtwerte, die der Gutachterausschuss beim Kreis in diesen Tagen veröffentlicht. Die Mitglieder des Gremiums - Experten aus der Bauverwaltung und örtliche Immobilienmakler - haben in den vergangenen zwei Jahren rund 4200 Kaufverträge ausgewertet. Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise, die sich daraus zum Stichtag 31. Dezember 2010 ergeben, erlauben einen unmittelbaren Vergleich mit denen aus dem Jahr 2008.

"Das Niveau ist unverändert hoch", sagt Gutachterausschuss-Geschäftsführer Stefan Leutelt. "Und das ist gut." Insgesamt sei das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in Stormarn sehr ausgewogen.

Das Preisgefälle von Süden, von den Städten und Gemeinden in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hamburg, nach Norden ist allerdings extrem. So kostet ein Quadratmeter Bauland in Stormarns teuerstem Viertel beinahe dreimal so viel wie in den günstigsten Orten. Den Platz des Spitzenreiters markiert erstmals seit vielen Jahren Ahrensburg. In der Siedlung Waldgut-Hagen kostet laut Bericht ein Quadratmeter Bauland 255 Euro. Das sind 4,5 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Großhansdorf liegt mit einem Quadratmeterpreis von 250 Euro (minus 5,7 Prozent) dagegen nur noch auf Platz zwei der teuersten Pflaster im Kreis. Ganz hinten: Zarpen, Pölitz und Travenbrück-Schlamersdorf mit Baulandpreisen von unverändert 90 Euro pro Quadratmeter. Auch in den Nachbarorten sind Grundstücke kaum teurer.

Es sei insbesondere die Nähe zu Hamburg, die auf potenzielle Käufer einen großen Reiz ausübe, sagt Stefan Leutelt. "Gemeinden mit guter Infrastruktur, mit Einkaufsmöglichkeiten, attraktiven Bahnverbindungen und Schulen vor Ort sind besonders beliebt. Dort lassen sich höhere Preise erzielen", sagt er. Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis sind kürzlich auch die Autoren des LBS-Immobilienmarktatlas' gekommen. Laut ihrer Recherche haben sich im Großraum Ahrensburg die Preise für neue wie für gebrauchte Häuser und für Eigentumswohnungen im zweistelligen Prozentbereich verteuert. Horst Gibbesch, Immobilienmakler in Bargteheide und Mitglied des Gutachterausschusses, sagt: "Viele Objekte inserieren wir gar nicht mehr, da wir lange Wartelisten haben."

Die derzeit niedrigen Zinsen verstärkten diesen Trend, so Gutachterausschuss-Geschäftsführer Leutelt. Er sagt: "In dieser Situation leisten es sich die Menschen eher, in die zentralen Orte zu ziehen. Womöglich können sie dann ein Auto abschaffen. Das kann unterm Strich sogar günstiger sein, als eine billigere Immobilie weit draußen zu kaufen." Niedrige Zinsen seien dem Immobiliengeschäft im ländlichen Raum überhaupt nicht zuträglich.

Auch bei Gewerbeflächen ist ein Süd-Nord-Gefälle zu erkennen. In den begehrten Lagen nahe der Hamburger Stadtgrenze liegen die Preise etwa fünf Prozent unter denen aus dem Jahr 2008. Nur in Oststeinbek hat sich Gewerbefläche verteuert, und zwar um 5,3 Prozent. Ein Quadratmeter kostet dort 100 Euro, das ist der zweithöchste Wert nach Barsbüttel (105 Euro). Im Norden des Kreises sind Gewerbeflächen ab 35 Euro pro Quadratmeter zu haben. Vom Ende dieses Monats an, ist der komplette Bericht des Gutachterausschusses im Internet einzusehen.

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