Stormarn
Verkehr

Neue Idee für Nordtangente

Ahrensburger Firmen drängen auf schnellen Bau der Umgehungsstraße für den Straßenverlauf vom Kornkamp bis zur B 75 am Kremerberg.

Ahrensburg. Die Ahrensburger Wirtschaft drängt mit einem neuen Trassenvorschlag darauf, dass die Nordtangente als Umgehungsstraße schnell gebaut wird. 40 Unternehmer präsentieren eine konkrete Idee für den Straßenverlauf vom Kornkamp bis zur B 75 am Kremerberg - mit weitreichenden Konsequenzen fürs Gewerbegebiet Nord. Die vom Wirtschaftsbeirat Stormarn der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgearbeitete Trasse führt durch den Kornkamp in einem großen Bogen quer über das Gelände des jetzigen Verbrauchermarktes Famila und schließt nördlich des Gartenholz-Viertels an die B 75 an. Famila müsste der Umgehungsstraße weichen und sich einen neuen und weniger abseits gelegenen Standort suchen.

"Diese Trasse ist eindeutig die Beste", sagt Norbert Leinius, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) und Mitglied des IHK-Wirtschaftsbeirats. "Die Umgehung verläuft in einem höheren Bogen als bislang ums Gartenholz herum. Das entspricht den Bedürfnissen der Anwohner dort. Und Fachmärkte wie Famila gehören dichter an die Stadt. Damit wird das Gewerbegebiet auch vom Einzelhandelsverkehr entlastet. Außerdem haben ans Famila-Gelände angrenzende Betriebe so die Möglichkeit, sich bei Bedarf zu vergrößern."

"Famila ist nicht glücklich mit der aktuellen Sackgassen-Situation"

Als potenziellen neuen Standort für Famila sieht Leinius freies Gelände am oberen Teil des Beimoorwegs oder den Umzug auf die andere Seite der B 75 in die Nähe des neuen Wohngebiets Erlenhof/Schlossviertel. Leinius: "Ich bin mit Famila ohnehin wegen der Standorte in Reinbek und Reinfeld im Gespräch. Famila wird Interesse zeigen, einen guten Standort in Ahrensburg zu bekommen. Und ich weiß, dass Famila nicht glücklich ist mit seiner aktuellen Sackgassen-Situation."

Das Votum der vom Wirtschaftsbeirat jüngst befragten Ahrensburger Unternehmen für die neue Variante der Nordtangente sei eindeutig gewesen, sagt Ernst-Jürgen Gehrke, Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsbeirats. Nach dem Wunsch des Gremiums soll der Vorschlag umgehend in den Masterplan Verkehr der Stadt aufgenommen werden. "Wir vertreten die Wirtschaft hier, wir wollen sie fördern", sagt Gehrke, "doch für uns sieht es derzeit nach Verzögerungen hinsichtlich einer Entscheidung für die Nordtangente aus." Doch Zeitverlust könne sich die Stadt nicht erlauben. Zu eng sei mittlerweile das Verkehrs-Nadelöhr an den beiden Sackgassen Kornkamp und Kurt-Fischer-Straße im Gewerbegebiet. Und die Stadt müsse mit großen finanziellen Verlusten rechnen, wenn sie erst nach 2013 einen Planfeststellungsbeschluss für die Nordtangente fasst.

2014 ändern sich die Förderrichtlinien des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes. Zurzeit stünden der Stadt noch Fördermittel des Landes Schleswig-Holstein von 60 bis 70 Prozent der Baukosten zu. Welche Straßen in welcher Höhe ab 2014 vom Land gefördert werden, weiß niemand. "Wir gehen davon aus, dass der Zuschuss schmilzt", sagt Leinius. Und Gehrke ergänzt: "Es liegt an der Politik, jetzt etwas für die Nordtangente zu tun."

Michael Voigt, Geschäftsführer des Gewürzwerks Hermann Laue (Hela) am Beimoorweg und erster Vorsitzender des Verbands der Südholsteinischen Wirtschaft (VSW), geht in seiner Mahnung Richtung Rathaus noch weiter. "Wir fühlen uns von der Stadt Ahrensburg schlecht vertreten. 2003 wurden alle Planungen für eine Nordtangente eingestellt. Mit dem Masterplan Verkehr nähern wir uns wieder verschiedenen Varianten, aber die Zeit drängt. 14 000 Mitarbeiter über eine Straße abzuführen, ist alles andere als optimal." Die neue Variante übers Famila-Gelände sei eine schnelle, kleinräumige Lösung. Sie bis Ende 2013 umzusetzen, sei eminent wichtig. Voigt: "Wir sind als Unternehmen gerne in Ahrensburg, viele andere auch, aber die Freude schwindet."

Wirtschaft rechnet mit bis zu 9000 Autos weniger auf der B 75

Mit 174 Hektar Fläche ist das Gewerbegebiet Nord das größte Schleswig-Holsteins. Mit dem Gebiet Beimoor-Süd kommen weitere 75 Hektar hinzu. In den Firmen arbeiten rund 14 000 Menschen. Nach Einschätzung des Wirtschaftsbeirats wird die B 75 von 22 000 Fahrzeugen am Tag befahren. Ein neues Wohngebiet am Erlenhof würde die Situation weiter verschärfen, so Norbert Leinius. Eine Umgehung über den Kornkamp könne die Bundesstraße täglich um circa 8000 bis 9000 Fahrzeuge entlasten.

Bereits vor zwei Jahren hatten 60 Unternehmen als Wirtschaftsinitiative Ahrensburg eine Resolution vorgelegt, in der sie für eine Verkehrsanbindung des Gewerbegebiets Richtung Norden plädierten. Seitdem warten die Unternehmer auf eine Entscheidung. Bürgermeister Sarach, der seit Mai im Amt ist, sagt zu der jüngsten Kritik: "Das Signal der Wirtschaft ist wichtig für den Standort Ahrensburg. Ich bin für die Nordtangente. Doch mir scheint, die Gegner der Nordtangente waren bisher lauter als ihre Befürworter."

Für die Umgehung sieht der Masterplan Verkehr noch zwei andere Varianten vor: eine führt durch den Kornkamp und biegt vor Famila dicht am Gartenholz Richtung B 75 ab, die andere führt durch die Kurt-Fischer-Straße und läuft hinter dem Gewerbegebiet Richtung B 75. Am Mittwoch, 17. November, präsentieren Planer im Bauausschuss ein Trendszenario auf Basis der Verkehrszählung aus dem Jahr 2009. Im Januar steht dann die Nordtangente auf der Tagesordnung.

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