Stormarn

Ahrensburg schafft kostenloses Parken ab

Autofahrer müssen bald überall in der Innenstadt Gebühren zahlen

Ahrensburg. Diese Pionierleistung stößt bei Autofahrern aus Ahrensburg und Umgebung auf Empörung. Die Stadt wird voraussichtlich Stormarns erste Kommune ohne kostenlose Parkplätze im Zentrum. Wenn sich die Stadtverordnetenversammlung am 13. Dezember dafür ausspricht, fällt die letzte Bastion für Nulltarif-Parker: der Parkplatz Alte Reitbahn an der Stormarnstraße. Das Ja der Stadtverordneten scheint nur Formsache: Der Bau- und Planungsausschuss gab bereits grünes Licht dafür, an der Alten Reitbahn Parkautomaten aufzustellen.

An Wochentagen werden voraussichtlich ab dem Frühjahr zwei Euro für ein Tagesticket fällig. Die Mehrheit des Ausschusses folgte einem entsprechenden CDU-Antrag. Mit der bislang kostenfreien Stellfläche für rund 150 Autos will die Stadt monatlich 6000 Euro verdienen. Angesichts der Haushaltssituation bestehe keine Möglichkeit, den Parkplatz weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen, so die CDU. Noch sei der Platz offiziell zwar als Grünfläche deklariert, sagte Bauamtsleiter Wilhelm Thiele: "Aber die Festsetzung ist obsolet."

Die Stadt sieht keine Hindernisse, die Fläche in einen gebührenpflichtigen Parkplatz umzuwandeln. Mindestens drei Automaten müssten dafür angeschafft und installiert werden. Pro Automat würden zwischen 5000 und 7000 Euro fällig, so Ulrich Kewersun, Leiter der Bauverwaltung. Die Vorbereitungen, zu der auch eine Änderung der Gebührensatzung zählt, würden laut Rathaus bis zum Frühjahr dauern.

Die Meinung der Parkplatznutzer hingegen steht schon jetzt fest. Die meisten reagieren mit Empörung und Unverständnis. Karin Rief, 53, arbeitet fünf Tage in der Woche für acht Stunden in einer nahe gelegenen Arztpraxis. Sie käme auf 480 Euro Parkgebühren im Jahr. Rief: "Für das Geld kann ich mit meinem Mann verreisen." Sie denkt auch an die Patienten, die in den meisten Fällen aufs Auto angewiesen sind, um die Arztpraxis zu erreichen. Für Karin Rief steht fest, dass sie das Auto wohl bald zu Hause stehen lässt und aufs Fahrrad umsteigt.

Für den Hamburger Ralph Metro sind Parkgebühren dagegen nichts Besonderes: In seiner Heimatstadt sind sie noch höher. Ab und zu kommt er nach Ahrensburg, um günstig einzukaufen. Die Gebühren schrecken ihn dabei nicht ab.

Nach dem Willen des Bau- und Planungsausschusses müssen Autofahrer auch auf den anderen Plätzen bald mehr zahlen. Auf einen Vorschlag der CDU hin soll ein neues Tarifsystem eingeführt werden. Für die erste Stunde werden 50 Cent fällig, für jede weitere angefangene halbe Stunde noch mal 50 Cent. Die maximale Parkdauer liegt unverändert bei drei Stunden. "Eine Umstellung der Parkautomaten ginge relativ flott", sagt Ulrich Kewersun. Spreche sich die Stadtverordnetenversammlung dafür aus, könne das Tarifsystem schon Anfang nächsten Jahres eingeführt werden.

Die Wählergemeinschaft Ahrensburg für Bürgermitbestimmung (WAB) stimmte gegen die Pläne. "Kostenfreie Parkplätze sind für den Einzelhandel und den Wochenmarkt erforderlich", sagt WAB-Mitglied Uwe Grassau. "Wir können es uns nicht erlauben, nur noch kostenpflichtige Parkplätze bereitzustellen. Dann verlieren wir Kaufkraft."