Stormarn

Familie Klenz tauscht ihr Haus mit Italienern

Urlauber gucken sich Trend aus den Vereinigten Staaten ab. Oststeinbeker ziehen für zwei Wochen in das Heim einer Familie in Arezzo. Und die kommt zur selben Zeit nach Stormarn

Oststeinbek. Das eigene Bett mit einem völlig fremden Menschen zu tauschen, das kommt für viele Menschen überhaupt nicht in Frage. Doch Familie Klenz aus Oststeinbek wechselt im Urlaub nicht nur die Betten, sondern gleich das ganze Haus. "Seit wir im Sommer 2009 das erste Mal unser Haus mit Italienern aus Arezzo getauscht haben, sind wir total begeistert von dieser Art des Urlaubs. Und das nicht nur, weil sie günstig ist", sagt Fiete Klenz. Seine Frau Maren teilt diese Meinung: "Vor allem mit den Kindern ist es praktisch, weil man alles dort hat und viel näher am Geschehen ist."

Haustausch als Urlaubsalternative zu Hotel, Ferienwohnung oder Campingwagen ist in den USA schon seit Jahrzehnten bekannt und überaus beliebt. Auch immer mehr Deutsche entdecken mittlerweile diese Urlaubsmöglichkeit für sich. Es gibt verschiedene Organisationen, die den Kontakt zu anderen Tauschbegeisterteten via Internet herstellen (siehe Kasten).

"Ein Fernsehbericht über Couch Surfing hat mich auf die Idee gebracht, nach ungewöhnlichen Urlaubsmöglichkeiten zu suchen. Da bin ich auf den Haustausch gestoßen", sagt die 31-jährige Oststeinbekerin. Auch ihr Mann habe nicht lange überlegen müssen. Schnell war eine Organisation ausgewählt, ein Internetprofil erstellt und die Suche nach dem Traumhaus konnte losgehen. "Es werden tolle Häuser angeboten. Wir wollten gern nach Frankreich oder Norwegen, aber das passte mit der Ferienzeit nicht", sagt Maren Klenz, die zurzeit Deutsch und Biologie auf Lehramt studiert.

Statt Bretagne hieß es dann Toskana. Bevor die vierköpfige Familie jedoch ihre Reise in die Stadt Arezzo starten konnte, mussten noch einige Vorbereitungen getroffen werden. "Unter Haustauschern ist es so üblich, dass man den Gästen für den ersten Abend etwas landestypisches zu Essen vorbereitet und alles aufschreibt, was sie über das Haus und die Gegend wissen sollten", sagt Fiete Klenz. Mit einem doch etwas mulmigen Gefühl im Bauch ging es dann Mitte August los. "Mir gingen 1000 Gedanken durch den Kopf. Klappt alles mit dem Schlüssel? Können wir uns mit den Nachbarn verständigen? Fühlt sich die Tauschfamilie auch wohl bei uns?", sagt der 41-jährige Oststeinbeker, "Im Tauschhaus angekommen, fiel alle Anspannung von uns ab."

Das Haus habe ihnen sofort gefallen und die Kinder seien gleich auf Entdeckungstour gegangen, so Fiete Klenz. "Die Italiener haben alles sehr nett vorbereitet. Die Kinder hatten in ihren Zimmern sogar Briefe zur Begrüßung", sagt seine Frau. Damit waren auch die Kleinen, denen die Vorstellung, dass fremde Kinder mit ihren Sachen spielen würden, zunächst gar nicht gefiel, vom Haustausch überzeugt. Es sei ein toller Urlaub gewesen. Mit der einen oder anderen Überraschung. "Es war schon abenteuerlich als, uns abends die Sicherung rausgeflogen ist und wir den dazugehörigen Kasten erst auf dem Nachbargrundstück gefunden haben. Oder, als wir Einkaufen wollten und nicht bedacht hatten, dass Italien vielleicht andere gesetzliche Feiertage hat ", sagt der Familienvater.

Auch die Italiener hätten Startschwierigkeiten gehabt. "Wir gingen davon aus, dass jeder Italiener eine Espressomaschine bedienen kann", sagt Fiete Klenz. Er wurde eines besseren belehrt. Bereits am ersten Abend mussten die Nachbarn einspringen und mit Händen und Füßen erklären, wie die Maschine funktioniert.

Zurück in Deutschland erfahren die Klenz, wie wohl sich die Italiener in Oststeinbek gefühlt haben und wie gut sie sich mit den Nachbarn verstanden haben. Diese würden zwar selber nie ihr Haus tauschen wollen, seien aber immer noch mit den neuen südländischen Freunden in Kontakt, sagt Maren Klenz zur Abendblatt-Regionalausgabe.

Einen zweiten Haustausch machte die Familie dann über Pfingsten. Diesmal war das Ziel ein Haus im dänischen Grenaa an der Ostseeküste. "Wir waren baff, als wir in das Haus kamen", erinnert sich die Oststeinbekerin, "es war wunderschön, sehr ordentlich, geräumig und unsere Kinder stürzten gleich auf die Wii im Wohnzimmer."

Die Dänen seien sehr organisiert gewesen im Unterschied zu den Italienern. "Sie hatten uns eine ganze Mappe hinterlegt mit allerlei Bedienungsanleitungen für technische Geräte, Stadt- und Busplänen, Skizzen vom Grundstück und einem Programm, was es in der Gegend alles zu unternehmen gibt", sagt Fiete Klenz. Für diesen Sommer ist bislang kein Haustausch geplant. Aber das Portal von Intervac regt zum Stöbern an. "Vielleicht fahren wir für ein Wochenende nach Polen. Da habe ich etwas Schönes an der Ostseeküste gefunden", sagt Maren Klenz. Und nächstes Jahr soll es bestimmt Frankreich werden. Klenz: "Wir werden das sicher noch ein paar Jährchen auf diese Weise machen. Hotelurlaub ist nicht unser Ding. Und wenn die Kinder größer sind, warum dann nicht mal nach Kanada oder Südamerika?"