Bank-Geheimnisse: Erotik-Moderatorin Biggi Bardot

Bei ihr gilt die Museumsregel: Bitte nicht berühren

| Lesedauer: 7 Minuten
Alexander Sulanke

Foto: Birgit Schücking

In unserer Serie treffen wir Stormarner auf ihrer Lieblingsbank. Heute: Die 29-jährige Blondine, die ihr Geld mit dem Ausziehen verdient.

Trittau. Schwupps! Ehe sie sich versah, lag die Pranke des Fremden auf ihrer linken Brust. Die Frau blieb erstaunlich gefasst. "Wenn wir beide jetzt an einer Bushaltestelle gewesen wären", fragte sie den Unbekannten, "hätten Sie das dann auch gemacht?" Er verneinte, gestand ein wenig verschämt sein Fehlverhalten ein und zog die Hand sofort zurück.

Es sind Geschichten wie diese, die ihr immer wieder widerfahren. Sie lassen sich wohl am ehesten unter der Rubrik Berufsrisiko verbuchen. Denn zur umfassenden Darstellung des Sachverhalts darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich dieser Fehlgriff eben nicht an einer Bushaltestelle zutrug, sondern während einer Erotikmesse. Und dass die Frau nur mit einen Slip bekleidet war, bei dessen Anfertigung der Schneider zudem bewusst mit Stoff gegeizt hatte.

Sie nennt sich Biggi. Biggi Bardot. Sie arbeitet als Erotikmoderatorin, Erotikmodel und Webcam-Darstellerin. Sie ist Hausfrau und Mutter. Und sie sagt: "Vor allem bin ich eine ganz normale Frau." Und ganz normale Frauen lassen sich eben nicht von Fremden betatschen. Das sollten eigentlich auch Männer wissen. "Viele verlieren aber total den Bezug zur Realität, sobald sie nackte Haut sehen", sagt Biggi Bardot.

Die 29-Jährige sitzt in ihrem Arbeitszimmer. Ein Sofa, mit hellrotem Samt überzogen, in einem Raum von vielleicht acht Quadratmetern. Eine Kamera neben der Tür ist auf das Möbelstück gerichtet. Hier entblättert sich Biggi Bardot. Sie hat feste "Sprechzeiten". Wer ein Honorar zahlt, kann ihr dann zuschauen. Weltweit, im Internet. "Ich habe sogar Weihnachtspost aus Japan und China bekommen", sagt Biggi Bardot.

Hierzulande ist die Frau mit den wasserstoffblonden Haaren allerdings bekannter durch ihre Auftritte im Fernseh-Nachtprogramm. Sie moderiert Gewinnspielsendungen. Die Zuschauer können anrufen und Geld gewinnen. Über viele Stunden hinweg scheint niemand die gestellte Frage beantworten zu können, obwohl die Lösung doch so einfach ist. Und Biggi, beruflich stets mit ganzem Körpereinsatz bei der Sache, animiert die Zuschauer, es wieder und wieder zu versuchen. "Es gibt Leute, die meinen, dass es bei diesen Sendungen gar nichts zu gewinnen gebe", sagt sie. "Aber das stimmt nicht."

Die Kamera in dem kleinen Zimmer ist ausgeschaltet. Biggi Bardot hat Feierabend. Die Frau, die dieser Kunstfigur ihren Körper leiht, trägt einen hochgeschlossenen Rollkragen-Pulli, eine lilafarbene Samtjacke, Jeans, weiße Pantoffeln. "Ich bin nicht nur die Biggi mit den nackten Brüsten aus dem Fernsehen", sagt sie. Der Rest des Tages gehört der Familie auf der anderen Seite der Tür.

Biggi heißt in Wirklichkeit Birgit. Sie hat auch einen echten Nachnamen, der wirklich bürgerlich klingt. Den soll aber nicht jeder kennen. Und das hat gar nicht mal damit zu tun, dass die Einwohner in dem Dorf unweit von Trittau nicht gerade viel Toleranz aufbringen für das Berufsleben ihrer blonden Nachbarin. Die Dorfbewohner wissen, womit Biggi Bardot ihr Geld verdient - woher sie es wissen, bleibt wohl ihr Geheimnis. "Es war anfangs hart, hier zurechtzukommen", sagt Biggi. Die Nachbarn wissen auch, wie sie wirklich heißt. Aber hartnäckige Verehrer, die ihr nachstellen wollen, sollen es nicht wissen. "Die lauern vor der Tür, und ich muss wieder durchs Kellerfenster abhauen", sagt Biggi Bardot. Da ist es wieder, das Problem mit den Männern, die den Bezug zur Realität verlieren. Die Biggi Bardot für kurvenreiches Freiwild halten. Und von denen Birgit mit dem bürgerlichen Nachnamen doch lebt.

Wie ist sie eigentlich in dieses Dorf gekommen, in dem sie so kritisch beäugt wird? Das ist eine andere Geschichte, sie hat etwas mit dem goldenen Ring zu tun, der an ihrer rechten Hand blitzt. "Er heißt Martin und ist 17 Jahre älter als ich", sagt Biggi. Er war Türsteher in der Diskothek Viva Wentorf, sie war gerade 22 Jahre alt. "Ich war mit meiner älteren Zwillingsschwester dort, weil RTL einen Beitrag über uns drehen wollte", erzählt sie. "Es ging um Brustvergrößerungen." Da war sie schon ein Fernseh-Sternchen, und so waren auch die hartnäckigen Verehrer nicht weit. Einer hatte einen Arm voll roter Rosen dabei. "Da fragte ich den Türsteher, ob er mir mal kurz helfen könne. Er sagte Ja, und ich packte ihn am Kragen und küsste ihn." Kurz darauf zog sie zu ihm und seiner Tochter aufs Dorf.

Der Helfer musste erst mal schlucken, als er erfuhr, womit seine Liebste ihr Geld verdiente. Dass sie es so wie jetzt verdient, war übrigens einem Zufall geschuldet, und das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte. "Es war 1999, und ich bekam als Friseurlehrling im zweiten Ausbildungsjahr 525 Mark. Alle meine Klassenkameradinnen an der Berufsschule hatten Nebenjobs. Ich wollte auch einen - am liebsten in einer Videothek oder in einem Sonnenstudio. Aber alle sagten mir, ich sei noch zu jung und hätte zu wenig Erfahrung."

Dann sah sie eine Annonce, in der "Mitarbeiterinnen für multimediale Darstellung" gesucht wurden. Das klang anspruchsvoll, aber auch ein bisschen rätselhaft. Worum es ging, erfuhr Biggi Bardot erst beim Probearbeiten. Es gab 16 Mark die Stunde. Und die damals 19-Jährige ahnte noch nicht, dass sie zu einem Star der Branche avancieren würde. Heute vermittelt sie auch Kolleginnen, handelt Verträge aus und schreibt Konzepte für neue Fernsehsendungen. Vielleicht will sie eine Agentur aufbauen, wenn sie zu alt für das Geschäft vor der Kamera ist. "Aber genau weiß ich das noch nicht. Meine Mutter sagt immer: Lebe im Heute. Und daran halte ich mich."

So wird es die Kunstfigur Biggi Bardot ("Den Nachnamen hat mir eine Zeitschriftenredakteurin verpasst, ich kannte Brigitte Bardot zu dem Zeitpunkt nicht mal") wohl noch ein paar Jahre geben. Und mit ihr die Missverständnisse und die Fehlgriffe solcher Grabscher, die nicht verstehen, dass es nur eine Kunstfigur ist. Geschaffen von einer cleveren Unternehmerin, die nie um einen charmanten Vergleich verlegen ist: "Das ist mit mir ganz einfach, nämlich wie im Museum: Da steht auch überall: Bitte nicht berühren."

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn