Stormarn
Verfassungsschutz: Extremisten im Visier

Gewaltbereitschaft bei linken und rechten Gruppen steigt

Fahnder beobachten Internetseiten von politischen Randgruppierungen. Sie registrierten allein in Stormarn 59 Taten von Rechtsextremen im vergangenen Jahr.

Bargteheide. Die Gewaltbereitschaft von linken und rechten Gruppierungen in Schleswig-Holstein ist nach Beobachtungen des Verfassungsschutzes in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Davon ist der Kreis Stormarn nicht ausgenommen. Ove Rahlf, Sprecher des Innenministeriums: "In den letzten Monaten hat die Zahl regionaler, häufig sehr kleiner rechtsextremistisch orientierter Personenzusammenschlüsse zugenommen." Immer häufiger komme es zu Auseinandersetzungen mit meist linksextremistischen Gegnern.

In Bargteheide hatten vermutlich Rechtsextreme das autonome Jugendhaus (AJH) verwüstet. In der Nacht vom 11. auf den 12. September schlugen Unbekannte die Fensterscheiben des Pavillons am Volkspark ein, zertrümmerten Möbel und schlugen die Außenbühne kaputt. Für die Besucher des Jugendhauses ist klar, aus welchem Spektrum die Täter kommen. "An den Türen hinterließen die Randalierer Aufkleber, auf denen 'Good Night left Side' und 'Anti-Antifa' zu lesen war", sagt AJH-Sprecherin Luise Welker, "dies ist eindeutig die Handschrift der rechtsextremen Szene." Die AJH-Besucher gehen davon aus, dass die Rechtsextremen den Tag des Anschlags genau ausgewählt hatten: An jenem Abend war niemand im Jugendhaus, weil das Team in Hamburg gegen eine NPD-Kundgebung protestierte.

"Einmal die Woche trifft sich bei uns eine sehr aktive Gruppe, die Antifaschistische Aktion", sagt Welker. Sie hat im Internet eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin heißt es: "Aggressionen und der Hass, die bei diesem Vorfall glücklicherweise nur einen Sachschaden zur Folge hatten, werden auf kurz oder lang auch an Menschen entladen ... Die autonomen Nationalisten werden sich nicht mit diesem ersten Gewaltakt zufrieden geben."

Schon nach kurzer Zeit übernahm eine Gruppe, die sich Autonome Nationalisten Stormarn nennt, diese Stellungnahme auf ihre Homepage. Darunter wurde ein Kommentar gestellt, der mit den Worten endet: "Weg mit dem AJH!" Detlef Riedel vom Staatschutzkommissariat in Lübeck: "Wir haben die Ermittlungen aufgenommen." Der Internetauftritt der Autonomen Nationalisten Stormarn sei bekannt. "Wir gehen davon aus, dass es sich um wenige Betreiber handelt. Da steckt keine Organisation hinter", sagt Riedel. Der Staatsschutz zählte im Vorjahr landesweit 756 Taten von Rechtsextremisten, davon 59 in Stormarn. Zwei Gewalttaten und 57 sogenannte Propaganda-Delikte.

Die Jugendkulturinitiative Ahrensburg lädt für diesen Sonnabend zur Soli-Party gegen rechts" ins Jugendzentrum 42 (An der Reitbahn) ein. Die Hälfte der Einnahmen (Eintritt: vier Euro) soll an das AJH gespendet werden.