Stormarn
Nachwuchs testet die Bürgermeister-Bewerber

Kandidaten-Quartett rockt das Jugendzentrum

Thomas Reich, Klaus Schädel, Jörn Schade und Michael Sarach mussten sich unter anderem bei einem Prominenten-Raten bewähren.

Ahrensburg. Eigentlich heizen Rock-, Speed-Metal- und Reggae-Bands den Besuchern des Ahrensburger Jugendzentrums "42" ein. Am Donnerstagabend stand jedoch eine ganz besondere "Boygroup" auf der Bühne: Vier Männer, die keine Popstars sind, sich aber trotzdem als Publikumsmagnet entpuppten. "Wer wird Ahrensburgs neuer König?" Unter diesem Motto hatte der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) Thomas Reich (parteilos), Michael Sarach (SPD und FDP), Jörn Schade (CDU) und Klaus Schädel (parteilos) zum Bürgermeisterkandidaten-Duell eingeladen. Rund 150 Jugendliche verfolgten, wie die Herren im Scheinwerferlicht Rede und Antwort standen.

"Degenfechten ist heute nicht." Mit diesen Worten leitet Moderator Carsten Roeder, Stadtjugendpfleger aus Itzehoe, die Veranstaltung um 19.07 Uhr humorvoll ein. "Hier gelten Gesetze: Keine Beleidigungen. Alle bleiben sachlich. Jeder hat das Recht auf klare Antworten." Auf eine Vorstellungsrunde der Bewerber wird verzichtet. Es geht gleich in die Vollen. Erstes Thema: Bildung. Jeder Kandidat darf drei Minuten reden. Eine Sanduhr stoppt die Zeit.

"Es ist wichtig, dass Sie die besten Voraussetzungen haben", sagt Klaus Schädel. Dazu zählten auch kleine Schulklassen. Als Zweiter hat Jörn Schade das Wort: "Wir brauchen eine neue Turnhalle für die Grundschule Am Hagen und eine Cafeteria für die Stormarnschule." Bei der VHS sollte es verstärkt Sprachförderangebote für ausländische Kinder geben. "Das ist die Basis für Integration", sagt der Diplom-Verwaltungswirt.

Michael Sarach schlägt vor, dass Jugendliche selbst VHS-Angebote mitgestalten könnten: "Etwa Kurse wie 'Sprache von Jugendlichen für Erwachsene'." Bei den Schulgebäude-Planungen sollte auch Jugendbeteiligung eine Rolle spielen.

Mit einem lockeren "Erst mal hallo zusammen", startet Thomas Reich seinen Beitrag. Es ist nicht das erste Mal bei einer Podiumsdiskussion, dass der Stadtjustiziar gleich zu Beginn von seinen sieben Kindern erzählt und damit für amüsiertes Schmunzeln im Saal sorgt. Ernst geht es weiter: "Die Schülerzahlen gehen zurück." Aber er setze sich dafür ein, dass keine Schule in Zweifel gezogen werde. Reich: "Und ich will mich für eine Jugend-Kunst-Schule in Ahrensburg engagieren."

Der erste Themenkomplex ist beendet. Die Kandidaten haben sich warmgelaufen. "Nun kommt die erste Challenge", sagt KiJuB-Vorsitzender Max Rünzel. "Challenge" - das heißt so viel wie Herausforderung. Und sorgt bei den vier Herren für leicht skeptische Blicke. Ihre Aufgabe: Prominentenraten. "Michael Schumacher", ruft Sarach blitzschnell, als das erste Bild auf der Leinwand erscheint. Auch Sängerin LaFee identifiziert der Diplom-Finanzwirt als Erster ("Höre ich zu Hause ständig"). Schade punktet mit "Bernd, das Brot". Sieger des Spiels wird jedoch Schädel, der Paris Hilton, den Rapper "50 Cent" und die "Super Nanny" erkennt.

Carsten Roeder moderiert den zweiten Themenkomplex an: Freizeit am Tag und in der Nacht. "Ich vermisse ein Kino", sagt Umzugsunternehmer Schädel. Zu Hause DVDs zu schauen, ersetze keinen Kinobesuch. Sarach betont, dass er gern die Öffnungszeiten der Jugendhäuser ausbauen würde. "Vor allem am Wochenende", sagt er.

"Was haben Sie so mit 16 gemacht?", will Roeder wissen. Sarach lacht und sagt: "Ich war dienstags immer Stammgast in der Zwiebel, einer Kneipe in Hamburg. Dort gab es irische Abende." Auch Jörn Schade gibt preis, was er in der Jugend getrieben hat. "Ich war oft im Klönschnack - eine Kneipe, die es heute nicht mehr gibt." Zum Thema Badlantic sagt er: "Wir brauchen vereinfachte Tarife und keine neuen Attraktionen." Reich ist da anderer Ansicht: "Das Fundament für eine Rutsche ist vorhanden. Sie könnte mehr Besucher anlocken."

Einig sind sich die vier Herren dagegen bei der Frage aus dem Publikum, wie sie mit dem Thema Jugendliche und Alkohol umgehen würden: Alle weisen auf die Gefahren hin. Michael Sarach imponiert den Jugendlichen mit seiner Offenheit: "Mein Vater war Alkoholiker. Und mein Cousin ist alkoholabhängig." Worte, bei denen es plötzlich sehr still wird im Raum. "Ich setze mich für alles ein, was junge Menschen fernhält von Alkohol. Von Drogen. Und von Rechtsextremismus."

Eine Stunde lang löchern die Zuschauer die Kandidaten mit ihren Fragen. Ein Thema: Umweltschutz. Gelächter erfüllt den Raum, als ein Jugendlicher fragt: "Was für Autos fahren sie?" Zufriedenstellende Antworten scheint keiner geben zu können. Während die Angaben von Schade ("VW Polo"), Reich ("Citroen, aber zur Arbeit fahre ich mit dem Rad") und Sarach ("Volvo Kombi mit Plakette") kommentarlos hingenommen werden, ertönen bei Schädels Antwort ("Ich bin BMW-Fahrer") lautstarke "Oh, nein"-Rufe.

Um 21.10 Uhr das große Finale: Jeder Kandidat stellt sich in eine Ecke des Raumes - und die Zuhörer gehen zu dem Bewerber, der ihnen am Besten gefallen hat. Die Kandidaten sind keine Popstars, aber Fans haben sie auf jeden Fall. Die einen mehr, die anderen weniger. Die meisten stehen bei Jörn Schade. Um Michael Sarach und Thomas Reich haben sich nur unwesentlich weniger Jugendliche versammelt. Bei Klaus Schädel steht nur seine Ehefrau.