Familienchronik

Erdbeeren sind sein Leben: Enno Glantz blickt zurück

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Pünktlich zu seinem 65. Geburtstag am kommenden Sonnabend hat Enno Glantz, Besitzer des Erdbeerhofs in Delingsdorf, ein Buch über seine Familiengeschichte geschrieben. Dabei blickt er auf drei Generationen zurück.

Delingsdorf. Die Story rankt sich um das Gut Hohen Wieschendorf bei Wismar, das Enno Glantz' Großvater Paul 1912 im Alter von 37 Jahren gekauft hatte.

Urgroßvater Friedrich hatte sein Gut verkauft, um seinen Söhnen mit Startkapital zu helfen. Den Rest legte er in Staatsanleihen an. Aber durch die Inflation 1923 verlor er sein gesamtes Vermögen. "Mein Urgroßvater wurde danach schwermütig", sagt Enno Glantz. Seinen Lebensabend verbrachte Friedrich bei seinem Sohn Paul. Der wirtschaftete sehr erfolgreich und konnte noch zwei Güter erwerben, die für seine Söhne bestimmt waren. Günther, der Älteste, sollte Hohen Wieschendorf erben. Außerdem kaufte er 25 Hektar Weideland bei Tönning für den Drittgeborenen.

Doch diese Pläne gingen nicht auf. Nach dem Krieg wurde Paul Glantz enteignet und vertrieben. Es blieb ihm nur das Land in Schleswig-Holstein. "Er lebte von der schmalen Pacht in einer Zweizimmerwohnung in Hamburg, wo er 1952 starb", sagt sein Enkel. Enno Glantz Vater Günther übernahm nach dem Krieg die Verwaltung eines Hamburger Staatsguts. 1961 machte er sich selbstständig und gründete den Erdbeerhof in Delingsdorf. Dabei nutzte ihm die Bekanntschaft mit dem Züchter Reinhold von Sengbusch, der eine besonders ertragreiche Sorte entwickelt hatte. Als "Senga Sengana" wurde sie nach ihm benannt. Günther Glantz hatte auch die Idee zur Direktvermarktung.

Enno Glantz übernahm den Betrieb elf Jahre später. Nach der Wende in der DDR konnte er 1991 Teile des Gutes Hohen Wieschendorf zurückkaufen. Die Umstände wurmen ihn bis heute. Denn die Enteignungen vor der Gründung der DDR blieben auch nach der Wiedervereinigung rechtens. "Kanzler Kohl hat gesagt, das sei die russische Bedingung für die Wiedervereinigung", sagt Glantz, "doch Gorbatschow hat dem später widersprochen."

Das Verfassungsgericht hat diese Regelung bestätigt, verlangte aber eine Entschädigung der Alteigentümer. "Das war vor 18 Jahren, aber bis heute sind erst 40 Prozent dieser Verfahren abgeschlossen", sagt Glantz, "viele sind bereits darüber gestorben." Auch er wurde noch nicht entschädigt. Nur einen Teil des Gutes konnte er zu vergünstigtem Preis zurückkaufen.

Glantz kritisiert auch die Preispolitik der Treuhand-Nachfolgerin BVVG. Sie schreibt landwirtschaftliche Flächen zunehmend an Meistbietende zum Verkauf aus. "Die Bodenpreise wurden so bis auf Westniveau in die Höhe getrieben", sagt Glantz. Abgesehen von den Großbetrieben arbeiteten dort viele Landwirte mit einer dünnen Kapitaldecke und auf gepachtetem Land.

Dass viele Alteigentümer ihr Land nicht zurückerhielten, sei einer der größten Fehler der Wiedervereinigung gewesen. "Wo sie dennoch wiederkamen, gab es einen Riesenschub für die Region", sagt Glantz.

Der Mittelstand als Garant der Wirtschaft werde vernachlässigt. Stattdessen würden unsinnige Großprojekte gefördert. "So wie ein Yachthafen an der Ostsee in der Nähe meines Gutes", nennt Glantz ein Beispiel, "das 14-Millionen-Projekt wurde zu 60 Prozent staatlich gefördert." Heute sei es eine Investitionsruine.

Der Erdbeerbauer verbringt heute etwa zwei Drittel seiner Zeit in Delingsdorf, den Rest in Hohen Wieschendorf. Sein großes Hobby ist das Reiten. Bis 1990 hat er Turniere geritten, mit Wulf Hinrich Hamann betreibt er eine Pferdezucht und -ausbildung in Delingsdorf.

Der Titel des Buchs lautet "Glantz-Zeiten". Es kostet 16,90 Euro und erscheint im Verlag der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft. Co-Autorin von Glantz ist die Schriftstellerin Heike Weiberg.

( (jpm) )

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