Stormarn
Rathaus: Kunstfreunde zeigen Original-Zeichnungen von 24 Künstlern

Ahrensburg geht auf dem Strich

Im Mittelpunkt der Ausstellung: der Karikaturist Karl-Heinz Schoenfeld. Er reist zur Vernissage aus Potsdam an.

Ahrensburg. Walter Giller war nicht gerade begeistert. So soll ich aussehen? Schließlich signierte er die Zeichnung doch, fügte allerdings als Protestnote das Wörtchen "trotzdem" hinzu. Böse war aber niemand. Dazu war der Drei-Herren-Abend mit dem Schauspieler, dem Ahrensburger Freund Harald Dzubilla und dem Zeichner Karl-Heinz Schoenfeld viel zu lustig: Es gab reichlich Knoblauchbrot und ein Schlückchen Rotwein.

Ganz anders lief es bei Kanzler Helmut Kohl. Er fand sein Konterfei gelungen und setzte sein Kaiser-Wilhelm" darunter - obwohl er solche Art Porträts nie signierte. Für Schoenfeld machte er eine Ausnahme. Ein dickes Lob für den Karikaturisten des Hamburger Abendblatts, der auf Einladung der Kunstfreunde jetzt in Ahrensburg ausstellt.

Sind Kohl und Giller nun gelungen oder nicht? Zieht der Schauspieler tatsächlich so eine Flunsch? Und schaut Kohl wirklich so artig aus der Wäsche? Besucher des Ahrensburger Rathauses können sich ab 5. September selbst ein Bild machen. Die Kunstfreunde laden ein und zeigen unter der Überschrift "Ahrensburg geht auf dem Strich" bis zum 30. September Karikaturen und Illustrationen von 24 Zeichnern, unter anderem von Ulli Stein, Erich Ohser, George Grosz und der Ahrensburgerin Silke Möller. Im Mittelpunkt: die Karikaturen von Schoenfeld.

Die Idee zu dieser Schau hatte Harald Dzubilla, Vorsitzender der Kunstfreunde: "Ich kenne Schoenfeld von gemeinsamen Zeiten bei der 'Bild'. Seitdem sind wir befreundet", sagt der Ahrensburger, der außerdem bekennender Fan von Karikaturen ist und rund 200 Original gesammelt hat, selbstredend auch eine ganze Reihe seines zeichnenden Freundes.

Viele Jahre war die Schlossstadt auch das Domizil des Mannes mit der spitzen Feder. So lässt es sich Schoenfeld nicht nehmen, zur Vernissage (19 Uhr) aus Potsdam anzureisen. Hierhin hat er sich zurückgezogen, zu den Schönen, Prominenten und Reichen. Im Reisegepäck: 50 neue Arbeiten. Das heißt, von Rückzug kann eigentlich nicht die Rede sein.

"Klar arbeite ich noch. Ich muss. Ich hab' mein Geld in eine herrlichen Wohnung 'Am Neuen Garten' in Potsdam angelegt. Und die verkauf' ich nicht. Also muss ich ran", sagt der Karikaturist. Er spricht so offen und direkt von sich selbst, wie er andere aufs Korn nimmt.

Aber Geld ist nicht alles. "Das Zeichnen ist mir natürlich ein Bedürfnis. Ich kann gar nicht anders", bekennt der Karikaturist. Seit mittlerweile 34 Jahren arbeitet er fürs Abendblatt. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist er im Job und beliefert Zeitungen mit bissigen Bildern.

"Porträts mach' ich jetzt weniger, eher politische Karikaturen", sagt Schoenfeld. Das hält ihn aber nicht davon ab, den einen oder anderen berühmten Jogger, der bei den täglichen Runden an ihm vorbeihechelt, auch mal mit dem Stift festzuhalten. Schoenfeld: "Ich hab' Günther Jauch porträtiert. Der hat sich unglaublich gefreut." Auch Modeschöpfer Joop lebt und joggt hier. "Das Tolle ist, die sind alle nicht eitel. Die laufen alle in Räuberzivil rum", sagt Schoenfeld, der im November 80 wird und trotzdem zu den Emsigen gehört. Jeden Tag läuft er sechs Kilometer mit seiner Frau. Schoenfeld: "Von nüscht, kommt nüscht."