Stormarn
Entschieden: CDU und WAB stimmen für Versetzung der Skulptur

Muschelläufer: Umzug perfekt

10 000 Euro gibt Ahrensburg dafür aus, das umstrittene Kunstwerk vom Rondeel zu entfernen.

Ahrensburg. Wer ihn mag, so wie er ist - blau und groß und mitten auf dem Ahrensburger Rondeel -, muss die verbleibende Zeit nutzen und doppelt hinsehen. Denn bald ist er hier weg, der Muschelläufer. Sein bereits für März angekündigter Umzug hat sich zwar verzögert. Aber nun ist sein Abschied aus dem Open-Air-Cafehaus beschlossene Sache.

CDU und WAB sorgten in der Stadtverordnetenversammlung dafür, dass die Skulptur des Kieler Künstlers Martin Wolke ans Ende der Hagener Allee versetzt wird. Eine Reise, die in der Nähe des Ahrensburger Bahnhofs enden wird. Nur 300 Meter muss der überdimensionale Kunststoffgeselle überwinden. Kostenpunkt: rund 10 000 Euro. Ein teurer Spaß. Und das ist noch nicht alles.

Martin Wolke will mit von der Partie sein, wenn über die zukünftige künstlerische Gestaltung des Rondeels gesprochen wird. Seine Forderung: ein Planungshonorar von 2000 Euro. Sollte er nicht gefragt werden, erlaubt er das Umsetzen seiner Arbeit nur, wenn er eine Entschädigung in Höhe der damaligen Kosten des Muschelläufers erhält. Das wären 25 000 Euro.

Um diesem Dilemma vorerst zu entgehen, beschloss die Politik, dass zehn Jahre ins Land gehen sollen, bevor auf dem Rondeel ein anderes Kunstwerk stehen darf.

Das alles ist happig - finanziell und im Hinblick auf die Entscheidungsfreiheit der Stadt. Steffen Rotermundt (CDU) hielt es daher nicht mehr auf dem Sitz und auch nicht auf Fraktionskurs. Er stimmte gegen den Umzug.

"Merken Sie denn nicht, dass wir hier vorgeführt werden!", empörte er sich. Politik und Verwaltung könnten sich doch nicht vorschreiben lassen, was sie zu tun und zu lassen hätten.

Während er seinem Unmut freien Lauf ließ, fiel sein Blick auch ins Publikum. Dorthin, wo Gegner des Muschelläufers wie Harald Dzubilla und Sigrid Steinweg saßen. "Ich weiß nicht, ob ihre Kritik von Geist oder doch eher von Kleingeist zeugt", sagt Rotermundt und gab allen den Rat, genau hinzugucken. Allerdings nicht, um das Kunstwerk auf dem Rondeel noch mal so richtig zu genießen, sondern um all das andere "hässliche Zeug" wahrzunehmen. "Es gibt so viel elende Nachkriegsbebauung am Rondeel", sagte Rotermundt. Und weil der Umzug ohnehin zu teuer sei, könne die Skulptur auch getrost bleiben.

"Über ein Kunstwerk soll man reden. Das hat der Muschelläufer nun wirklich geschafft", sagte SPD-Fraktionschefin Petra Wilmer. Und ein von Kindern bespielbares Kunstwerk sollte es sein. Auch das sei gelungen. Warum dann also Geld dafür ausgeben, ihn in eine unattraktive Ecke zu verbannen?

"Ich persönlich mag ihn", bekannte Petra Wilmer dann noch und erntete ein "Aha!' von den Muschelläufer-Gegnern. Die hatten vor zwei Jahren eine Unterschriftenaktion gestartet und konnten nun beruhigt nach Hause gehen. Ihre Mission ist erfüllt.

Die Diskussion wird vermutlich weitergehen. Am Muschelläufer scheiden sich die Geister. "Ich find' ihn schön. Er bringt Farbe aufs Rondeel. Der muss hierbleiben", sagte Joachim Roß, der für einen Bummel in seine alte Heimatstadt Ahrensburg gekommen war. Seine Freundin Sabine Danker sah das ganz anders: "Ich find' den doof."