Großalarm: Gedankenloser Übermut eines 15-Jährigen an der Hahnheide-Schule in Trittau

Pfefferspray ausprobiert: 75 Verletzte

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Alexander Sulanke

Atemwegsreizungen und Kreislaufbeschwerden: Fünf Schüler und eine Lehrerin müssen sogar ins Krankenhaus.

Trittau. Er wollte einfach mal sein Pfefferspray ausprobieren - "so aus Jux und Tollerei". Durch diese gedankenlose Tat eines 15-Jährigen sind am Freitag in der Trittauer Hahnheide-Schule 75 Menschen verletzt worden. Fünf Schüler und eine Lehrerin kamen mit Atemwegsreizungen und Kreislaufbeschwerden in Krankenhäuser.

Es ist 9.30 Uhr, die große Pause nach der zweiten Stunde, als der Neuntklässler eine Dose mit Pfefferspray zückt und sie einigen Mitschülern zeigt. Was dann geschieht, stellt Hartmut Hentschel (54), der Leiter der Haupt- und Realschule, später so dar: "Der Schüler fragte: ,Was würde wohl passieren, wenn ich jetzt damit sprühe?' Dann nahm er den Sicherheitsverschluss ab und versprühte ganz wenig." Die Polizei ermittelt hingegen später, der 15-Jährige habe die Dose entleert.

Ganz wenig oder ganz viel: Das Spray tut in der Pausenhalle, in der die Schüler wegen des Regens vor der Tür dicht an dicht stehen, schnell seine Wirkung. "Plötzlich haben alle angefangen zu husten", sagt die 13-jährige Tessa aus der achten Klasse, "und dann ist unsere Kunstlehrerin auch gleich zusammengeklappt."

Um 9.39 Uhr geht in der Rettungsleitstelle in Bad Oldesloe der Notruf aus Trittau ein. Die Schnelle Einsatzgruppe (SEG), das Spezialteam für Katastrophenfälle, rückt geschlossen aus. 40 Rettungswagen mit 105 Sanitätern an Bord rasen zur Schule.

Zwei von ihnen bringen die Lehrerin ins Krankenhaus. Dr. Carsten Külls (39), der Leitende Notarzt, funktioniert die kleine Sporthalle zur Krankenstation um. Liegen, Sauerstoffgeräte und Notfallkoffer werden dutzendweise ins Gebäude getragen. Alle unverletzten der 650 Schüler werden nach Hause geschickt.

Der Mediziner untersucht die Kinder und Jugendlichen, die über Beschwerden klagen. "Sie haben Atemwegsreizungen", sagt Dr. Külls. Die Schüler bekommen Sauerstoffmasken aufgesetzt. Nach einer Stunde können die meisten wieder gehen. "Bei fünf Jugendlichen ist der Kreislauf im Keller. Die kommen ins Krankenhaus", so Külls.

Unterdessen befragen Polizisten den 15-Jährigen. Er habe das Spray von einem Mitschüler geschenkt bekommen, sagt er. Die Eltern kommen und holen ihren Sohn ab. "Wir prüfen, ob sie den Einsatz bezahlen müssen", sagt Polizeisprecherin Sonja Kurz (37).

Was die Schulleitung mit dem 15-Jährigen macht, steht noch nicht fest. Strafrechtlich muss er sich wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten: Pfefferspray ist erst ab 18 erlaubt und darf nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden.

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