Stormarn

Ahrensburg sagt dem Stau ade

Osttangente: 4,3 Millionen Euro teure Strasse zwischen Ostring und Beimoorweg ist eingeweiht. Die neue Trasse entlastet den Verkehrsengpaß Nummer eins am Gewerbegebiet.

Ahrensburg. "Eine tolle Abkürzung!" Dieter Neumann (51) strahlt übers ganze Gesicht und fühlt sich wie ein Pionier. Es ist 11.10 Uhr. Und Taxifahrer Neumann, gerade unterwegs vom Ahrensburger Kornkamp in den Stadtteil Hagen, rollt als erster Autofahrer über den Asphalt der neuen sogenannten Osttangente. Eine Abkürzung, die ab sofort auch Tausende Berufspendler und Lkw-Fahrer nutzen werden, um von der Autobahn ins Gewerbegebiet Nord zu gelangen - und wieder zurück.

Bürgermeisterin Ursula Pepper (49) und Bürgervorsteher Werner Bandick (65) weihten das 4,3-Millionen-Euro-Bauwerk gestern mit einem gemeinsamen Scherenschnitt durch ein Absperrband offiziell ein. Die Stadt zahlt für das 800 Meter lange Stück Straße knapp 2,7 Millionen Euro aus eigener Kasse. Den Rest schießt das Land zu.

Was Autofahrer wie Dieter Neumann als tolle Abkürzung empfinden, ist aus der Sicht von Politik und Verwaltung noch weitaus mehr. Die Erwartungen sind groß. Denn die 800 Meter Asphaltpiste dienen auch als Erschließungsader für das neue Gewerbegebiet Beimoor-Süd, das links und rechts der Straße liegt, bislang aber nur auf den Papieren der Planer existiert.

Doch wo jetzt noch die Äcker brachliegen, sollen sich auf 15 Hektar Fläche bald neue Firmen ansiedeln. "Wir haben schon etliche Anfragen", sagt Uta Stammer (48) von der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), die das Terrain im Auftrag der Stadt verkauft.

Auftakt für einen großräumigen Umgehungsring um die Stadt.

Die ersten Bagger rollen in der kommenden Woche an. Dann beginnt auf dem Eckgrundstück an der Einmündung Beimoorweg/Ostring der Bau des Hauses der Wirtschaft, in das unter anderem ein Büro der WAS, das Gründerzentrum und die Industrie- und Handelskammer einziehen. "Das Gebäude wird voraussichtlich im Sommer 2006 fertig sein", sagt Michael Eckwolf (46), Geschäftsführer der Ahrensburger Firma Gewibau, die Investor ist.

Die neuen Straße wird den bisherigen Knotenpunkt Ostring/Beimoorweg/Bahntrasse deutlich entlasten, weil sie für Fahrten von und zur Autobahn kürzer ist. Staus im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr soll es künftig in diesem Teil der Stadt nicht mehr geben. Verkehrsplaner gehen davon, daß rund 10 000 Autofahrer täglich über die neue Straße fahren werden.

Bürgermeisterin Ursula Pepper möchte die Straße als Teil eines großräumigen Umgehungsrings um Ahrensburg verstanden wissen, dessen Trassenverlauf nördlich des Kornkamp allerdings noch in der Planungsphase steckt (wir berichteten). Die Idee: Der Kornkamp soll eines Tages nicht mehr in einem Wendehammer enden, sondern nach Norden in einem weiten Bogen zur B 75 geführt werden. So könnte der Durchgangsverkehr an der Stadt vorbeigeleitet werden.

Wie berichtet, stößt dieser Gedanke aber auf Widerstand im Stadtteil Gartenholz. Eine Planungsvariante sieht vor, daß die Straße 85 Meter dicht an einigen Wohnhäusern vorbeiführt. Im Gespräch ist zudem, daß die Trasse eines Tages die Stadt nördlich vollkommen umfaßt und bis nach Ammersbek führt.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Für Dieter Neumann zählt erst mal die tolle Abkürzung. Für die hat er gestern allerdings ganz schön lange gebraucht. Denn als erster Nutzer mußte er natürlich anhalten und sich ein Stück Absperrband schenken lassen . . .

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