Bargteheide: Jetzt kommen die Elternbriefe

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Cornelia Büddig

Pilotprojekt: Lügen, Streit, Trotz: Stormarner Kinderschutzbund gibt Familien acht Jahre lang Tips.

Bargteheide. Eltern, die ihr Kind verstehen, haben es mit der Erziehung leichter. Der Kinderschutzbund Stormarn startet daher in Bargteheide ein Modellprojekt: Rund 120 junge Familien bekommen acht Jahre lang regelmäßig schriftliche Informationen zur altersgerechten Entwicklung von Jungen und Mädchen - verbunden mit entsprechenden Tips für Mütter und Väter. Diese Elternbriefe hat der vom Familienministerium geförderte Berliner Arbeitskreis "Neue Erziehung" entwickelt.

"Die Elternbriefe sind eine hervorragende Möglichkeit, Familien zu unterstützen," sagt Ingo Loeding (46), Geschäftsführer des Kinderschutzbunds in Stormarn. Von der Geburt bis zum achten Geburtstag ihres Kindes werden die Eltern 46 Schreiben zu alltäglichen Sorgen und Problemen kostenlos erhalten.

Andere Städte und Gemeinden können noch mitmachen.

Im ersten Lebensjahr wird es ein Brief pro Monat sein. Später orientieren sich die Abstände an den Entwicklungsphasen. "Lügen" lautet zum Beispiel ein Thema für Eltern von Dreijährigen. Kinder in diesem Alter sagen vielleicht so merkwürdige Sätze wie: "Der Spiegel hat gesagt: Da hat einer gekackt." Die Frage ist, warum ein Kleinkind auf solche Ideen kommt. Ist das eine Lüge, kindliche Phantasie oder einfach nur frech und ungezogen?

Wahrscheinlich hat das Kind gerade von seinen Eltern gelernt, daß es manche Wörter nicht benutzen darf. "Ein Dreijähriger, der ein Schimpfwort einem anderen in den Mund legt, testet das Verbot in kreativer Weise", erläutert Loeding. Wer das nicht weiß, reagiert vielleicht wütend.

"Die schöne, aber manchmal nicht einfache Aufgabe, Kinder großzuziehen, wird durch die Elternbriefe erleichtert", sagt Loeding. Weitere Themen sind unter anderem: Ernährung, Schlafprobleme, Streit im Kindergarten, Trotzphase und Doktorspiele.

Der Fachmann sieht in den Elternbriefen zum Teil auch den Ersatz für Erfahrungen, die vor Jahrzehnten von Großeltern oder anderen Verwandten übermittelt wurden. Ingo Loeding ist überzeugt: "Die Angst von Müttern oder Vätern, etwas falsch zu machen, wird durch die Infos geringer." Außerdem geht er davon aus, daß sich die Konflikte in Familien verringern lassen, wenn Eltern psychologisches Verständnis für ihren Nachwuchs aufbringen: "Die Welt könnte dadurch kinderfreundlicher werden."

Der Kinderschutzbund wird bei diesem Vorhaben von dem Lions- und dem Rotary-Club Bargteheide unterstützt. Die Rotarier bezahlen die Elternbriefe (rund 1300 Euro), die Lions-Mitglieder werfen die Post bei den Adressaten in die Briefkästen. Dadurch lassen sich rund 5000 Euro Portokosten sparen. "Der Kinderschutzbund möchte die Sache anschieben. Wir hoffen, daß sich viele Nachahmer finden", sagt Loeding. Bürgermeister von anderen Städten und Gemeinden in Stormarn können sich in der Geschäftsstelle (Telefon 04532/28 06 88) melden.

Interessenten für den Elternbrief sollten ebenfalls Kontakt mit dem Kinderschutzbund aufnehmen. "Wir unterstützen alle Bargteheider, die zwischen Februar 2005 und Februar 2006 Eltern werden", sagt Ingo Loeding. Außerdem wird eine Modellfamilie gesucht, die den Kinderschutzbund bei der Werbung für das Projekt unterstützt. Einen Probebrief können Interessenten auch bei dem Berliner "Arbeitskreis Neue Erziehung" (Telefon 030/25 90 06 35 oder Internet www.ane.de) anfordern.

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