Pferdemörder tötete ihren Uli

Foto: Michael Degenhard

Grausige Tat erschüttert Oststeinbeker Familie. Sie hat 1000 Euro Belohnung zur Ergreifung des Täters ausgesetzt

Oststeinbek. Ursula Heiß kann es noch immer nicht fassen und guckt ungläubig auf die Pferdekoppel, auf der bis vor ein paar Tagen noch ihr 21-jähriger Schimmel Uli stand. Jetzt ist Uli tot. Unbekannte hatten dem Tier einen Harkenstiel etwa einen Meter tief in den After gerammt. Die dadurch verursachten inneren Verletzungen waren so schwer, dass das Tier in einer Pferdeklinik eingeschläfert werden musste.

Die unglaubliche und widerwärtige Tat treibt der Besitzerin die Tränen in die Augen. Sie sagt: "Ich bekam Uli vor 17 Jahren von meinen Eltern. Er war ein richtiges Familientier."

Das Pferd war ein Geschenk zu ihrem 14. Geburtstag gewesen. Viel Zeit hatte Ursula Heiß seitdem mit dem Traberwallach verbracht - mehr als ihr halbes Leben lang. Ihn gepflegt und ausgeritten. Einmal ist er sogar mit in Urlaub gekommen."Trotz seines Alters war er topfit. Er hatte keine Krankheiten", sagt sie. Auf der Oststeinbeker Wiese an der Straße Willnbrook sollte das Tier auch sein Gnadenbrot bekommen. "Das hat dieser perverse Spinner jetzt verdorben.", sagt Ulis Besitzerin, die - wie ihre Eltern auch - in Nächten seit der Tat kaum geschlafen hat.

Ihre Mutter hatte das Tier am Himmelfahrts-Morgen verstört auf der gepachteten Koppel nordöstlich von Oststeinbek vorgefunden. Sie wollte ihm Futter geben. Doch der Schimmel stand ungewöhnlich starr auf dem hinteren Teil der Wiese. Erst, als sie sich dem Tier näherte, bemerkte sie die herausragende Harke am Schweif. Das Tier zitterte, hatte Fieber. Sie nahm sich allen Mut zusammen und zog den Stiel heraus. Dann rief sie ihre Tochter an, die an diesem Tag zu Hause am Schreibtisch saß und für ihre Examensarbeit lernte: "Dein Pferd ist verletzt." Die angehende Lehrerin stieg sofort ins Auto. Auf dem Weg zur Wiese rief sie eine Tierärztin, die schon kurze Zeit später eintraf und das Tier untersuchte. Auch die Polizei wurde alarmiert.

Der Glinder Polizeibeamte Arne Hornung sagt: "So etwas habe ich in meiner gesamten Dienstzeit noch nie gesehen. Das ist wirklich übelste Tierquälerei." Seine Kollegin, die ihn begleitete, war von der Tat so mitgenommen, dass sie weinend den Tatort verlassen musste. Die Tierärztin sah keine Chance mehr für das Pferd. "Wir wollten aber nichts unversucht lassen", sagt Friedrich Heiß, der Vater der Pferdebesitzerin. Sofort organisierte er einen Pferdehänger von einem Bauernhof. "Mit Mühe und Not haben wir Uli auf den Anhänger bekommen und sind in die Pferdeklinik nach Börnsen gefahren." Dort wurde das Tier erneut untersucht. Doch auch dort konnten die Spezialisten nichts mehr für Uli tun. Über einen Tropf bekam der langjährige Gefährte der Heißes eine tödliche Lösung verabreicht, die ihn nach kurzer Zeit einschlafen ließ. Zurück bleibt seine Familie, die sich die Frage nach dem Warum stellt. "Wie kann man nur auf so eine Idee kommen?", fragt Friedrich Heiß. Er mutmaßt: "Die Tat kann auch einen sexuellen Hintergrund haben." Doch in Wirklichkeit gelingt es weder ihm noch irgendjemandem sonst, Antworten zu finden.

Er hat Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz - und wegen Sachbeschädigung. Denn vor dem Gesetz sind Familienmitglieder wie Uli Sachen.

Der Wallach war nicht allein auf der Wiese gewesen, als ihm die tödlichen Verletzungen zugefügt wurden. Dort leben noch zwei weitere Pferde, eines von ihnen heißt Atilla und gehört Anja Steinbrück. Sie hatte noch am Donnerstagmorgen alle drei Tiere gefüttert. Zu dem Zeitpunkt habe sich Uli noch normal verhalten und gemeinsam mit den anderen gefressen. Aber ihr sei aufgefallen, dass die Schubkarre umgedreht auf der Wiese gelegen hatte. Und die Harke, die die Pferdebesitzer immer zum Ausmisten des Offenstalls benutzen und die für die Pferde unerreichbar hinter einem Zaun am Pfeiler steht, war verschwunden. Das Tatwerkzeug.

Hat sie nicht sogar noch Stimmen gehört an jenem Morgen, sich aber nichts dabei gedacht? Waren es die Stimmen der Täter? Anja Steinbrück weiß es nicht.

Lotta, das dritte Pferd auf der Koppel, ist leicht verletzt. Besitzerin Anja Meifert vermutet, dass der oder die Täter es zuvor bei ihrem Tier versucht haben könnten. "Aber Lotta hat wohl ausgeschlagen." Uli jedoch sei ein zutrauliches Pferd gewesen, beschreibt Friedrich Heiß den Charakter des Pferdes. "Zutraulich, aber dominant."

Familie Heiß hat die zweieinhalb Hektar große Wiese seit 15 Jahren gepachtet. Hier kennen sie jeden Grashalm. Hier ist ihnen sofort aufgefallen, dass der Zaun an der rückwärtigen Seite verbogen ist. Der Zaun, den sie vor Jahren selbst gesetzt haben. Davor Fußspuren im Gras, wahrscheinlich die des Täters. Anja Steinbrück hat Angst, dass die Täter noch einmal zurückkommen.

Friedrich Heiß hat eine Belohnung von 1000 Euro zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. Und er bittet jeden, der Hinweise geben kann, sich bei der Polizei zu melden.

Ursula Heiß wischt sich die Tränen aus den Augen. Sie blickt zurück. Blickt zurück auf all die schönen Stunden, die sie mit ihrem Pferd erlebt hat. Blickt zurück auf die Koppel, auf der nur noch zwei Pferde grasen. Uli fehlt. Für immer. Daran wird sich die 31-Jährige noch lange nicht gewöhnen können: "Ich schaue hinüber und denke, er muss da doch irgendwo stehen."