Trend zum Abitur

Diese Schulen in Stormarn sind am beliebtesten

| Lesedauer: 5 Minuten
Filip Schwen
Die Sachsenwaldschule (Foto) verzeichnete zum aktuellen Schuljahr die zweitmeisten Anmeldungen in Stormarn.

Die Sachsenwaldschule (Foto) verzeichnete zum aktuellen Schuljahr die zweitmeisten Anmeldungen in Stormarn.

Foto: Susanne Tamm

Fast jeder zweite Viertklässler ist aufs Gymnasium gewechselt. Welche Schulen die meisten Anmeldungen verbuchen und was Experten sagen.

Bad Oldesloe.  Der Trend zum Abitur hält an: Fast jeder zweite Viertklässler in Stormarn ist nach den Sommerferien auf ein Gymnasium gewechselt. Das geht aus aktuellen Zahlen des Kieler Bildungsministeriums für die weiterführenden Schulen im Kreis hervor. Demnach besuchen 46 Prozent der Fünftklässler ein Gymnasium. Die Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe hinzugenommen, wurden knapp 83 Prozent der Jungen und Mädchen auf einer Bildungseinrichtung angemeldet, welche die Möglichkeit bietet, das Abitur zu erwerben.

Von 2361 Kindern, die im August auf eine weiterführenden Schule gewechselt sind, besuchen 1096 das Gymnasium, 884 (37 Prozent) eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe und 381 (16 Prozent) eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe. Insgesamt liegen die Anmeldungen an Gemeinschaftsschulen damit leicht über denen an Gymnasien.

Schulen in Stormarn: Diese verbuchen die meisten Anmeldungen

Gegenüber dem Schuljahr 2021/22 ist die Gesamtzahl der Fünftklässler in Stormarn leicht gestiegen. Vor einem Jahr waren 2324 Jungen und Mädchen an eine weiterführende Schule gewechselt. Die Übergangsquoten sind gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert: 45 Prozent der Schüler waren damals auf ein Gymnasium gewechselt, 39 Prozent auf eine Gemeinschaftsschule mit und 15 Prozent auf eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe.

Die meisten Anmeldungen aller weiterführenden Schulen in Stormarn verzeichnete zum laufenden Schuljahr die Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe. 165 Jungen und Mädchen wurden an dem Gymnasium in die fünfte Klasse eingeschult. Danach folgen die Sachsenwaldschule in Reinbek mit 141 und das Emil-von-Behring-Gymnasium in Großhansdorf mit 138 Fünftklässlern.

Eric-Kandel-Gymnasium in Ahrensburg beliebter als Stormarnschule

Von den Gemeinschaftsschulen verbuchte die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Bargteheide mit 129 die meisten Anmeldungen. Im Kreisvergleich kommt die Bildungseinrichtung mit Oberstufe damit aber nur auf Platz fünf nach dem Gymnasium Trittau mit 132 Anmeldungen. Die wenigsten Anmeldungen gab es an der Gemeinschaftsschule am Heimgarten in Ahrensburg (65).

Während es in Reinfeld (Immanuel-Kant-Schule, 98 Anmeldungen) und Barsbüttel (Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule, 127 Anmeldungen) jeweils nur eine weiterführende Schule gibt, haben Schüler und Eltern vielerorts mehrere Bildungseinrichtungen zur Auswahl. In Ahrensburg war das Eric-Kandel-Gymnasium (108 Anmeldungen) erneut beliebter als die Stormarnschule (71). Bis 2019 war das noch andersherum.

In Bargteheide liegt eine Gemeinschaftsschule vor den Gymnasien

Das 1911 gegründete Traditionsgymnasium an der Waldstraße, das im April 2021 in die Schlagzeilen geraten war, als die langjährige Schulleiterin wegen des Verdachts der Untreue suspendiert worden war, fällt damit sogar knapp hinter die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule (72 Anmeldungen) zurück.

In Bargteheide lag bei den Anmeldungen mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (129) eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe noch vor dem Gymnasium Eckhorst (116), dem Kopernikus Gymnasium (104) und der Anne-Frank-Schule (98). Letztere verfügt ebenfalls über eine Oberstufe. In Reinbek war das Gymnasium Sachsenwaldschule (141) beliebter als die Gemeinschaftsschule Reinbek (99), die ebenfalls das Abitur ermöglicht.

In Schleswig-Holstein können Eltern bei der Wahl der Schulform frei entscheiden

In Glinde lag das Gymnasium (121) vor der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld (mit Oberstufe, 92) und der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule (ohne Oberstufe, 71). In Trittau verzeichnete das Gymnasium mit 132 die meisten Fünftklässler vor der Hahnheide-Schule (mit Oberstufe, 73). Zu beachten ist allerdings, dass einige Bildungseinrichtungen aus Platzgründen jedes Jahr nur eine begrenzte Schülerzahl neu aufnehmen.

Den Trend zum Abitur gibt es schon seit einigen Jahren. In Schleswig-Holstein müssen Eltern zwar an Beratungsgesprächen teilnehmen, können aber bei der Wahl der Schulform frei entscheiden. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Studenten stetig zunimmt und gleichzeitig viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, wird die Entwicklung teilweise kritisch gesehen. Für Martin Habersaat, Landtagsabgeordneter aus Reinbek und Bildungsexperte der SPD, ist diese Kritik ungerechtfertigt. „Auch Branchen, die ein Studium verlangen, leiden unter Nachwuchsmangel“, sagt er.

SPD-Politiker macht demografischen Wandel für Azubi-Mangel verantwortlich

Für Habersaat, der selbst bis 2009 als Lehrer an einem Gymnasium unterrichtet hat, sind die Ursachen für fehlende Bewerber vielmehr im demografischen Wandel zu suchen. Er sieht die Arbeitgeber in der Pflicht, mit attraktiven Arbeitsbedingungen Nachwuchskräfte für ihre Unternehmen zu gewinnen. „Ich bin der Überzeugung, dass es falsch ist, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu verweigern, das Abitur zu machen“, sagt er.

Kathleen Wieczorek, Chefin der Arbeitsagentur Bad Oldesloe, beobachtet, dass sich der Trend zum Abitur während der Corona-Pandemie noch verstärkt habe. „Hier hat sicher die Unsicherheit, wie sich einzelne Branchen entwickeln, eine Rolle gespielt“, sagt sie. Für Wieczorek ist diese Entwicklung nicht nur positiv. „Es gibt Jugendliche, für die der Schritt in eine duale Ausbildung mit dem Praxisbezug der individuell bessere wäre. Sie fehlen den Unternehmen zunehmend als Ausbildungsinteressenten“, sagt sie.

Chefin der Arbeitsagentur sieht Unternehmen in Stormarn vor Nachwuchsproblemen

„Die jungen Menschen werden als Fachkräfte für die Themen der Zukunft benötigt: Klima-, Umweltschutz und Digitalisierung“, so Wieczorek. Der Appell der Agenturchefin an die Jugendlichen: „Schaut euch auch die vielen regionalen Ausbildungsangebote an und nutzt die Unterstützung unserer Expertinnen und Experten aus der Berufsberatung.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Ahrensburg