Ahrensburg

S 4: Naturschützer fordern Querungshilfe für Tiere

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Filip Schwen
Ab 2029 soll die S4 Ahrensburg im Zehn-Minuten-Takt mit dem Hamburger Hauptbahnhof verbinden.

Ab 2029 soll die S4 Ahrensburg im Zehn-Minuten-Takt mit dem Hamburger Hauptbahnhof verbinden.

Foto: Bertold Fabricius

Ausbau der Trasse bei Ahrensburg behindere den Wildwechsel, kritisiert der BUND. Diese Lösung schlägt die Organisation vor.

Ahrensburg.  Die Belange der Tier- und Pflanzenwelt müssen in den Planungen für die neue S-Bahnlinie 4 stärker berücksichtigt werden – das fordert der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Ahrensburg. „Die Ausbaumaßnahmen stellen eine erhebliche Belastung der Natur im Planungsbereich dar“, sagt Ortsgruppensprecher Malte Matzen. Es müssten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, den Schaden für Tiere und Pflanzen so gering wie möglich zu halten, sowohl während der Bauarbeiten als auch nach der Fertigstellung. „Nur dann ist die Planung zu verantworten“, so Matzen.

Die S 4 soll ab 2029 Hamburg-Altona über den Hauptbahnhof mit Bad Oldesloe verbinden. Die Arbeiten auf dem ersten von drei Bauabschnitten von Hasselbrook bis Luetkensallee haben bereits begonnen. Für den dritten, Stormarn betreffenden Abschnitt, soll das Planfeststellungsverfahren im Winter starten. Dann werden die Planunterlagen für das Vorhaben zur Einsicht ausgelegt. Bürger, Kommunen und andere Vertreter öffentlicher Belange, etwa Vereine und Interessengruppen, können dann Einwände und Anmerkungen einbringen, die im weiteren Planungsprozess geprüft werden müssen.

Naturschützer fordern Möglichkeit zur Querung der S-4-Trasse für Wildtiere

Naturschützer kritisieren vor allem die Absicht der Deutschen Bahn, für die neue S-Bahn zwei zusätzliche Gleise zwischen Hasselbrook und Ahrensburg zu verlegen. Das Unternehmen möchte die Strecke von zwei auf vier Gleise ausbauen, damit die vorhandene Trasse nach der Fertigstellung des Fehmarnbelt-Tunnels 2029 verstärkt für den Güterverkehr genutzt werden kann. Außerdem sollen an der Strecke bis zu sechs Meter hohe Lärmschutzwände errichtet werden.

Für die zusätzlichen Gleise müsste auch im Naturschutzgebiet Ahrensburger Tunneltal gebaut werden. Das Areal im Osten der Schlossstadt besitzt seit 2004 als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (FFH) den höchsten Schutzstatus auf Ebene der Europäischen Union. Es beheimatet bedrohte Arten wie den Kammmolch. Der BUND befürchtet, dass durch die Verbreiterung der Bahntrasse und die Lärmschutzwände eine für Tiere unüberwindbare Barriere entsteht. Der Wildwechsel zwischen dem Tunneltal und den Naturflächen westlich der Bahntrasse, etwa um den Bredenbeker Teich, werde verhindert, kritisieren die Umweltschützer.

Den Bau der S-Bahn selbst stellt der BUND nicht infrage

„Wir fordern wirksame Ausgleichsmaßnahmen von der Deutschen Bahn, die eine bessere Vernetzung der Ahrensburger Naturlandschaften ermöglichen“, sagt Matzen. Der BUND schlägt deshalb vor, dass an geeigneter Stelle eine Unterführung für Wildtiere gebaut wird. Den Bau der S 4 selbst stelle die Naturschutzorganisation nicht infrage, wie Matzen betont.

Der BUND stehe hinter der Verkehrswende und dem Ziel, den CO-Ausstoß zum Schutz des Klimas massiv zu reduzieren. „Wir sehen die Notwendigkeit einer Reduzierung des Schwerlastverkehrs mittels Lkw und des motorisierten Individualverkehrs mit Verbrennungsmotoren“, sagt der Ahrensburger BUND-Sprecher. Zu beidem trage der geplante Ausbau der Bahntrasse bei, so Matzen.

Stadt Ahrensburg plant für den 27. Oktober einen Infoabend

Die Naturschutzorganisation begrüßt die von der Stadt organisierte Dialogveranstaltung zu S 4 und Gütertrasse, die für den kommenden Donnerstag, 27. Oktober, ab 18 Uhr im Schulzentrum Am Heimgarten (Reesenbüttler Redder 4-10) geplant ist und möchte laut Matzen den Punkt Biotopvernetzung dort zum Thema machen. Bei einer Podiumsdiskussion sollen ab 19 Uhr Vertreter der Bahn, von Behörden, Anwohnerinitiativen und Umweltschutzverbänden zu verschiedenen Themenblöcken debattieren. Ihr Kommen zugesagt haben unter anderem Amina Karam, technische Leiterin des Projektes S 4 bei der Deutschen Bahn, und Lärmschutz-Experte Frank Dittmar.

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