Kommentar

Bürgerentscheid: Beim Zuhören besteht Nachholbedarf

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Filip Schwen
Filip Schwen ist Mitarbeiter der Abendblatt-Regionalredaktion Stormarn.

Filip Schwen ist Mitarbeiter der Abendblatt-Regionalredaktion Stormarn.

Foto: Ralph Klingel-Domdey / HA

Der Bürgerentscheid wäre vermeidbar gewesen. Das Ergebnis bedeutet nun zwei Jahre Stillstand im Ahrensburger Zentrum.

Die Ahrensburger haben entschieden, die Zahl der Stellplätze im Zentrum bleibt unverändert. Aus der Welt ist der Parkplatz-Streit damit noch lang nicht. Im Gegenteil, die Debatte wird weitergehen. Das denkbar knappe Ergebnis zeigt: Die Ahrensburger sind in der Frage zutiefst gespalten. Insofern ist die zweijährige Frist, innerhalb der das Votum des Bürgerentscheids nun bindend ist, vor allem als Verschnaufpause zu verstehen.

Diese Zeit gilt es jetzt zu nutzen, um einen für alle Beteiligten gangbaren Weg für die künftige Entwicklung der Innenstadt zu erarbeiten. Denn ein dauerhaftes Verharren im Status quo kann keine Lösung sein. Ahrensburgs Zentrum muss sich weiterentwickeln, um seine Attraktivität langfristig zu erhalten. In diesem Prozess ist der Bürgermeister mehr denn je als Moderator gefragt.

Bürgermeister muss Politiker, Kaufleute und Kunden an einen Tisch bringen

Eckart Boege muss die Führungsrolle übernehmen, Politiker, Kaufleute und Kunden an einen Tisch bringen. Hätte sein Amtsvorgänger das nicht versäumt, wäre es nicht zu diesem Bürgerentscheid gekommen, dessen Ergebnis nun für zwei Jahre Stillstand bei der Entwicklung der Innenstadt sorgt, sondern der auch eine polarisierte Stadt hinterlässt.

Selbstkritik üben sollten auch die Stadtverordneten. Ihnen sollte es zu denken geben, dass ein großer Teil der Bürger, deren Interessen sie vertreten sollen, den von ihnen eingeschlagenen Weg nicht mitgehen möchte. Der Weg, die Parkplätze im Zentrum mittelfristig zu reduzieren, mag stadtplanerisch der richtige sein, doch haben es die Parteien versäumt, ihre Politik nachvollziehbar zu erklären.

Engagement der Politiker und Parteien kam zu spät

Die Sorgen der Kaufleute und Kunden wurden lange Zeit ignoriert, anstatt ihnen zu begegnen und nach Kompromissen zu suchen. Erst kurz vor dem Abstimmungstag überboten sich die Fraktionen mit Diskussionsveranstaltungen, Informationsständen und Rundgängen. Zu spät. Unabhängig vom konkreten Ergebnis bleibt von diesem Bürgerentscheid deshalb vor allem eine Erkenntnis übrig: Was gegenseitiges Zuhören angeht, haben alle Beteiligten erheblichen Nachholbedarf.

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