Müllverbrennungsanlage

Ahrensburg geht gegen Neubau-Genehmigung vor

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Der Neubau wächst in die Höhe: Im Vordergrund sind die beiden Klärschlammsilos und der rechteckige Klärschlammanlieferbunker zu sehen.

Der Neubau wächst in die Höhe: Im Vordergrund sind die beiden Klärschlammsilos und der rechteckige Klärschlammanlieferbunker zu sehen.

Foto: EEW Energy from Waste

Stadt legt Widerspruch gegen die neue Klärschlammverbrennungsanlage im Nachbarort Stapelfeld ein. Das sind die Folgen.

Ahrensburg.  Die Stadt Ahrensburg will erreichen, dass für die im Bau befindliche Klärschlammverbrennung im Nachbarort Stapelfeld strengere Vorschriften gelten als aktuell verlangt. Deshalb haben die Mitglieder des Umweltausschusses einstimmig beschlossen, den am 11. August prophylaktisch eingelegten Widerspruch gegen die Genehmigung durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zu konkretisieren. Als Begründung wird ein Gutachten des Ingenieurbüros für Umweltschutztechnik (IfU) aus Lollar-Salzböden bei Frankfurt/Main eingereicht. Die Frist dafür endet am 30. September.

Sollte das LLUR dem Widerspruch ganz oder teilweise stattgeben, würde dies laut Auskunft der dem Landesumweltministerium angegliederten Behörde voraussichtlich mit einer Änderung des angefochtenen Genehmigungsbescheides einhergehen. „Wenn wir den Widerspruch der Stadt zurückweisen, könnte sie Klage beim Oberverwaltungsgericht erheben“, sagt Martin Schmidt, Sprecher des LLUR. Dieser Weg stehe im ersten Fall auch dem Betreiber EEW Energy from Waste offen, der außerdem am Widerspruchsverfahren beteiligt werde.

Betreiber plant Inbetriebnahme für zweite Hälfte 2024

Auf das Großprojekt – EEW errichtet neben der mehr als 50 Jahre alten Müllverbrennungsanlage (MVA) in Stapelfeld ein neues Müllheizkraftwerk (MHKW) und eine Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) für schätzungsweise deutlich mehr als 150 Millionen Euro – hat der Einspruch aus Ahrensburg aktuell keine Auswirkungen. „Wir bauen planmäßig weiter und rechnen damit, die Anlage in der zweiten Jahreshälfte 2024 in Betrieb nehmen zu können“, sagt Morten Holpert, Technischer Geschäftsführer EEW Stapelfeld. Das MHKW kann jährlich bis zu 350.000 Tonnen Restmüll verbrennen, die KVA 32.500 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz.

Im Ahrensburger Umweltausschuss erläuterte IfU-Inhaber Peter Gebhardt seine Studie zur Berücksichtigung der Merkblätter zur „Besten Verfügbaren Technik“ (BVT) in der Genehmigung. Der Experte, der sich seit drei Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt, sieht etliche Lücken. Unter anderem bemängelte er fehlende Managementpläne und die nur zweimonatliche Kontrolle von Dioxinen und Furanen im ersten Jahr. „Wie in Belgien und Frankreich üblich sollte es Langzeitmessungen geben“, so Gebhardt.

Gutachter erwartet von „vernünftiger Anlage“ niedrigere Grenzwerte

Und zum Auftreten von Dioxinen im Anfahrbetrieb stehe gar nichts im Bescheid. Der Diplom-Ingenieur kritisierte, das die Emissionsbandbreite zum größten Teil im oberen Bereich der erlaubten Werte liege. „Dass es eine vernünftige Anlage ist, müssen wir nicht infrage stellen“, sagte Gebhardt. Doch genau das müsse sich in der Genehmigung widerspiegeln: „Wenn eine Anlage deutlich mehr kann, kann man auch deutlich strengere Werte vorschreiben.“

EEW-Geschäftsführer Holpert, der ebenfalls in der Sitzung war, entgegnete: „Die operativen Werte sind deutlich niedriger, aber wir brauchen den Spielraum, weil die Qualität des angelieferten Klärschlamms immer variabel sein kann.“ Er verwies zudem auf die privatrechtliche Vereinbarung mit dem Kreis Stormarn, nach der bei Schadstoffen die sehr niedrigen Ist-Werte der jetzigen MVA Stapelfeld einzuhalten sind.

( kx )

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