Feuerwehr Stormarn

Feuerwalze – wie Meilsdorf knapp einer Katastrophe entging

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Ute und Thorsten Uckermarck stehen vor den verkohlten Bäumen in ihrem Garten.

Ute und Thorsten Uckermarck stehen vor den verkohlten Bäumen in ihrem Garten.

Foto: Hannah Ickes / HA

Flächenbrand auf Feld griff auf Gärten über und bedrohte Wohnhäuser. Feuerwehr war mit Großaufgebot stundenlang im Einsatz.

Siek. Ute und Thorsten Uckermarck sind entsetzt. Das Ehepaar steht hinter seinem Haus im Sieker Ortsteil Meilsdorf. Dort, wo bis Donnerstagnachmittag noch ihr Garten war, ist jetzt alles verkohlt. Von der Edeltannenhecke, die das Grundstück der Uckermarks umgab, sind nur noch schwarze Stämme und Äste übrig. Bis an ihre Terrasse heran, dort, wo zuvor Rasen wuchs, erstreckt sich jetzt eine Aschewüste. Es grenzt an ein Wunder, dass das Haus des Ehepaar bis auf einige kleinere Schäden verschont geblieben ist. Das verdanken wir nur dem schnellen Einsatz der Feuerwehr“, sagt Thorsten Uckermark. Ein Flächenbrand hat am Donnerstagnachmittag die Wohngegend in dem kleinen Ort verwüstet.

Feuerwehr Stormarn: Flächenbrand breitete sich rasenden schnell aus

Ausgebrochen war das Feuer gegen 16 Uhr auf einem angrenzenden Feld. Die Flammen breiteten sich, angefacht durch den Wind, rasend schnell in Richtung des Wohnviertels aus. Zuerst gerieten bei 36 Grad und ausgetrocknetem Boden die Hecken der Uckermarks und die auf dem Nachbargrundstück in Brand, dann der Rasen.

Flächenbrand in Meilsdorf - Anwohner schreien
Video Feuer

„Es ging so schnell, innerhalb von Minuten war die Feuerwand da“, sagt Thorsten Uckermark. „Ich habe gerade ferngesehen“, erzählt seine Frau Ute, „als mir dunkler Nebel durch das Fenster hinter dem Fernseher aufgefallen ist.“ Zuerst habe sie sich nichts weiter dabei gedacht. Durch das Feld vor dem Haus sei es hier immer staubig.

„Als ich dann aus dem Haus gesehen habe, habe ich gesehen, dass der Garten brennt.“ Dort überstand nur eine steinerne Bank das Inferno. Thorsten Uckermark holte noch einen Feuerlöscher aus der Werkstatt. Der Meilsdorfer ist als Glasermeister mit seiner Firma UTU selbstständig. „Das war mein Glück, dass ich den Feuerlöscher für Notfälle in der Werkstatt im Haus habe“, sagt er rückblickend.

Im Nachbarhaus hatte Michelle Werner in der Zwischenzeit die Feuerwehr alarmiert. „Ich wollte erst noch ein Bild per Chat an Freunde schicken“, erzählt die 16 Jahre alte Schülerin. „Hier ist immer viel Rauch, und ich dachte, es war nur ein bisschen mehr.“ Zu dem Zeitpunkt war Michelle Werner mit ihrer Großmutter und Hund Pico allein zu Hause.

Flammen waren bis zu vier Meter hoch

„Als ich dann gemerkt habe, dass es sich um ein Feuer handelt, habe ich den Notruf gewählt“, sagt die Teenagerin. Direkt im Anschluss habe sie ihren Vater angerufen, der gerade ihren Bruder Arthur von der Schule abgeholt habe. „Wir waren noch knapp zwanzig Minuten entfernt“, erzählt Norbert Werner. „Ich habe Michelle noch schnell gesagt, sie soll mit Oma und dem Hund raus aus dem Haus“, erinnert sich der Meilsdorfer. Schließlich hätten die Flammen jederzeit auf das Gebäude übergreifen können.

Dass es dazu nicht kam, ist den Helfern der Feuerwehr zu verdanken. Um 16.14 Uhr ging der Notruf bei der Leitstelle ein. „Wenig später waren die ersten Einsatzfahrzeuge vor Ort“, sagt Matthias Ruge, Meilsdorfs Ortswehrführer. „Da standen schon mehr als 2000 Quadratmeter in Flammen“, sagt er. Teilweise seien die Flammen bis zu vier Meter hoch gewesen. Er habe noch nie gesehen, dass sich ein Flächenbrand so schnell ausbreite. „Zehn Minuten später hätten auch die Häuser gebrannt.“ Das Feuer habe auch einen Holzschuppen bedroht, in dem ein Gasgrill gelagert gewesen sei.

„Das war neben den Wohnhäusern eine unserer Prioritäten, ein Übergreifen zu verhindern“, so Ruge. Letztlich hätten sie den Schuppen retten können, ebenso die Häuser. „Wir haben vom Obergeschoss aus versucht, mögliche Brandnester auf dem Dach abzulöschen“, sagt er. Bis auf leichte Schäden an einer Gaube und eine geschmolzene Jalousie seien die Häuser intakt. Insgesamt seien sechs Wehren aus Meilsdorf, Siek, Hoisdorf, Papendorf, Langelohe und Kronshorst mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort gewesen.

Feuerwehr Stormarn: Brandursache noch unklar

Zusätzlich habe ein Landwirt die Löscharbeiten mit zwei Schleppern unterstützt, indem er den Boden umgepflügt habe. Erst nach mehr als zwei Stunden, gegen 18.35 Uhr, konnten die letzten Einsatzkräfte abrücken. Ruges Fazit: „Hätte schlimmer ausgehen können.“

Warum das Feld in Brand geraten war, ist unklar. „Einige Stunden zuvor hatte der Landwirt auf dem Feld gemäht, aber als das Feld in Brand geriet, war der Mähdrescher lange wieder weg“, so der Meilsdorfer Ortswehrführer.

Wegen der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Wochen war es in Stormarn bereits zu mehreren Bränden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gekommen. Mitte Juli brannte es auf einem Feld bei Lütjensee, in Barsbüttel geriet eine Ballenpresse in Brand und das Feuer griff auf den Acker über.

Beide Brände waren laut Feuerwehr schnell unter Kontrolle. Die Wehren sind seit Wochen in erhöhter Alarmbereitschaft. Mitte Juli war die zweithöchste Stufe auf der Frühwarnskala für Waldbrände ausgerufen worden.

Christoph Mews von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten gibt Tipps zur Vermeidung von Wald- und Flächenbränden. Nicht nur jede Form von Feuer im Wald sollte unterlassen werden: „Außerdem sollten Autos befestigte Wege und Plätze nicht verlassen, um eine Entzündung der Bodenvegetation durch den heißen Katalysator zu vermeiden“, sagt er. Auch Glasflaschen und Scherben sollten keinesfalls in der Natur zurückgelassen werden. Die meisten Großfeuer seien in irgendeiner Weise menschengemacht.

( fsn )

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