Arbeitswelt

Er ist einer Ahrensburger Firma seit fünfzig Jahren treu

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Mia Mertens
Uwe Barkmann an seinem Arbeitsplatz in Ahrensburg. In seiner Abteilung werden Röntgengeräte für den industriellen Einsatz konfiguriert und geprüft.

Uwe Barkmann an seinem Arbeitsplatz in Ahrensburg. In seiner Abteilung werden Röntgengeräte für den industriellen Einsatz konfiguriert und geprüft.

Foto: Mia Mertens

Uwe Barkmann aus Lasbek feiert Jubiläum. Er verrät, was einen guten Arbeitsplatz ausmacht und welche Rolle Kollegen spielen.

Ahrensburg.  Laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2019 bleiben Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt knapp elf Jahre in demselben Unternehmen. Uwe Barkmann ist beinahe fünfmal so lang in seiner Firma beschäftigt. Am 1. August feiert der 65-Jährige sein Dienstjubiläum bei Baker Hughes Digital Solutions in Ahrensburg. Was hat ihn 50 Jahre dort gehalten?

Aufgewachsen ist Barkmann in Lasbek. Dort besuchte er die Dorfschule, in der sich vier bis fünf Klassen einen Raum teilten. Im Alter von 15 Jahren begann er eine Ausbildung zum Elektromechaniker bei seinem jetzigen Arbeitgeber, der damals noch „Röntgen Seifert“ hieß. In dreieinhalb Jahren lernte er zu fräsen, schlossern und schweißen und durchlief verschiedene Abteilungen.

Früher war nicht alles besser, nur anders

In der letzten Station, dem Prüffeld, wurde er nach dem Abschluss der Ausbildung übernommen – und dort arbeitet er bis heute. Im Prüffeld werden mobile und stationäre Röntgengeräte für den industriellen Einsatzbereich konfiguriert und geprüft. Dazu gehört der Kundenservice. Der ist Barkmann besonders wichtig: „Wenn ein Kunde anruft und ein Problem hat, dann muss man helfen – egal, ob man schon Feierabend hat.“

Heute ist die Kundenorientierung allerdings komplizierter geworden. Die Firma wurde 2001 von einer Aktiengesellschaft gekauft, ist seitdem vom Familienbetrieb zum Global Player avanciert. Inzwischen seien daher mehr Absprachen nötig, meint Barkmann. Dennoch halte er nichts von der „alten Leier, dass früher alles besser war“. Es sei einfach anders gewesen.

Der erste Computer war eine Trendwende

Auch die Arbeitsweise hat sich bei Baker Hughes Digital Solutions in fünf Jahrzehnten sehr verändert. Barkmann erinnert sich noch genau an den Tag, an dem seine Abteilung den ersten Computer bekam. Er sei damals zum Chef gegangen und habe den Wunsch geäußert, die Bedienung zu lernen. Dieser habe das nicht für nötig befunden: „Machen Sie sich keine Sorgen, es wird in den nächsten Jahren nur diesen einen Computer geben.“ Skeptisch über diese Einschätzung kaufte Barkmann sich auf eigene Kosten einen PC. Doch die Digitalisierung habe seine Arbeit nicht unbedingt leichter gemacht: ,,Wenn man es analytisch betrachtet, kostet der Computer mehr Zeit“, sagt Barkmann.

Die Frage nach seinen schönsten Erinnerungen aus den zurückliegenden 50 Jahren sei ihm schon oft gestellt worden, sagt der Elektromechaniker. Es gebe da natürlich unzählige Geschichten, aber wichtig sei am Ende, dass die Kollegen füreinander da gewesen seien. In schwierigen Situationen habe man sich immer gegenseitig unterstützt und einander nie hängengelassen. Das sei auch der Grund, weshalb er so lang bei dieser Firma geblieben sei – und natürlich „weil die Arbeit einfach Spaß gemacht hat“. Ein einziges Mal habe er darüber nachgedacht, das Unternehmen zu wechseln. Letztlich habe er das Angebot aber abgelehnt, denn „da hing einfach zu viel dran“.

Die Kündigung war ein komisches Gefühl

Wer in Deutschland 45 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, gilt als langjährig Versicherter und kann etwas früher in Pension gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Doch das kam für Barkmann nicht infrage. Er wollte unbedingt „die 50 Jahre vollmachen“. 51 Jahre Betriebszugehörigkeit möchte er aber nicht mehr feiern: Gerade hat er seine Kündigung abgegeben, zum 1. September geht Barkmann in den Ruhestand.

Das Schreiben einzureichen sei schon ein komisches Gefühl gewesen, aber er freue sich auf die Rente. An Hobbys mangelt es ihm nicht. Als Vorsitzender des Motorsportclubs Holstein und der Motorsportequipe Nord kann er nun tagsüber vieles erledigen, was bislang nur in den Abendstunden möglich war.

Hinzuzulernen ist wichtig im Berufsleben

Auf die Frage, was er jungen Menschen beim Berufseinstieg rate, antwortet Barkmann prompt: „Geduld haben und lernen.“ Er sei als junger Mensch oft ungeduldig gewesen, habe nach der Lehre gedacht: „Jetzt geht’s los.“ Doch 50 Jahre später weiß er: „Wir lernen immer noch.“ Auch außerhalb der eigenen Abteilung hat er Verantwortung übernommen: Ob in Betriebsrat, Tarifkommission, als Sicherheitsfachkraft oder Ersthelfer. Sich weiterzubilden und interessiert zu bleiben, das hält Barkmann für enorm wichtig.

Am Montag ist eine große Feier anlässlich seines Jubiläums geplant, zu der auch Vertreter der Stadt Ahrensburg sowie der Industrie- und Handelskammer Lübeck sich angesagt haben. Barkmann selbst hatte nur einen bescheidenen Wunsch für sein Jubiläum: ,,Morgens um 9 Uhr Brötchen für alle.“ Das ganze Drumherum ist ihm nicht so wichtig – für ihn zählt nur, dass alle dabei sind. So war es an seinem ersten Arbeitstag und so soll es bis zum letzten bleiben.

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