Badesaison

Wie es am Bredenbeker Teich weitergeht

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Harald Klix
Sven Götz sitzt auf einer Bank an der Badestelle am Bredenbeker Teich. Er hat den Vorsitz des Campingplatzvereins vor einem Jahr übernommen.

Sven Götz sitzt auf einer Bank an der Badestelle am Bredenbeker Teich. Er hat den Vorsitz des Campingplatzvereins vor einem Jahr übernommen.

Foto: Harald Klix

Strandbad bleibt geschlossen, weil Verein Haftungsprobleme sieht. Vorsitzender möchte Ammersbek und Ahrensburg ins Boot holen.

Ammersbek.  Das Interesse der Menschen am Strandbad Bredenbeker Teich ist außergewöhnlich groß. Das merkt Sven Götz Tag für Tag. Den Vorsitzenden des Vereins Campingplatz Bredenbeker Teich, der das idyllisch gelegene Naturbad betreibt, erreichen viele Anrufe und E-Mails mit Anfragen, warum im dritten Jahr in Folge nicht geöffnet wird. „Auch unsere Mitglieder werden ständig von Spaziergängern und Radausflüglern auf das Thema angesprochen“, sagt Götz. Kein Wunder, denn in sonnigen Sommern kamen Zehntausende Besucher zur Abkühlung an den See.

Der Hauptgrund sei die vor einem knappen Jahr geänderte Badestellenverordnung in Schleswig-Holstein, so der Vorsitzende. Das vom Landtag einstimmig verabschiedete Badesicherheitsgesetz soll in erster Linie Kommunen mehr Klarheit bei Haftungsfragen geben. „Wird ein Entgelt erhoben, so können die Nutzerinnen und Nutzer davon ausgehen, dass in einem höheren Maße für die Sicherheit der Badenden gesorgt ist, als es bei einer entgeltfreien Badestelle erwartet werden kann“, heißt es in dem Gesetz.

Auch in Sicherheitsausrüstung müsste investiert werden

Für Verunsicherung hatte zuvor ein Fall aus dem nordhessischen Neukirchen gesorgt, wo drei Kinder (5, 8 und 9) in einem Dorfteich ertrunken waren. Der Bürgermeister war erstinstanzlich wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung verurteilt worden, hat dagegen aber Berufung eingelegt.

An denjenigen der rund 340 Badestellen in Schleswig-Holstein, an denen viel los ist („reger Betrieb“), ist eine Aufsicht von mindestens zwei ausgebildeten Fachleuten vorgeschrieben. Hinzu kommen technische Sicherheitsvorkehrungen wie ein Rettungsbrett oder -boot, Rettungsbojen, Flaggen, Beatmungsgeräte und Erste-Hilfe-Koffer. „Das ergibt aus Sicherheitsaspekten durchaus Sinn, ist aber für einen kleinen Verein wie den unseren akut nicht umsetzbar“, sagt Sven Götz. Investitionen seien immer eine große Herausforderung. Und weiter: „Es liegt ganz bestimmt nicht am guten Willen, aber wir sind hier alle neben dem Beruf ehrenamtlich im Einsatz.“

Ausgebildete Rettungsschwimmer sind bundesweit schwierig zu finden

Der Vereinsvorstand habe mit einem Anwalt sogar darüber gesprochen, ob Ausnahmen beispielsweise für Schulkassen oder Kinder in den Sommerferien möglich seien. Als Erzieher wisse er, wie wichtig Natur und Bewegung für die Entwicklung seien, so Götz. „Aus der Haftungsverantwortung kommen wir aber nicht heraus“, sagt er. Hinzu komme, dass ausgebildete Rettungsschwimmer bundesweit ohnehin kaum zu finden seien und eine Anstellung für nur drei Monate nicht besonders attraktiv sei. Wegen Personalmangel musste beispielsweise das Trittauer Freibad die Öffnungszeiten bereits einschränken.

Der Campingplatzverein hegt „die vorsichtige Hoffnung“, nächstes Jahr endlich wieder zu öffnen. Bis dahin sollen alle Hürden überwunden sein. „Vielleicht wäre auch Unterstützung aus Ammersbek und Ahrensburg möglich“, sagt Sven Götz. Er wolle demnächst Kontakt zu den Verwaltungen aufnehmen.

Anglerverein und Golfclub mussten ihre Areale schon räumen

Sven Götz hat den Vorsitz des Vereins vor rund einem Jahr in schwierigen Zeiten übernommen. Rund 125 Mitglieder nutzen die Parzellen. Der Andrang ist groß, auf einer Warteliste stehen noch mal 50 Interessenten. Zu den Hauptaufgaben zählt der Vereinschef die Klärung des Pachtverhältnisses für den bei Einheimischen kurz „Bredsche“ genannten Bredenbeker Teich. Der alte Vertrag ist bereits 2018 ausgelaufen.

Der Anglerverein Alster, der das Gewässer als eine Art Untermieter über sechs Jahrzehnte genutzt hatte, musste das Gelände 2016 nach gerichtlichen Auseinandersetzungen räumen, seine Stege und Hütten abbauen. Auch der Golfclub Hamburg-Ahrensburg musste sein Wahrzeichen – das einzigartige Insel-Loch auf Bahn elf – aufgeben.

Filmteam dreht am Ufer Campingplatz-Serie fürs ZDF

Auch wenn das Strandbad nicht wie sonst ab Mitte Mai üblich Badegäste empfängt, ist in diesen Tagen auf der Anlage durchaus Betrieb. Eine Produktionsfirma dreht dort Folgen einer Campingplatzserie, die im Herbst im ZDF ausgestrahlt werden soll. Dafür sind auf einer Rasenfläche extra einige Wohnwagen und -mobile sowie Zelte aufgestellt worden. „Aufmerksame Beobachter haben uns schon gefragt, warum wir einerseits das Bad nicht öffnen, andererseits aber unseren Platz vergrößern“, sagt Sven Götz mit einem Lächeln. Das sei natürlich nicht der Fall. Nach dem Ende der Dreharbeiten wird alles wieder abgebaut.

Um eine Sache muss sich der Vereinsvorsitzende wenigstens überhaupt keine Sorgen machen. „Die Wasserqualität“, sagt er beim Blick über den See, „die ist wie immer tippi-toppi.“

Zur Fischzucht wurde der Bredenbeker Teich von Mönchen angelegt, nachdem das Kloster Reinfeld 1442 das Dorf Bünning­stedt erworben hatte. Das Gebiet ging 1567 ans Adlige Gut Ahrensburg. Schlossherr Peter Rantzau ließ 1585 einen höheren Damm anlegen, wodurch der See größer wurde. 1924 kaufte der Hamburger Kaufmann Wilhelm Gratenau den Teich und richtete am Nordufer das 1930 eröffnete Strandbad ein. Heute gehört das Areal dem Erben Jan Schwartzkopff.

Eine Insel teilt den circa drei Kilometer langen Teich. Er ist 35 Hektar groß und bis zu drei Meter tief. Das Wasser fließt über die Bredenbek in die Alster.

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