Ausbau S-Bahnlinie 4

Ahrensburg will Sechs-Meter-Wände an Trasse verhindern

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Filip Schwen
So könnten die Lärmschutzwände an der Ladestraße einer Simulation des Bauamtes zufolge aussehen.

So könnten die Lärmschutzwände an der Ladestraße einer Simulation des Bauamtes zufolge aussehen.

Foto: Stadt Ahrensburg

Rathaus schafft Stelle für Ingenieur, der sich ausschließlich mit S-4-Planung beschäftigt. Experte soll Klage gegen Wände prüfen.

Ahrensburg. Voraussichtlich in diesem Juni soll das Planfeststellungsverfahren für den Stormarn betreffenden dritten Bauabschnitt der neuen S-Bahnlinie 4 starten. So sieht es der Zeitplan der Deutschen Bahn vor. Für Ahrensburg beginnen zugleich entscheidende Wochen: Das Verfahren ist eine der letzten Möglichkeiten, den von der Bahn beabsichtigten Bau sechs Meter hoher Lärmschutzwände entlang der Gleise durch das Stadtzentrum noch zu verhindern.

Projekt bedeutet zusätzlichen Aufwand für Verwaltung

Vier Wochen lang haben die Stadtverwaltung und andere Träger öffentlicher Belange sowie Bürger dann die Gelegenheit, die Planunterlagen für das Projekt einzusehen und Einwände dagegen einzureichen. Um bestmöglich gewappnet zu sein, wird im Ahrensburger Tiefbauamt jetzt eine zusätzliche Stelle für einen Bauingenieur geschaffen, der sich ausschließlich mit der S 4 befassen soll. Der Hauptausschuss votierte am Montag dafür, den Sperrvermerk für den bereits seit 2020 im Stellenplan vorgesehenen Posten aufzuheben.

„Mit dem Projekt S 4 kommt ein erheblicher Mehraufwand auf die Verwaltung zu, der nicht durch die vorhandenen Mitarbeiter abgedeckt werden kann“, sagt Ahrensburgs Bauamtsleiter Peter Kania. Das Zeitfenster für Einwendungen sei mit vier Wochen eng gesteckt. „In dieser Frist müssen die Planunterlagen gesichtet und eine Stellungnahme seitens der Stadt erarbeitet und an die Bahn übermittelt werden“, so Kania weiter.

Schallschutzkonzept birgt am meisten Konfliktpotenzial

Nach Angaben aus dem Rathaus umfasst das Planwerk für die Strecke 35 Aktenordner. Außerdem ist eine mündliche Anhörung vorgesehen. „Das Schallschutzkonzept wird sicherlich der größte Konfliktpunkt sein“, sagt Kania. Darüber hinaus sei die Stadtverwaltung aber auch in diversen anderen Punkten beteiligt, etwa bei der Organisation des Baustellenverkehrs, der Planung von Tunneln und Brücken, bei möglichen Verschiebungen städtischer Bauvorhaben und beim Umweltschutz.

Für die neue S-Bahnlinie möchte die Bahn auf 17 Kilometern zwischen den Stationen Hamburg-Hasselbrook und Ahrensburg zwei zusätzliche Gleise verlegen, danach auf drei Kilometern bis Gartenholz ein weiteres. Die bestehenden und frei werdenden Schienen sollen nach der Fertigstellung der Fehmarnbeltquerung für den Güterverkehr nach Skandinavien genutzt werden.

Gutachter erwarten bis zu 800 Meter lange Güterzüge

Gutachter erwarten täglich bis zu 120 Güterzüge mit mehr als 800 Metern Länge. Politiker und Verwaltung in Ahrensburg befürchten eine erhebliche Zunahme der Lärmbelästigung. Andererseits möchte die Stadt den Bau der von der Bahn vorgesehenen sechs Meter hohen Lärmschutzwände vermeiden. Diese würden das Zentrum zerteilen und historische Sichtachsen zerstören.

Die Politiker in der Schlossstadt fordern, dass ein Teil der Güterzüge über andere Strecken geleitet wird. Außerdem solle die Bahn Alternativkonzepte zu den Lärmschutzwänden vorlegen. Hinzu kommt, dass die Gleise durch das europäische Naturschutzgebiet Ahrensburger Tunneltal verlaufen. Dort müsste für die zusätzlichen Schienen gebaut werden. „In diesem Punkt gibt es einen erheblichen Abstimmungsbedarf mit dem Vorhabenträger“, sagt Kania.

Ahrensburg behält sich Klage gegen Bahn-Pläne vor

Die neue Stelle im Tiefbauamt soll zeitnah ausgeschrieben werden. Im April soll der Experte nach Plänen aus dem Rathaus anfangen, um ihm ausreichend Einarbeitungszeit zu ermöglichen. Der Fachmann soll nicht nur die Stellungnahme der Stadt im Planfeststellungsverfahren vorbereiten. „Durch den notwendigen Bau von Brücken und Unterführungen sind wir als Stadt laut Gesetz in einigen Fällen selbst Baulastträger“, sagt Kania. Die Verwaltung müsse deshalb die gesamte Baumaßnahme planerisch begleiten. 2027 soll dann der erste Zug von Hamburg-Altona nach Bad Oldesloe rollen.

Eine wichtige Rolle könnte dem Experten auch im Fall einer Klage der Stadt gegen die Pläne der Bahn zukommen. Ahrensburg hält sich nach wie vor als letzte Option gegen die Lärmschutzwände den Gang vor Gericht offen. Dabei soll die Fachkraft eine federführende Rolle in der Vorbereitung eines möglichen Prozesses übernehmen. Im städtischen Haushalt sind für die unbefristete Vollzeitstelle 56.600 Euro in diesem Jahr und 78.900 Euro für 2023 ausgewiesen. „Wir werden die Stelle mindestens fünf Jahre benötigen“, sagt Kania.

Auch für Straßenbau fehlen im Rathaus Ingenieure

Die Verwaltung habe sich bewusst für eine unbefristete Ausschreibung entschieden. „Es ist so, dass es schwer ist, derzeit überhaupt Bauingenieure auf dem Arbeitsmarkt für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst zu gewinnen“, sagt Kania. „Wir wollen die Person gern nach Abschluss des S-4-Projektes weiter im Bereich des Straßenwesens beschäftigen.“

Tatsächlich sind bereits mehrere Ingenieurstellen im Ahrensburger Tiefbauamt mangels geeigneter Bewerber unbesetzt. Wichtige Straßenprojekte mussten deshalb verschoben werden. Eine Anstellung in der freien Wirtschaft ist für viele Bewerber attraktiver, weil Unternehmen mehr Spielraum bei der Lohngestaltung haben. „Wir diskutieren deshalb auch über eine Gehaltszulage“, sagt Kania. Die Möglichkeiten seien durch die Bindung der Verwaltung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes und das Besoldungsrecht für Beamte aber begrenzt.

Nach derzeitigem Stand soll der Planfeststellungsbeschluss für den dritten Abschnitt der S 4 Ende 2024 ergehen. Im Anschluss könnten die Bauarbeiten auf Stormarner Gebiet beginnen. Die Baukosten für das Gesamtprojekt liegen bei rund 1,85 Milliarden Euro. Etwa 250.000 Menschen im Osten Hamburgs und in Stormarn sollen die Züge nutzen

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