Ahrensburg

Stormarns bekanntester Grillmeister hört auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Filip Schwen
Bistrobetreiber Sven Fümel hat in seiner ehemaligen Kollegin Karina Stefan eine Nachfolgerin gefunden.

Bistrobetreiber Sven Fümel hat in seiner ehemaligen Kollegin Karina Stefan eine Nachfolgerin gefunden.

Foto: Filip Schwen / HA

Bistro von Sven Fümel ist auf den Wochenmärkten in Ahrensburg und Bargteheide eine Institution. Nun macht er nach 32 Jahren Schluss.

Ahrensburg. Das Bistro von Sven Fümel ist nicht nur geografisch der Mittelpunkt des Ahrensburger Wochenmarktes. Über die Jahre ist der Stand, der jeden Mittwoch und Sonnabend in der Mitte des Rathausplatzes zu finden ist, zu einer Institution geworden. Der Klönschnack bei Grillwurst und Cola hat für zahlreiche Marktbesucher Tradition.

Rathausmitarbeiter verbringen am heißen Tresen des gelernten Fleischers aus Trappenkamp (Kreis Segeberg) ebenso ihre Mittagspause wie die Angestellten der nahen Sparkasse. Auch Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach ist ein häufiger Gast. 32 Jahre versorgte „Mister Grillwurst“ seine Kunden nicht nur in der Schlossstadt, sondern auch freitags in Bargteheide mit Currywurst, Schaschlik und Pommes rot-weiß. Doch nun ist Schluss. Stormarns wohl bekanntester Grillmeister hat beschlossen, die Zange abzugeben.

Stormarner Grill-Institution macht nach 32 Jahren Schluss

„Leicht ist mit die Entscheidung nicht gefallen, ich hatte noch nie so oft Tränen in den Augen, wie in den vergangenen Wochen“, gesteht der 57-Jährige. Die Arbeit war seine Leidenschaft. Besonders das Gespräch mit den Gästen, für die Fümel stets ein offenes Ohr hatte. „Den Schnack werde ich am meisten vermissen“, sagt er. Es ging um Politik und Promis, Ahrensburger Themen und natürlich Fußball. Man kennt sich , die Atmosphäre ist familiär. „Einige haben mir ihre Sorgen anvertraut, das hat mich sehr bewegt, dass da dieser Bezug da war“, sagt der 57-Jährige und ergänzt: „Mit der Zeit hat sich ein richtiger Mittagsstammtisch entwickelt.“

Welche Bekanntheit Fümel auf dem Ahrensburger Markt genießt, wird auch beim Gespräch mit dem Abendblatt deutlich. Immer wieder bleiben Marktbesucher stehen, kommen herüber und drücken ihr Bedauern über den Abschied des Grillmeisters aus. Zuletzt habe er 90 Prozent seiner Gäste mit Namen gekannt, sagt Fümel. „Teilweise kamen Familien in der vierten Generation“, erzählt er. Oft habe er bei Stammgästen die Bestellung schon gekannt, bevor diese auch nur den Mund geöffnet hatten.

Fümel wollte eigentlich Steuerberater werden

Es ist dem 57-Jährigen anzumerken, welche Freude ihm sein Posten als Grillmeister gemacht hat. Die Entscheidung, Schluss zu machen, sei „schweren Herzens“ gefallen, sagt Fümel. „Ich habe in den vergangenen Monaten zwei Freunde an den Krebs verloren“, erzählt er. Dann sei vor Kurzem sein Bruder gestorben. „Diese drei Verluste haben mich zum Nachdenken gebracht“, sagt Fümel. Er wolle mehr Rücksicht auf eigene, seit einiger Zeit bestehende gesundheitliche Probleme nehmen.

Für Sven Fümel geht damit eine Ära zu Ende. 40 Jahre seines Lebens war der Trappenkamper auf Wochenmärkten unterwegs. Schon als Jugendlicher half er im elterlichen Betrieb mit, die einen Fleischwarenstand führten. Später lernte er selbst Fleischer. „Eigentlich wollte ich immer Steuerberater werden“, erzählt Fümel. Doch als seine Eltern aus gesundheitlichen Gründen Unterstützung im Betrieb benötigten, habe er umentschieden. „Ich habe das nie bereut“, sagt der 57-Jährige rückblickend. Acht Jahre später machte Fümel sich mit seinem Bistro selbstständig.

Zum Abschied überraschten ihn Kunden mit Präsenten

„Im Nachhinein ist das mein Traumjob geworden“, sagt der Trappenkamper. Das liege besonders an den Menschen. „Es ist ein überwältigendes Gefühl, wenn Kinder mit einem Lächeln wieder gehen“, sagt Fümel mit einem Schmunzeln. Besonders berührt habe ihn, dass einige Kunden ihn zum Abschied mit Präsenten überrascht hätten. „Da war Champagner dabei, aber auch selbstgemalte Bilder von Kindern“, erzählt der 57-Jährige. Den Stand führte Fümel gemeinsam mit seiner Frau Claudia. „Viele können das ja nicht, gemeinsam mit dem Partner zu arbeiten“, sagt er. Bei ihnen sei das nie ein Problem gewesen – im Gegenteil. „Das war ein besonderes Geschenk“, meint er.

In Zukunft möchte sich Fümel seinem Hobby widmen, der Restauration von Oldtimern. Vor einigen Jahren hat der 57-Jährige gemeinsam mit einem Freund eine Mercedes S-Klasse, Baujahr 1971 aufgearbeitet. „Damit würde ich gern häufiger Reisen unternehmen“, erzählt er. Am Gardasee, an der Mosel und am Rhein war er schon. Sein Amt als Marktmeister in Bargteheide, das Fümel bereits seit 24 Jahren bekleidet, möchte der 57-Jährige zudem weiter ausüben.

Nachfolgerin möchte an bewährtem Rezept festhalten

Doch auch wenn Sven Fümel die Grillzange fortan nicht mehr selbst in der Hand hält, bleibt das Bistro den Ahrensburgern und Bargteheidern erhalten. Karina Stefan, eine ehemalige Mitarbeiterin, hat den Stand übernommen. Die 43-Jährige hat eigentlich Industriekauffrau gelernt. „Als Karina erfahren hat, dass ich aufhöre, hat sie sofort ihr Interesse angemeldet“, erzählt Fümel. „Ich habe gemerkt, dass ein Bürojob nichts für mich ist, dass ich den Kundenkontakt möchte“, sagt Stefan. Sie sei glücklich eine „so tolle Stammkundschaft“ zu übernehmen. Angebot und Atmosphäre sollen gleich bleiben. „Warum sollte man an einem Erfolgsrezept etwas ändern?“, fragt die 43-Jährige lachend.

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