Sturm Schleswig-Holstein

Trittau: Baum stürzt auf die historische Wassermühle

| Lesedauer: 5 Minuten
Elvira Nickmann
Vor der Wassermühle ist der aus dem Erdreich gerissene Wurzelteller mit den Bäumen zu sehen. Sie wurden zurückgeschnitten.

Vor der Wassermühle ist der aus dem Erdreich gerissene Wurzelteller mit den Bäumen zu sehen. Sie wurden zurückgeschnitten.

Foto: Gemeinde Trittau

Stormarner Feuerwehren wegen Sturmschäden vielerorts im Dauereinsatz. Allein in Ahrensburg kam es zu zehn wetterbedingten Einsätzen.

Trittau. Die Wohnung des Hausmeisters der Trittauer Wassermühle liegt im zweiten Stockwerk. Kurz nachdem Ralf Brücker am stürmischen Mittwochabend von einem Gang mit seinem Hund nach Hause zurückgekehrt ist, hört er ein Geräusch, das er so noch nie vernommen hat. Brücker sagt: „Es klang, als ob einer mit einem Riesenbesen über die Hauswand kehrt.“

Was Brücker beim Blick nach draußen zu sehen bekam, versetzte ihm einen Schock. „Ein Baum lag einmal quer über dem Haus“, berichtet der Hausmeister. Er war an der Hauswand entlanggeschliffen, hatte die Dachrinne zerfetzt, das Dach touchiert, dabei Dachpfannen heruntergerissen. Brücker spricht von einer „fast lautlosen Attacke“ und ist im Nachhinein froh, „dass er nicht bei mir ins Zimmer gestürzt ist und ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr draußen war“.

Trittauer Feuerwehr fordert Unterstützung aus Glinde an

Es war 19.55 Uhr, als Brücker die Feuerwehr benachrichtigte. Die Trittauer Kameraden rückten mit zwölf Mann, einem Einsatzleitwagen und zwei Löschgruppenfahrzeugen an. Wehrführer Fabian Woggan berichtet, dass eine dreiköpfige Verstärkung aus Glinde mit einer Drehleiter angefordert werden musste. „Zwei Kameraden haben mit Motorsägen Stück für Stück von dem Baum abgesägt.“ Um derartige Arbeiten ausführen zu können, benötigten die Feuerwehrleute einen sogenannten Motorsägeschein, doch „das haben bei uns so gut wie alle“. Woggan erläutert, dass für die Sägearbeiten ein spezieller Schutzhelm und eine ebensolche Schutzkleidung getragen werden müssen, deren Fasern dafür sorgen, dass die Motorsäge bei einem Kontakt mit der Kleidung gestoppt wird.

Glücklicherweise hätten sich nur wenige Dachpfannen gelöst, „sonst hätten wir das Dach mit einer Plane sichern müssen“. Durch den Sturm hatte sich ein Wurzelballen mit insgesamt fünf Bäumen aus dem Erdreich gelöst. „Die haben wir zurückgeschnitten, sodass sie keine Gefahr mehr darstellen.“ Denn gefährlich werde es dann, wenn der Ballen durch sein hohes Gewicht die Bäume wieder in Bewegung versetze. Für die weiteren Aufräumarbeiten ist der Bauhof zuständig, ob die Statik des Gebäudes Schaden genommen hat, soll gegebenenfalls überprüft werden.

Baum zerstört Gartenhütte und kracht auf Wohnhaus

Doch damit war die Arbeit für die Trittauer Kameraden noch nicht beendet. Der nächste Einsatzort war der Hohenfelder Damm. Ein Baum war auf ein Wohnhaus gekippt und hatte dabei eine Gartenhütte völlig zerstört. „Die Giebelseite des Hauses hatte Schaden genommen“, so Woggan. „Wir haben das Gekippte zurückgenommen und unterbaut, damit es nicht weiter drückt.“ Es sei darum gegangen, eine Gefahrenlage abzuwenden, alles Weitere erledige ein Fachbetrieb.

Grund für den letzten Einsatz waren zwei Bäume auf der Fahrbahn des Hohenfelder Damms von Trittau in Richtung Hohenfelde. Sie wurden zur Seite geschafft. Damit war die Arbeit für die Trittauer Feuerwehrleute beendet. Mit ihren drei Einsätzen standen sie im Vergleich zu Ahrensburg allerdings noch verhältnismäßig günstig da.

Dachstruktur von Ahrensburger Druckerei beschädigt

Der Ahrensburger Ortswehrführer Jan Haarländer sagt: „Wir hatten zwischen kurz nach 16 Uhr und Mitternacht zehn sturmbedingte Einsätze.“ Es sei ein „bunter Mix gewesen aus allem, worauf Bäume fallen können“: Straßen, Schienen, Einfahrten, Häuser, Gehwegen und Autos. „Aber überwiegend sind sie auf Autos und Straßen gelandet.“ Die erste Alarmierung sei wegen eines auf ein Haus gestürzten Baumes ausgelöst worden. Am Beimoorweg habe ein Baum über dem Gehweg bis in den Straßenbereich hinein gelegen. An der U-Bahn-Strecke seien Bäume abgenommen oder zurückgeschnitten worden, weil sie auf die Schienen zu fallen gedroht hätten, so Haarländer.

Die Werksfeuerwehr der Firma Prinovis habe um Hilfe gebeten, weil die Dachstruktur eines Gebäudes beschädigt worden sei. „Die Dachhaut war aufgerissen. Die Drehleiter kam zum Einsatz, die Dachhaut wurde geschlossen und mit Sandsäcken und Nägeln gesichert.“ Eine private Grundstückszufahrt wurde durch einen umgestürzten Baum blockiert. „Wenn wir bei einer Einsatzstelle beurteilen, dass von einem liegenden Baum keine Gefahr ausgeht, kann es auch mal sein, dass wir ihn liegen lassen und auf eine Fachfirma verweisen“, erläutert der Ortswehrführer. Anders verhalte es sich mit der Sicherung der Verkehrswege. Im Kremerberg habe beispielsweise ein Baum die Durchfahrt versperrt, weswegen die Feuerwehr Bünningstedt hinzugezogen worden sei.

Es gab nur Sachschäden, Menschen wurden nicht verletzt

Von der Feuerwehr Ahrensburg seien sieben Fahrzeuge und 25 Kameraden im Einsatz gewesen. „Gegen ein Uhr sind die letzten Kräfte wieder eingerückt. Unmittelbar daran haben sich die Nacharbeiten angeschlossen, sodass der Einsatz gegen zwei Uhr beendet war.“ Insgesamt gesehen habe es nur Sachschäden gegeben, Menschen seien nicht verletzt worden.

Weitere Einsatzschwerpunkte lagen laut Kreiswehrführer Gerd Riemann in Bad Oldesloe, Reinfeld und Glinde. „Doch am schwersten betroffen war die Stadt Ahrensburg“, so Riemann. Jan Haarländer hofft indes, dass die nächsten Tage ruhig bleiben und keine größeren Einsätze bevorstehen. Grund ist nicht etwa, dass die Feuerwehrleute eine Pause brauchen, sondern eine Wartung. Der Wehrführer sagt: „Wir haben jetzt zwei Tage keine Drehleiter.“

( nick )

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