Ahrensburg

Eckart Boege – dem Mathematiker ist Zuhören wichtig

| Lesedauer: 8 Minuten
Christian Thiesen
Der Provisorische Parkplatz auf dem Stormarnplatz ist für Eckart Boege ein Beispiel für eine Fehlplanung.

Der Provisorische Parkplatz auf dem Stormarnplatz ist für Eckart Boege ein Beispiel für eine Fehlplanung.

Foto: Christian Thiesen

Das Abendblatt auf Tour mit den Ahrensburger Bürgermeisterkandidaten. Heute: der SPD-Ortsvorsitzende Eckart Boege.

Ahrensburg.  „Einen Kaffee bitte“, sagt Eckart Boege zu der Frau in dem kleinen Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt auf dem Ahrensburger Rathausplatz. Er nimmt seinen Becher in Empfang, bezahlt und stellt sich an einen Stehtisch. Von dort hat er einen guten Blick auf das Rathaus, was dank der derzeitigen Sanierung teilweise schon in neuem Glanz erstrahlt.

Genau dort, ins Rathaus, will Eckart Boege hin: als Bürgermeister von Ahrensburg. Der 43-Jährige tritt bei der Wahl des hauptamtlichen Verwaltungschefs für die SPD an. Seine beiden Konkurrenten sind Christian Schubbert von den Grünen und Thomas Schreitmüller, der von der CDU unterstützt wird. Das Abendblatt begleitet Boege auf einem Stadtrundgang zu Orten, die ihm privat und politisch wichtig sind.

Auf dem Wochenmarkt kauft die Familie gern und häufig ein

Dazu zählt der Wochenmarkt am Sonnabendvormittag. Dort kauft er häufig mit seiner Familie ein. Er kennt viele Stände und deren Inhaber. „Der Markt ist für mich ein sozialer Treffpunkt, dort treffe ich immer Bekannte, kann mich nett unterhalten“, sagt Boege und grüßt einen Passanten mit einem Lächeln und Kopfnicken. „Das Angebot ist toll“, so Boege, „aber die Wasser-, Strom- und Toilettenversorgung für die Marktleute muss dringend verbessert werden.“ Wie überhaupt der Rathausplatz optisch ansprechender gestaltet werden könne. „Und es kann auch nicht sein, dass bei starkem Regen Teile des Platzes komplett unter Wasser stehen, das muss anders werden.“

Hinter dem Rathaus liegt der Stormarnplatz. Eckart Boege geht bis zu einer rot-weißen Baustellenabsperrung. Hinter ihr legen Arbeiter einen provisorischen Parkplatz an. Er soll wegfallende Stellplätze auf der benachbarten Alten Reitbahn ersetzen, wenn diese im nächsten Jahr bebaut wird. „Das ist ein Beispiel für eine Fehlplanung, durch die den Bürgern nun eine grüne Wiese mitten in der Stadt genommen wird“, sagt Boege.

Sportpark Auetal könnte allen Vereinen Trainingszeit bieten

Für den Stormarnplatz will er erreichen, dass dort ein Stadtpark angelegt wird, von dem alle Bürger etwas haben. Daher begrüßt er den kürzlich beschlossenen Planungsstopp für die Tiefgarage unter dem Platz. „Diese Tiefgarage wäre auch oberirdisch sichtbar gewesen und hätte einen Stadtpark beeinträchtigt“, sagt der SPD-Kandidat. Er steht der Idee eines Parkhauses am Rand des Stormarnplatzes aufgeschlossen gegenüber. „Dies sollte erneut geprüft werden.“

Was die Diskussion um die Fußballfelder im Zentrum Ahrensburgs betrifft, ist Eckart Boege dafür, neue Sportanlagen im Gewerbegebiet Beimoor-Süd am Ostring zu bauen. Er spricht von einem „Sportpark Auetal“. „Wir müssen in Ahrensburg den Bedarf an Sportstätten genau prüfen“, sagt er, „wenn es nötig ist, sollten die Fußballfelder auf dem Stormarnplatz dennoch erhalten bleiben.“ Wichtig sei, den Bedarf der Vereine zu decken. „Ansonsten kann ich mir auch vorstellen, die Felder auf dem Stormarnplatz teilweise für den Freizeitsport außerhalb der Vereine freizugeben.“

Auch mal ehrlich sagen, wenn etwas nicht möglich ist

Ortswechsel zum Ostring am Rande des Gewerbegebiets Beimoor-Süd. Jenseits der Straße liegen die Plätze des Tennis- und Hockey-Clubs Ahrensburg. Obwohl er Anzug, Krawatte und schwarze Halbschuhe trägt, geht Boege zielstrebig voran auf eine regennasse Wiese mit hohem Gras. „Hier könnte sehr gut der Sportpark Auetal entstehen“, sagt Boege über seinen Plan für das Gelände. „Mit mehreren Fußballplätzen und Sporthallen unterschiedlicher Größe, einem Beachvolleyballfeld und einem Zeltplatz.“ So will der Bürgermeisterkandidat den Mangel an Sportstätten und Trainingszeiten der Vereine beheben.

Boege ist bewusst, dass er als Verwaltungschef von den politischen Mehrheiten in der Schlossstadt abhängig wäre. Er sieht dennoch die Möglichkeit, in dem Amt voranzugehen, Vorschläge zu machen und Diskussionen anzustoßen. „Wir müssen in Ahrensburg stärker Prioritäten setzen, wir müssen mit einem klaren Fokus unterwegs sein und dürfen uns nicht zu viel vornehmen“, sagt er. Dazu gehöre auch der Realismus und die Ehrlichkeit zu sagen, wenn etwas nicht möglich sei.

Gute Kommunikation vermeidet für ihn Missverständnisse

Boege will genau zuhören, nachfragen und erklären, vor allem im Kontakt mit den Bürgern. „90 Prozent aller Probleme entstehen durch Missverständnisse in der Kommunikation“, sagt er. „Ich will die Bürger einbinden und mitnehmen.“ Als Mittel dazu sieht er neben digitalen Möglichkeiten unter anderem eine Bürgermeistersprechstunde außerhalb des Rathauses in den Stadtteilen.

Die Bedeutung von guter Kommunikation ist eine der Erfahrungen, die Boege aus seinem Berufsleben in das Bürgermeisteramt einbringen will. Der Diplom-Mathematiker arbeitet bei einem Energieversorger in Hamburg und ist seit Jahren in Führungspositionen tätig. Er hat multinationale Teams geleitet und auch mal in den Niederlanden in Amsterdam gearbeitet. „Man kann Dinge nicht einfach anordnen, sondern kann sie nur mit den Menschen gemeinsam angehen und umsetzen“, sagt er.

Aufgewachsen in Bonn, Studium in Jena

Der berufliche Wechsel nach Hamburg führte ihn 2009 auch nach Ahrensburg, als Wohnort für sich, seine Frau und die älteste Tochter. Geboren und aufgewachsen ist er in Bonn. Nach Abitur und Zivildienst ging Boege 1998 zum Studium nach Jena. Nach dem Abschluss arbeitete er kurz bei einer Unternehmensberatung in Düsseldorf, bevor er in den Norden kam.

Dass ihm Zuhören und Nachfragen wichtig sind, zeigt sich bei der nächsten Station des Rundgangs durch Ahrensburg. An der Grundschule Am Schloss trifft sich Eckart Boege mit Schulleiter Jens Lehmann. Mit dabei ist auch Serpil Midyatli aus Kiel, SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende.

Weil WLAN-Hotspots fehlen, liegen 70 iPads ungenutzt herum

Lehmann berichtet von den Herausforderungen an seiner Schule mit mehr als 400 Kindern, darunter viele mit Migrationshintergrund und Förderbedarf. Er spricht unter anderem von IT-Problemen. „Wir hängen bei der Digitalisierung fest, haben keine WLAN-Hotspots im Altbau, können 70 unserer iPads nicht nutzen“, sagt der Schulleiter.

Boege hört aufmerksam zu, stellt Fragen, hakt nach. „Bei der Digitalisierung ist vieles liegengeblieben, da muss die Stadt besser und flexibler werden“, sagt er, „hier sollte man mehr Dienstleistungen von außerhalb einkaufen.“

Ab und zu geht’s zum Kitesurfen an die Ostsee

Die Themen Schule und Kinderbetreuung sind Boege wichtig, auch weil er selbst mittlerweile Vater von drei Töchtern ist. Die älteste ist mit 19 Jahren zum Studium aus dem Haus, die beiden anderen sind zehn und gerade ein Jahr alt. „Bei der Kinderbetreuung hat sich in Ahrensburg viel getan, aber es kann noch besser werden“, sagt der Kandidat. „Wichtig ist, auch die Qualität der Betreuung im Blick zu haben, etwa bei der Umwandlung der Grundschulen in Offene Ganztagsschulen.“

Der berufstätige Familienvater ist derzeit viel im Wahlkampf unterwegs und versucht, Arbeit, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen. Für die eigenen Hobbys bleibt momentan wenig Raum. „Ich verbringe meine Freizeit am liebsten mit Familie und Freunden, was mir sehr viel gibt“, sagt Boege. Ab und zu geht es auch zum Kitesurfen oder Stand-up-Paddling an die Ostsee.

In Ahrensburg entspannen der 43-Jährige und seine Familie, die im Waldgut Hagen wohnen, gern bei einem Spaziergang im Hagener Forst. Ob Eckart Boege seine Freizeit und sein Familienleben künftig mit den Verpflichtungen eines Bürgermeisters in Einklang bringen muss, wird sich bald zeigen: Am Sonntag, 26. September, ist in Ahrensburg die Bürgermeisterwahl.

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