Prozess

Instagram: Mann erpresst Mädchen mit Sexfotos – Bewährung

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Auf der Plattform Instagram hat der Täter Kontakt zu seinen Opfern aufgenommen

Auf der Plattform Instagram hat der Täter Kontakt zu seinen Opfern aufgenommen

Foto: imago stock&people / imago/imagebroker

Mann (30) soll Kinder via Chat aufgefordert haben, ihm Nacktbilder zu senden. Das ist das Urteil des Amtsgerichts Ahrensburg.

Ahrensburg. Ein 30 Jahre alter Bargteheider ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht Ahrensburg wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt worden. Der Mann soll über die Plattform Instagram zwei Mädchen erpresst haben, ihm sexuelle Fotos und Videos zu senden.

Laut Anklage kontaktierte Michael K. (Name geändert) am 21. Dezember 2018 zunächst eine Zwölfjährige aus Hamburg über die Chatfunktion des Netzwerkes. „Dabei spiegelte der Angeklagte dem Opfer vor, ein 14 Jahre altes Mädchen mit Wohnsitz in Berlin zu sein“, sagt Staatsanwältin Magdalena Salska. Zu Beginn soll K. der Zwölfjährigen Komplimente gemacht haben, um deren Vertrauen zu gewinnen.

Er drohte, die Bilder an alle Kontakte weiterzuleiten

„Dann sendete er der Geschädigten ein Foto eines Mädchens in Unterwäsche, das vermeintlich ihn selbst zeigte und forderte sein Gegenüber auf, es ihm gleichzutun“, so Salska. Nach einigem Zögern habe sich das Mädchen darauf eingelassen und dem 30-Jährigen ein Foto geschickt, das sie in Unterwäsche zeigte. „Der Angeklagte forderte daraufhin weitere Aufnahmen von der Geschädigten und drohte, das Foto andernfalls an sämtliche Kontakte des Mädchens weiterzuleiten“, sagt die Staatsanwältin.

Dem sei die Zwölfjährige jedoch nicht nachgekommen, habe sich stattdessen ihren Eltern anvertraut, die Anzeige erstattet hätten. „Als der Angeklagte zu der Überzeugung gekommen war, dass er keine weiteren Bilder von der Geschädigten erwarten kann, hat er den Chatverlauf gelöscht“, so Salska. Dem sei das Mädchen jedoch zuvorgekommen, indem es Screenshots angefertigt und diese der Polizei übergeben haben.

In dem zweiten Fall sei Michael K. analog vorgegangen. Sein Opfer sei diesmal eine ebenfalls Zwölfjährige aus Süddeutschland gewesen. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Bargteheider zwischen dem 28. Februar und 10. März 2019 mit dem Mädchen Kontakt. „Auch in diesem Fall kam die Geschädigte der Bitte nach, dem Angeklagten ein sexuelles Foto zu senden“, heißt es in der Anklage. K. soll das Mädchen später dazu aufgefordert haben, sich in einem Videochat zu entblößen. „Dem kam die Geschädigte aus Sorge vor einer Veröffentlichung ihres Fotos nach“, so Salska.

Angeklagter bestreitet Vorliebe für Minderjährige

Während des Live-Videos habe der Angeklagte der Zwölfjährigen Anweisungen dazu gegeben, wie sie sich bewegen solle und weiter damit gedroht, das Nacktfoto an Freunde zu senden.

Vor Gericht räumte Michael K. den Chatverkehr mit den Mädchen ein, bestritt jedoch, sich sexuell zu Kindern hingezogen zu fühlen. „Es war kurz nach einem Schicksalsschlag, ich habe viel getrunken“, sagte er. Um die Leere zu überwinden, habe er Kontakt gesucht und Fremde via Instagram kontaktiert. „Eigentlich wollte ich nur schreiben und dann hatte ich die Idee mit den Bildern“, so der Bargteheider. Er habe das Alter der Mädchen nicht gekannt. „Ich war ein Idiot und es tut mir leid, dass ich anderen damit geschadet habe“, sagte er.

Vater eines Opfers schildert die lange Leidensphase

Der Vater der Hamburgerin schilderte, wie sehr seine Tochter unter dem Vorfall leide. „Sie hat sich danach zurückgezogen und es hat lange gedauert, bis sie sich anderen gegenüber wieder geöffnet hat“, sagte der 48-Jährige. Die beiden Opfer, die heute 15 Jahre alt sind, sagten aus Gründen des Jugendschutzes unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Richter Ulf Thiele bezweifelte die Darstellung des Angeklagten. K. habe das Alter der Mädchen anhand der Bilder erkennen können. „Sie haben zielgerichtet mit bösen Absichten gehandelt“, sagte er. Seine sexuellen Neigungen wolle sich K. nicht eingestehen. Neben Geldzahlungen von 1000 und 500 Euro an die Opfer und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit machte der Richter deshalb ein Gespräch in der Sexualambulanz zur Bewährungsauflage für den 30-Jährigen.

( fsn )

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