Kein Herz für Kinder?

Warum Ahrensburg Warnfiguren am Straßenrand verbietet

| Lesedauer: 6 Minuten
Elvira Nickmann
Malte Gelbrecht würde eine solche Warnfigur wie hier im Ahrensburger Birkenweg gern in seiner Wohnstraße platzieren. Doch laut Stadt untersagt die Sondernutzungssatzung das Aufstellen im Straßenraum.

Malte Gelbrecht würde eine solche Warnfigur wie hier im Ahrensburger Birkenweg gern in seiner Wohnstraße platzieren. Doch laut Stadt untersagt die Sondernutzungssatzung das Aufstellen im Straßenraum.

Foto: Elvira Nickmann

Familienvater wollte für mehr Sicherheit vor Rasern sorgen. Doch die Stadt lehnt Aufstellung von Warnfiguren ab. Die Erklärung.

Ahrensburg. Sie stehen zumeist in ruhigen Seitenstraßen und ihre Botschaft lautet: „Vorsicht – Kinder!“ Reflektierende Warnfiguren in Leuchtfarben, sogenannte StreetBuddys, sollen für eine erhöhte Wachsamkeit der Autofahrer sorgen. Das hält Malte Gelbrecht, dreifacher Familienvater aus Ahrensburg, für eine gute Sache. Er wohnt in der Theodor-Storm-Straße und würde so eine Figur gern an einem der Bäume platzieren, die am Straßenrand stehen.

Ahrensburger fragt bei Stadt nach Vorgaben

Als pflichtbewusster Bürger hat Gelbrecht auch bei der Stadt nachgefragt, ob es bestimmte Vorgaben zum Aufstellen der Figur gibt. Doch das könnte sich als Fehler erweisen. Denn das Vorhaben wurde ihm prompt untersagt. Die zuständige Sachbearbeiterin teilte ihm auf seine Anfrage schriftlich mit: „Gemäß unserer Sondernutzungssatzung ist es mit dem Blick auf die Leichtigkeit des Verkehrs, welche nur in Ausnahmefällen eingeschränkt werden darf, nicht möglich, Ihnen eine solche Genehmigung auszustellen.“

Stephan Schott, Fachdienstleiter Straßenwesen, erläutert: „Die Aufstellung von Straßenzubehör bedarf immer einer Sondernutzungsgenehmigung.“ In der Satzung lege die Stadt genaue Kriterien für die Punkte fest, die im Gesetz nicht definiert seien. Und diese besagt laut Stadtsprecherin Anna Plogt, dass „die Stadt Ahrensburg keine solchen Männchen genehmigt“. Sonst könne es dazu führen, „dass die Fahrer abgelenkt werden“.

Andere blocken nicht nicht von vornherein ab

Doch wie sieht das in anderen Kommunen aus? Hans-Bodo Lork vom Ordnungsamt Trittau sagt: „Bisher hatten wir keine Anfragen dazu. Im Einzelfall schauen wir uns das vor Ort an und wägen vor einer Entscheidung ab.“ Ähnlich äußert sich Horst Möller, stellvertretender Bürgermeister von Bad Oldesloe. Er sagt: „Bei uns sind noch keinerlei Anträge zur Aufstellung von Kinderwarnfiguren im öffentlichen Raum eingegangen.

Sollte ein Antrag diesbezüglich eingehen, wird er wohlwollend geprüft.“ Und die Pressesprecherin der Stadt Reinbek, Stephanie Arndt, teilt auf Anfrage mit: „Bei der Prüfung sind die Belange aller Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen.“ Es müsse beispielsweise sichergestellt sein, dass die Gehwegbreite oder die Sicht nicht wesentlich eingeschränkt würden, nicht Elemente in den Verkehr hineinragen oder wetterbedingt, etwa durch Wind, in den Verkehr bewegt werden könnten. „Deshalb spielen für Genehmigungsfragen dieser Art nicht nur Ort und Dauer der Aufstellung, sondern neben den Abmessungen auch Gewicht, Sichtbarkeit zu jeder Zeit, Standfestigkeit und Sicherung des jeweiligen Objekts eine Rolle.“

Die Begründung der Stadt Ahrensburg kann Gelbrecht jedenfalls so nicht nachvollziehen. Er sagt: „Ich bedaure sehr, dass sie solche Warnfiguren nicht zulässt.“ Die Einschränkung der Leichtigkeit des Verkehrs sei Auslegungssache. Die Figuren sorgten allenfalls für eine vermehrte Rücksichtnahme der Autofahrer. Laut Gelbrecht wäre diese wünschenswert, ignorierten doch viele die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Ein Eindruck, den auch andere Anlieger im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigen.

Eine Katze von Gelbrechts wurde überfahren

Zudem beobachtet Gelbrecht seit einiger Zeit mit wachsender Sorge das zunehmende Verkehrsaufkommen in der ruhigen Wohnstraße und dem davon abzweigenden Theodor-Storm-Stieg. Das belege auch die auffällig hohe Zahl an toten Haus- und Wildtieren, darunter auch eine der Katzen der Familie. „Das gab es in den zurückliegenden Jahren nicht.“

Drei zeitgleiche Baustellen im Stadtgebiet und die damit verbundenen Straßensperrungen im Wulfsdorfer Weg und der Hamburger Straße hatten dazu geführt, dass Autofahrer die Theodor-Storm-Straße und den Theodor-Storm-Stieg als Abkürzung entdeckten. Und das, obwohl die meisten Fahrzeuge das auf dem Stieg maximal zulässige Gewicht von 1,5 Tonnen deutlich überschreiten (wir berichteten). Gelbrecht hatte sich unter Verweis auf den baldigen Schulanfang frühzeitig an die Stadt gewandt mit der Bitte, den Stieg zumindest für die letzte Bauphase zu sperren. Doch das Bauamt sah keine Handhabe. „Da kam die Figur ins Spiel, um überhaupt etwas zu machen“, sagt Gelbrecht.

Auf Grundstück macht Aufstellen keinen Sinn

Und er wandte sich an den Grünen-Stadtverordneten Christian Schubbert. Der bestätigte gegenüber Gelbrecht zwar, dass sich im Alltag viele Durchfahrende weder an das Tempogebot noch an das Höchstgewicht von 1,5 Tonnen hielten. Doch was die Warnfigur angeht, erklärt Schubbert gegenüber dieser Zeitung: „Die Verwaltung hat entsprechend der Satzung gehandelt. Das soll heißen: Die Straße ist für Verkehrsteilnehmer da. Dinge, die auf die Straße gestellt werden, bedürfen als Sondernutzung der Zustimmung der Baubehörde.“ Er hoffe, dass sich der Verkehr nach der bereits erfolgten Öffnung des Wulfsdorfer Wegs normalisiere und Gelbrecht die Figur auf seinem Grundstück platzieren könne.

Das sieht jedoch nicht danach aus. Der Familienvater erläutert, warum: „Wir haben Parkbuchten an der Straße, dadurch ist man zu weit von der Fahrbahn entfernt.“ Stattdessen würde er die Figur gern an einer der Linden aufstellen, die am Straßenrand wachsen. „Da würde sie weder die Straßenreinigung noch Baumpflegearbeiten stören“, sagt er. „Der Baum hätte kein Leiden, der Fußgänger nicht und das Einzige wäre der Autofahrer, der dann vielleicht tatsächlich langsam fahren würde.“

Fahrer, die in Eile sind, nehmen die Abkürzung

Die Abkürzung werde auch nach Ende der Baustellen viel frequentiert, vor allem, um den Verkehr auf der Hamburger Straße zu umgehen. „Lieferdienste, Taxen und Handwerker, also alle, die keine Zeit haben, fahren hier durch.“ Seine Kinder berichteten ihm jeden Tag, dass nur wenige Fahrer aufpassten. Trotz Rückschlag will Gelbrecht nicht aufgeben. „Wenn wir jetzt nicht die Politik drängen, wird das so bleiben, denn am Ende der Theodor-Storm-Straße und der Parallelstraße sind die Zugänge alle dichtgemacht worden.“ Auf der Suche nach einer Lösung hofft der Ahrensburger auf Unterstützung aus den Reihen der Stadtverordneten. Eine Lösung könnte nach seiner Ansicht die dauerhafte Schließung des Stieges sein.

Das Kuriose ist, dass es in Ahrensburg bereits an mehreren Stellen Warnfiguren gibt. Was wäre eigentlich gewesen, wenn Gelbrecht die Figur einfach aufgestellt hätte? Stadtsprecherin Plogt sagt: „Wo kein Kläger, da kein Beklagter.“

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