Corona-Lockdown

Stormarns Wirte empfangen wieder die ersten Gäste

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Carl Schreiber
Ahrensburger genießen den Start der Außengastronomie Eva Raboldt und Georg Wulf bei der Bäckerei Junge auf dem Rondeel.

Ahrensburger genießen den Start der Außengastronomie Eva Raboldt und Georg Wulf bei der Bäckerei Junge auf dem Rondeel.

Foto: Carl Schreiber / HA

Seit Montag ist die Außengastronomie wieder erlaubt. In Ahrensburg nutzten viele die Gelegenheit für einen Kaffee an der frischen Luft.

Ahrensburg.  Montag war der Tag, dem Stormarns Gastronomiebetriebe mehrere Monate lang entgegengefiebert haben: Sie durften ihre Außenbereiche wieder öffnen. Das ist noch weit von der Normalität aus der Zeit vor Corona entfernt. „Aber zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung“, so der Ahrensburger Axel Strehl, Landesvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga).

Wie haben die Gäste das Angebot genutzt? Astrid Röckendorf hat um die Mittagszeit an einem der Tische Platz genommen, die das Café Rondeel in Ahrensburg draußen aufgestellt hat. Sie genießt das Gefühl, wieder ein bisschen mehr Freiheit zu haben. „Mir fallen die Leute auf, die sich so einkapseln. Jetzt wird alles hoffentlich ein bisschen offener“, sagt sie. Röckendorf hat im Internet von der Öffnung der Außengastronomie in Stormarn erfahren.

Gäste umtreibt die Sorge, dass es bald schon wieder vorbei sein könnte

Auch bei der benachbarten Bäckereikette „Nur Hier“ auf dem Rondeel stehen Tische und Stühle mit Decken vor den Fenstern. Hier haben es sich Astrid Prusz und ihr Enkel Aaron Hoppe bequem gemacht. Sie hätten lange darauf gewartet, mal wieder ins Café zu gehen. Aaron Hoppe findet es „entspannt“, draußen mit seiner Oma ein Heißgetränk zu sich nehmen zu können.

Nebenan bei der Bäckerei Junge sitzen Eva Raboldt und Georg Wulf. „Abgesehen vom Wetter ist es ein schönes Gefühl, wieder im Café zu sitzen. Ich habe nur Sorge, dass die Außengastronomie bald schon wieder schließen muss“, sagt Eva Raboldt. Georg Wulf fügt hinzu: „Ich gehe auch davon aus, dass die Wirte bald wieder dicht machen müssen. Für sie lohnt sich das nicht wirklich.“

Trotz durchwachsenen Wetters kommen die Gäste

Währenddessen hat es Claudia Petersson aus Ahrensburg im Strandkorb des Cafés Rondeel gemütlich gemacht und einen Latte macchiato bestellt. Ihr habe die Inhaberin vergangene Woche von der Teil-Öffnung erzählt. „Zur Feier des Tages bin gleich ich hierher gekommen. Mir ist bewusst geworden, dass man sich auch über kleine Sachen freuen kann“, so die Ahrensburgerin. Sie sagt aber auch: „Wenn in der dritten Welle der Inzidenzwert wieder die 100er-Marke überschreiten wird, werden die Gastwirte wieder schließen müssen. Aus gastronomischer Sicht fände ich das nicht so schön.“

Auch das Eiscafé Noris Bar in der Hagener Allee hat Tische und Stühle draußen platziert. Hier sitzt das Ehepaar Traute und Günther Ramdohr aus Hamburg. Die beiden haben bei einem Einkauf in Ahrensburg von den Verkäufern erfahren, dass die Außengastronomie in Stormarn öffnen darf. „Das Wetter ist zwar nicht so einladend. Dafür ist es noch ein bisschen zu frisch, aber trotzdem wir haben uns auf den Kaffee gefreut. Es ist ein schönes Gefühl“, sagt Traute Ramdohr. Ihr Ehemann Günther sagt, er verbinde damit die Hoffnung, dass wieder mehr „Positives in der Presse zu lesen ist“. Er wünsche sich, nicht mehr so viele negative Schlagzeilen lesen zu müssen.

Einige Restaurants warten auf besseres Wetter oder wollen ihr Personal schützen

Doch längst nicht alle Wirte in Ahrensburg haben die Möglichkeit genutzt, erstmals nach der mehr als fünfmonatigen Schließung wieder Gäste zu bewirten. Das Restaurant Strehl wartet auf besseres Wetter, und auch Kevin und Jessica Ngo Kien haben den Außenbereich ihrer 7Fuji Sushi & Ramen Bar nicht sofort geöffnet. Beide halten die aktuelle Corona-Lage noch nicht für beständig genug, möchten auch ihr Personal schützen, solange nicht ausreichend Menschen geimpft sind. „Außerdem ist das Wetter noch zu kalt“, sagt der Gastwirt.

„Wir halten uns an den Grundsatz: Außen geht mehr als innen“, rechtfertigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Entscheidung, die Außengastronomie wieder zu öffnen. „Unser Ziel ist zudem, durch die dann möglichen Treffen unter strengen Auflagen im Außenbereich die Zahl der Ansteckungen im privaten Umfeld zu reduzieren.“ In Schleswig-Holstein liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit knapp drei Monaten unter 100, am Montag bei 87,6.

Für Einzelhändler ändert sich zunächst nichts

Für Einzelhandelsgeschäfte in Stormarn ändert sich zunächst nichts. Kunden dürfen Läden nur nach vorheriger Terminvereinbarung betreten (Click & Meet). Das kann auch auf Zuruf vor der Tür geschehen. Bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ist eine Person je zehn Quadratmeter erlaubt. Über weitere Schritte will die Landesregierung derzeit im Wochenrhythmus entscheiden.

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