Prozess

Um Ehefrau zu stoppen: Mann fährt in den Gegenverkehr

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Die Frauen alarmierten nach dem Unfall in Tremsbüttel die Polizei (Symbolbild).

Die Frauen alarmierten nach dem Unfall in Tremsbüttel die Polizei (Symbolbild).

Foto: Friso Gentsch / dpa

31-Jähriger provoziert Unfall in Tremsbüttel. Drei Personen verletzt. Gericht verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe.

Ahrensburg. Was geschah am 12. Mai 2020 gegen 12.50 Uhr auf der Lasbeker Straße in Tremsbüttel? Auf Höhe des Autobahnzubringers sind damals ein VW Golf und ein Opel Zafira frontal zusammengeprallt. Nun musste sich der Fahrer des Golfs vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten. Die Anklage gegen Andreas M. (Name geändert) lautet „Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Körperverletzung“.

Der Grund: Er soll seinen Wagen absichtlich auf die Gegenfahrbahn gelenkt haben, um den Opel zu stoppen. Darin waren seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, seine Schwägerin als Fahrerin und die Schwiegermutter. Alle drei Frauen wurden bei dem Unfall verletzt.

Angeklagter: „Ich wollte nur den Weg versperren“

In der Verhandlung weist der 31 Jahre alte Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. „Der Unfall war keine Absicht, ich wollte nur den Weg versperren und niemanden verletzen“, sagt M., der stark schwerhörig ist und mithilfe zweier Gebärdendolmetscherinnen kommuniziert.

Er habe das Auto seiner Schwägerin erkannt und aufhalten wollen, um von den Frauen zu erfahren, welche Sachen sie vorher aus seiner Wohnung in Tremsbüttel mitgenommen hätten. Der Hintergrund: Andreas M. hatte sich zwei Tage vor dem Unfall von seiner Frau getrennt. Am Unfalltag hatten die Frauen gerade erst Sachen aus der Wohnung der Eheleute geholt, während M. bei der Arbeit war.

Darüber wurde M. durch einen Anruf seiner neuen Partnerin informiert, die sich in der Wohnung aufhielt. „Ich bin dann von der Arbeit sofort zu der Wohnung gefahren“, sagt der Angeklagte, der nun in Barnitz wohnt. Dabei seien ihm die drei Frauen mit dem Auto entgegengekommen. Er habe beim Hinüberfahren auf die Gegenspur noch stark gebremst. „Nach dem Unfall bin ich ausgestiegen und von den Autos weggegangen, die Frauen haben die Polizei gerufen“, sagt M. Sie erlitten unter anderem Prellungen, Schocks und Schmerzen.

Laut Gutachten gab es keine Bremsspuren am Unfallort

„Ich bin Schritttempo gefahren“, sagt die Schwägerin des Angeklagten. „Ich wollte irrtümlich links abbiegen und war gerade dabei, von der linken Abbiegespur wieder nach rechts zu wechseln.“ Dass Andreas M. im anderen Auto saß, hätten sie erst gesehen, als er ausstieg. „Der eine Wagen ist direkt frontal auf den anderen Wagen aufgefahren“, sagt ein anderer Autofahrer, der hinter den Frauen unterwegs war. „Er hat nicht gebremst und ist nicht ausgewichen.“

Auch ein Sachverständigengutachten, das dem Gericht vorliegt, bestätigt, dass es keine Bremsspuren am Unfallort gab. Ein Polizist sagt vor Gericht aus, dass es zu einer frontalen Kollision der beiden Autos gekommen sein muss. „Das war wohl nicht meine beste Idee“, habe Andreas M. gleich vor Ort zu ihm gesagt.

Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung

Die Staatsanwaltschaft fordert für den nicht vorbestraften Angeklagten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. „Sie haben absichtlich ein anderes Auto gerammt und ein Unglück herbeigeführt“, sagt Oberstaatsanwalt Hans-Peter Lofing. „Mein Mandant hat in einer Ausnahmesituation eine Kurzschlusshandlung begangen, die ihm leid tut“, verteidigt Rechtsanwalt Thomas Elvers den Angeklagten. Dieser habe den anderen Wagen nicht rammen wollen. Elvers plädiert für eine Bewährungsstrafe von neun Monaten.

Das Schöffengericht folgt der Anklage, verurteilt Andreas M. zu einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. „Sie haben sich entschieden, den anderen Wagen abzurammen und sich nicht bloß in den Weg gestellt“, begründet Richter Ulf Thiele das Urteil. „Dabei hätten sie anders klären können, dass sie nicht bestohlen wurden.“ M. sei zwar in einer aufgeregten Lebenssituation gewesen, sei aber ein hohes Risiko für alle Beteiligten eingegangen. Zum Angeklagten sagt er: „Sie können sich glücklich schätzen, dass Ihr Verhalten keine schwereren Folgen hatte.“

( cit )

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