Bahntochter

Ioki verzeichnet steigende Nutzerzahlen in Stormarn

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Janina Dietrich
Landrat Henning Görtz und Monika Gabler von der Süderelbe AG vor einem der Ioki-Shuttles am Ahrensburger Rathaus.

Landrat Henning Görtz und Monika Gabler von der Süderelbe AG vor einem der Ioki-Shuttles am Ahrensburger Rathaus.

Foto: Finn Fischer

Neun Elektroautos sind im Kreis unterwegs. Steigende Fahrgastzahlen in Ahrensburg. Viele Pendler buchen den Fahrdienst.

Ahrensburg/Trittau. Trotz der Corona-Pandemie hat der Fahrdienst Ioki im Kreis Stormarn einen erfolgreichen Start hingelegt. Seit Mitte Dezember sind die weißen Elektro-Shuttles in zwei Testgebieten unterwegs: in Ahrensburg sowie in der ländlichen Region zwischen Lütjensee im Norden, Trittau im Osten und den Barsbütteler Ortsteilen Stellau und Stemwarde im Südwesten. Im Januar nutzten knapp 1800 Fahrgäste das neue On-Demand-Angebot – 1278 in Ahrensburg und rund 500 auf dem Land.

Im Februar verdoppelte sich die Zahl der Kunden in der Schlossstadt fast: 2425 Menschen waren per Shuttle unterwegs. „Der Trend ist sehr erfreulich“, sagt Finn Blunck, zuständiger Projektmanager im Ahrensburger Rathaus. Wegen der Pandemie sei es aber schwierig, die Nutzerzahlen einzuordnen. „Wir wissen nicht, wie hoch das eigentliche Potenzial ist, weil wir mit Ioki im Lockdown gestartet sind“, sagt Blunck. Durch Homeoffice gebe es zurzeit weniger Pendler und durch Schließverordnungen und Kontaktbeschränkungen weniger Freizeitverkehre.

Ahrensburg: Viele Fahrten zu den Bahnhöfen

Am häufigsten steuern die fünf Ioki-Shuttles in Ahrensburg den Regionalbahnhof an, gefolgt vom U-Bahnhof West. Das entspreche den Prognosen der Projektplaner, sagt Blunck. Sie vermuteten, dass Menschen, die bereits den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen, schneller das neue On-Demand-Angebot ausprobieren. „Wir haben viele Berufspendler, die Ioki als Zubringer für die erste und letzte Meile nutzen“, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Er freue sich, dass der Service in dieser Zielgruppe bereits gut akzeptiert werde.

Im Berufsverkehr – morgens von 6 bis 8 Uhr sowie nachmittags von 15 bis 17 Uhr – gebe es die meisten Fahrten. Aber auch zwischen 9 und 14 Uhr sei die Nachfrage gut. „Das könnten Menschen sein, die in die Innenstadt wollen“, sagt Finn Blunck. „Ein Ziel des Projekts ist es, den Parksuchverkehr zu reduzieren.“ Die meisten Nutzer verzeichne Ioki in Ahrensburg mittwochvormittags, wenn auf dem Rathausplatz Wochenmarkt ist. Zusammenhänge seien bisher aber noch nicht ausgewertet worden.

Shuttles sind häufig nur mit einem Fahrgast unterwegs

Ein weiteres Ziel von Ioki ist es, die Fahrten mehrerer Kunden zu bündeln, um die Umwelt zu entlasten. Das funktioniere wegen Corona momentan noch nicht so gut wie erhofft, sagt Blunck. Statt sechs Fahrgästen dürfen wegen der Pandemie derzeit nur drei Menschen gleichzeitig die Shuttles nutzen. Meistens sitzt aktuell aber nur ein Kunde im Fahrzeug: Die 2425 Fahrgäste im Februar sorgten in Ahrensburg für 2140 Fahrten.

Für den Betrieb von Ioki wurden die vorhandenen 78 Bushaltestellen im Stadtgebiet um 18 virtuelle Haltepunkte ergänzt. „90 Prozent der Ahrensburger haben dadurch eine Haltstelle, die maximal 250 Meter von ihrer Haustür entfernt liegt“, sagt Marius Kohler, Verkehrsplaner bei Ioki. Vorher waren es nur 76 Prozent gewesen. Durch die Erweiterung sollen mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel animiert werden. „Die neuen Haltepunkte werden gut akzeptiert und angenommen“, sagt Blunck.

Mehr Nutzer als das Anrufsammeltaxi

Im 50 Quadratkilometer großen Testgebiet zwischen Trittau, Lütjensee und Barsbüttel leben rund 18.000 Menschen. Im Februar verzeichnete Ioki dort einen Rückgang auf rund 400 Fahrgäste. Laut Björn Schönefeld, ÖPNV-Fachmann in der Kreisverwaltung, könnten die niedrigeren Zahlen auf das Winterwetter in den ersten zwei Wochen des Monats zurückzuführen sein. „Wir haben auf dem Land eine andere Klientel und damit auch ein anderes Mobilitätsverhalten als in Ahrensburg“, sagt er. „Hier leben viele ältere Menschen, die bei schlechtem Wetter lieber zu Hause bleiben.“ Zudem sorge die Corona-Pandemie dafür, dass Ziele wie „Freunde im Nachbarort besuchen“ wegfielen.

Dennoch sei er mit dem Start sehr zufrieden. Das Anrufsammeltaxi, das zuvor in der Region unterwegs war, habe nur halb so viele Nutzer gehabt. Besonders gefragt sei die Haltestelle Großlohe in Hamburg-Rahlstedt, an der Pendler in den Metrobus umsteigen können. Beliebt seien auch die Station Lütjensee Kreuzung, an der ein Umstieg in zwei Buslinien möglich ist, sowie in Trittau die Haltestellen Vorburg und Rathaus. Hauptnutzer seien in diesem Testgebiet ältere Menschen, die zu Ärzten oder zum Einkaufen fahren, sowie Berufspendler. „Die Kunden schätzen die enorme Flexibilität, weil sie sich nicht an Fahrpläne halten müssen“, sagt Schönefeld.

Rabatt für HVV-Zeitkarteninhaber auf dem Land

In dem ländlichen Gebiet sind vier Shuttles im Einsatz, alle werden derzeit aber nur zu Spitzenzeiten benötigt. „Wir haben noch Luft nach oben“, sagt Schönefeld. Insbesondere am Abend und an den Wochenenden mache sich der Lockdown bemerkbar. Wie in Ahrensburg ist die Nachfrage morgens und nachmittags am größten.

Normalerweise benötigen Ioki-Nutzer ein gültiges HVV-Ticket und müssen dann noch einen Komfortzuschlag von einem Euro zahlen. Im ländlichen Testgebiet wurde dieser Zusatzbeitrag für Inhaber von HVV-Zeitkarten abgeschafft. „Um einem Missbrauch vorzubeugen, müssen sich die Nutzer dafür aber registrieren“, sagt Schönefeld. Denn in Hamburg habe das Angebot dazu geführt, dass Menschen wahllos zahlreiche Fahrten buchten, die sie letztlich gar nicht nutzten.

Der Testbetrieb läuft bis zum Jahresende

Eine zweite Verbesserungsidee wird derzeit geprüft: Bislang können Pendler aus der Region mit Ioki nur zur Haltestelle Großlohe fahren, müssen den Metrobus zum Bahnhof Hamburg-Rahlstedt nehmen, um dort in die Regionalbahn umzusteigen. „Wir überlegen, ob wir die Ioki-Shuttles demnächst bis zum Bahnhof Rahlstedt durchfahren lassen, um den Komfort für Pendler weiter zu erhöhen“, sagt Schönefeld.

Der Testbetrieb läuft an beiden Standorten bis Ende des Jahres. Die Projekte werden mit Fördergeld finanziert und wissenschaftlich begleitet. Für Ahrensburg ist laut Finn Blunck bis Mai eine erste Zwischenauswertung mit detaillierten Nutzerzahlen geplant, die auch der Politik vorgestellt werden soll.

So können die Shuttles gebucht werden

Wer einen Shuttle buchen möchte, muss sich zunächst die App Ioki Hamburg herunterladen. Nutzer können sich innerhalb der beiden Testgebiete von einer beliebigen Adresse zu einem Haltepunkt bringen lassen oder umgekehrt. Es gibt keine festen Fahrpläne oder Routen. Alternativ können die Fahrzeuge auch bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) unter Telefon 040/72 59 48 20 reserviert werden.

In Ahrensburg fahren die Shuttles montags bis freitags von 4.30 bis 0.30 Uhr, sonnabends von 5.15 bis 0.30 Uhr und sonntags von 8 bis 23 Uhr. Im ländlichen Testgebiet sind die Autos täglich von 5 bis 23 Uhr betriebsbereit.

Nutzer benötigen ein HVV-Ticket und zahlen einen Komfortzuschlag von einem Euro. Auf dem Land entfällt dieser nach vorheriger Registrierung für HVV-Zeitkartenbesitzer. In Ahrensburg kostet die Kurzstrecke 2,80, der Nahbereich 3,40 Euro.

Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, PayPal, Lastschrift oder mit einer Guthabenkarte. Letztere ist im Peter-Rantzau-Haus (Manfred-Samusch-Straße 9) in Ahrensburg oder im Tabak und Whisky House in Trittau (Poststraße 39) erhältlich.

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