Corona-Beschränkungen

Ab Montag geht Shoppen in Stormarn nur noch mit Termin

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Petra Sonntag
Kirsten Niemeier von Elektro Löw hat ab Montag wieder einen Tresen am Ladeneingang, um Kunden mit Leuchtmitteln oder Sicherungen zu versorgen oder einen Termin zum Lampenkauf zu vergeben.

Kirsten Niemeier von Elektro Löw hat ab Montag wieder einen Tresen am Ladeneingang, um Kunden mit Leuchtmitteln oder Sicherungen zu versorgen oder einen Termin zum Lampenkauf zu vergeben.

Foto: Petra Sonntag

Einzelhändler können per Click & Meet-Verfahren weiterverkaufen. Umsatzeinbußen und unsichere Perspektiven belasten Geschäftsleute

Ahrensburg. Mit einem aktuellen Inzidenzwert von 68,4 pro 100.000 Einwohner gehört Stormarn zu jenen Kreisen, die ab kommenden Montag weiteren Beschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus unterliegen. Nach nur zwei Wochen Öffnungszeit dürfen Einzelhandelsgeschäfte hier ihre Kunden nur noch mit Terminvereinbarung empfangen („Click&Meet“). Immerhin kann das auch auf Zuruf spontan vor Ort geschehen.

Für den Aufenthalt im Geschäft gilt: Pro 20 Quadratmeter Ladenfläche ist eine Person zulässig, Kunden sollten sich zudem nicht länger als eine halbe Stunde aufhalten. Die Einzelhändler müssen außerdem die Kontaktdaten ihrer Kunden festhalten. Steigt die Inzidenz auf über 100, muss der Einzelhandel komplett schließen, bestellte Waren können dann nur nach Voranmeldung abgeholt werden (Click&Collect). Die Entscheidung über erneute Öffnungen oder Schließungen werden, so sieht es Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vor, im Wochenrhythmus getroffen.

Möbelladen-Inhaber hat jedenfalls einen Onlineshop

Für Sven Reinhart, der einen Laden für skandinavische Möbel, Wohnaccessoires und Kleidung an der Hagener Allee in Ahrensburg führt, ist die Planungsunsicherheit neben Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent die größte Belastung. „Es ist schwierig, in dieser Ungewissheit unternehmerische Entscheidungen zu treffen“, so Reinhart. „Ich gehe beim Bestellen von Ware voll ins Risiko, ohne zu wissen, wann wir wieder geöffnet haben dürfen.“

Zwar gehört Reinhart zu den wenigen Einzelhändlern in der Schlossstadt, der zusätzlich einen Onlineshop betreibt, doch das wiege bei weitem nicht die Verluste durch mangelnde Laufkundschaft auf. „Jetzt stehen wir vor der Entscheidung, ob wir eine Software anschaffen, damit unsere Kunden online vorab Termine vereinbaren können. Ich wünsche mir bei allem Verständnis für Infektionsschutz, dass die Vorgaben für uns leichter umsetzbar werden als nur von Woche zu Woche zu schauen.“

Kaufleute-Vereinigung: Die zwei Wochen der Öffnung waren sehr wichtig

Kirsten Niemeier, die das Traditionsgeschäft Elektro Löw am Ahrensburger Rathausplatz leitet, ist froh, dass sie als Mischbetrieb mit Lampenverkauf und Elektroinstallationen zwei Standbeine hat. „Die Installation läuft so gut, dass sie uns mit durchzieht“, sagt Niemeier. „Außerdem hilft uns, dass wir als Eigentümer der Immobilie keine Miete zahlen müssen.“ Die Einbußen im Lampengeschäft seien indes enorm gewesen, eine Mitarbeiterin habe sie deshalb bereits im vergangenen Jahr entlassen müssen. In den vergangenen zwei Wochen Öffnungszeit habe sie viele Kunden gehabt, auch aus Hamburg.

„Diese zwei Wochen waren sehr, sehr wichtig für die Kaufleute“, sagt Juwelier Andreas Werning, stellvertretender Vorsitzender des Ahrensburger Stadtforums. „Ein großer Vorteil ist jetzt, dass wir weiter Beratungen machen dürfen, das ist zum Beispiel für den Verkauf von Trauringen wichtig.“ Auch wenn die neuen Auflagen den Verkauf erschwerten, nehme jeder Einzelhändler mit, was gehe, um zu überleben.

Blumenhändler freut sich, dass es weitermachen darf

Michael Malbricht, Inhaber zweier Blumengeschäfte an der Hamburger Straße, ist froh, dass der Verkauf weitergeht. „Wir zählen zur selben Branche wie Gärtnereien und dürfen dieses Mal offen bleiben“, sagt Malbricht. Darüber seien auch seine Angestellten froh, die in den vergangenen drei Monaten in Kurzarbeit gewesen seien, während ihr Chef sich mit Floristik für Trauerfeiern über Wasser hielt. Die Einnahmen kann Malbricht gut gebrauchen. „Von dem Überbrückungsgeld, das ich ab Dezember beantragt hatte, habe ich bisher noch nichts gesehen.“

Kritik an Unflexibilität der Behörden

Auch Ingrid Ebeling, die gemeinsam mit ihrer Tochter Tanja Klam ein Betten- und Stofffachgeschäft an der Hagener Allee betreibt, wartet noch auf das Kurzarbeitergeld für ihre Angestellten, die ab Januar zu Hause bleiben mussten. In der Schließungszeit seien ihr Dreiviertel des Umsatzes weggebrochen. Die laufenden Kosten musste sie aus Rücklagen bestreiten. „Die Behörden sind angesichts des Knebels, den sie dem Einzelhandel zumuten, zu unflexibel bei der Handhabung von Anträgen und Zahlungen“, kritisiert Ebeling.

Siegfried Schreyer, Inhaber eines Jeans-Fachgeschäfts an der Großen Straße, hält die neuerliche Beschränkung des Einzelhandels für falsch. „Ich glaube nicht, dass eine Gefährdung der Inzidenzzahl durch den kleinen Einzelhandel gegeben ist“, so Schreyer. Seine Kunden verhielten sich sehr diszipliniert, achteten auf Abstand und Maskenpflicht. Nun hofft er, dass keine weiteren Beschränkungen folgen. „Meine Kunden wollen die Ware anprobieren und beraten werden. Das kann Click&Collect nicht leisten.“ Ab Montag heißt es für sie, wie für alle anderen Stormarner mit Einkaufswunsch, vorerst: anrufen oder klingeln und einen Termin erfragen.

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