Nach Lockdown

Präsenzunterricht an Stormarner Grundschulen gestartet

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Petra Sonntag
Die Freude bei Eltern und Kindern an der Ammersbeker Grundschule Bünningstedt überwiegt, so auch bei Daniel Furchert und seiner Tochter Romy (9).

Die Freude bei Eltern und Kindern an der Ammersbeker Grundschule Bünningstedt überwiegt, so auch bei Daniel Furchert und seiner Tochter Romy (9).

Foto: Petra Sonntag

Die meisten Eltern und Kinder begrüßen die Schulöffnungen, doch es fehlen langfristige Konzepte. Förderung lag monatelang brach.

Ammersbek.  Bunte Zettel mit der Aufschrift „Willkommen zurück! Schön, dass wir uns endlich wiedersehen!“ an der Eingangstür der Grundschule Bünningstedt begrüßten am Montag die Kinder zum Präsenzunterricht zurück. Erstmals seit den Schulschließungen am 16. Dezember vergangenen Jahres sollen seit 22. Februar landesweit wieder Grundschüler vor Ort unterrichtet werden. Ausgenommen davon sind Kreise und Städte, in denen die Zahl der Corona-Infektionen derzeit besonders hoch ist. Stormarn zählt nicht dazu.

Als eine von 35 Grundschulen im Kreis Stormarn öffnete die Grundschule Bünningstedt in Ammersbek wieder ihre Türen. Für sämtliche Schüler, Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal gilt hier wie an allen anderen Schulen die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes. Die Schüler sind in kleinen Kohortensystemen mit maximal 25 Kindern organisiert und haben versetzte Anfangszeiten, um größere Ansammlungen bei Schulbeginn und -ende zu vermeiden. Doch im Klassenraum sitzen die Kinder in voller Klassenstärke zusammen – auch wenn einige Plätze am Montag leer geblieben sind.

Etwa zehn Prozent der Schüler blieben zu Hause

Von den 146 Schülern im Alter zwischen sieben und elf Jahren waren etwa zehn Prozent zu Hause geblieben. „Die Eltern können bis zum 7. März, dem Ende des Lockdowns, ihre Kinder ohne Angabe von Gründen beurlauben“, sagt Schulleiterin Birgit Graumann-Delling. „Davon machen vor allem Familien Gebrauch, in denen Angehörige zu den vulnerablen Gruppen zählen.“

Für Daniel Furchert und seine Frau bedeutet die Schulöffnung eine Erleichterung. „Die schulischen Anforderungen zu erfüllen, war nicht so problematisch, weil meine Frau in Kurzarbeit ist und ich im Homeoffice arbeite. Aber wegen der Sozialkontakte begrüßen wir den Präsenzunterricht für unsere Tochter“, sagt der Ammersbeker. „Sie konnte sich ja bislang nur mit einer Freundin treffen.“ Auch die Streitereien, die es zwischen Eltern und Tochter immer mal wieder wegen der Schulaufgaben gegeben habe, hätten nun ein Ende.

Sorge wegen der Ansteckungsgefahr hegt er ebenso wenig wie seine Tochter Romy. „Ich bin froh, dass ich wieder zur Schule kann. Und weil ich topgesund bin, habe ich auch keine Angst“, sagt die Neunjährige, die nur das ständige Maskentragen stört. „Meine Pickelchen, die ich davon bekommen habe, sind gerade weggegangen. Jetzt geht es bestimmt wieder los.“

Manche Kinder waren von der Maskenpflicht befreit

Andere Eltern haben ihr Kind von der Maskenpflicht mit einem ärztlichen Attest befreien lassen. So wie Christine Niemeyer: „Meine Tochter bekommt davon Kopfschmerzen und ihr wird schlecht. In unserer Familie gibt es die Tendenz zur Migräne. Ich fürchte, dass es vielen Kindern mit dem ständigen Maskentragen schlecht geht.“

Die siebenjährige Svea aus Ahrensburg hatte am Montagmorgen Angst, zur Schule zu gehen. „Ich wollte erst nicht weg von meinen Eltern“, sagt sie. Sie war nicht die Einzige, bei der am Morgen Tränen flossen, doch am Montagmittag lautet ihr Resümée: „Dann war’s doch richtig cool in der Schule, und das Maskentragen war auch nicht schlimm.“ Ihre Mutter Bettina Jenke konnte das Homeschooling gut betreuen, weil sie derzeit nicht berufstätig ist. „Aber ich frage mich, was das für eine Belastung für Familien ist, in denen beide berufstätig sind.“

Unterstützung durch Förderunterricht und fehlte

Das kann ihr Gudrun Brögelmann genau sagen. Die 60-Jährige, die im Krankenhaus arbeitet, zieht ihre Enkelin Sophie-Marie gemeinsam mit ihrem Mann seit der Geburt groß. „Wir mussten uns selbst wieder schlau machen, wie wir Sophie den Stoff vermitteln und fürs Distanzlernen zudem ein teures Tablet anschaffen. Und sämtliche Förderungen, die Sophie in der Schule hatte, blieben auf der Strecke“, sagt Brögelmann. „Kinder, die Nachteile haben, haben es jetzt schwer.“ Seit Monaten müsse ihre Enkelin auf Leseförderung und die wöchentliche Unterstützung durch einen Förderlehrer verzichten. Umso mehr freuen sich die Großmutter und die Viertklässlerin, dass nun endlich wieder Präsenzunterricht stattfindet.

Für Lars Beckmann, Vorsitzender des Kreiselternbeirats für Grundschulen in Stormarn, ist das Vorgehen des Bildungsministeriums nur bedingt nachvollziehbar: „Wie sieht der Plan aus, wenn die Schulen in zwei Wochen wegen steigender Infektionszahlen in den Wechselunterricht gehen oder wieder ganz geschlossen werden müssen?“

Dem Ahrensburger fehlen zudem passende Konzepte, die auch für einen langfristigen digitalen Unterricht aus der Ferne taugen. „Das Virus verschwindet nicht einfach wieder, die Herausforderung besteht längerfristig. Es ist erstaunlich, wie wenig Schule und Politik sich auf die Risiken einlassen wollen. Es geht darum, Lehrstoff fürs Distanzlernen zu vereinheitlichen und digital aufzubereiten.“

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