Jahresbilanz 2020

Corona-Lockdown: Firmen verschieben Investitionen

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Harald Klix
Detlev Hinselmann ist seit Januar 2016 Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn. Sein Vertrag endet am 31. März 2021.

Detlev Hinselmann ist seit Januar 2016 Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn. Sein Vertrag endet am 31. März 2021.

Foto: Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn

Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn meldet deutlich weniger Verträge. Autohof Hammoor steht vor der Unterzeichnung.

Bad Oldesloe. Der doppelte Corona-Lockdown im vergangenen Jahr hat die Arbeit der Wirtschaftsförderer im Kreis Stormarn stark ausgebremst. Nach Jahren voller Rekorde muss Detlev Hinselmann, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS), einen "unerwarteten Einschnitt" vermelden. "Gleichwohl sind wir zufrieden – gerade im Hinblick auf die erschwerten Bedingungen – dass wir das Jahr 2020 mit einem ausgewogenen Ansiedlungsgeschäft abschließen konnten", sagt er.

Unter dem Strich stehen 16 Abschlüsse: drei Ansiedlungen von außerhalb Stormarns, sieben Umsiedlungen sowie fünf Erweiterungen und eine Existenzgründung. Damit wurden rund 14 Millionen Euro Bauinvestitionen ausgelöst, rund 250 Arbeitsplätze zwischen Reinbek im Südwesten und Reinfeld im Nordosten erhalten sowie zusätzlich circa 120 neue Stellen geschaffen.

Vertrag des Geschäftsführers endet im März

2019 schloss die WAS noch Verträge mit 28 Unternehmen. Die Firmen investierten mehr als 32 Millionen Euro, rund 200 Arbeitsplätze kamen hinzu.

Unverändert stark ist das Interesse am 21 Hektar großen Ahrensburger Gewerbegebiet Beimoor-Süd II. "Über die Hälfte des Bauinvestitionsvolumens fließt am Standort Ahrensburg", sagt Hinselmann, der Ende März aufhört. Aufsichtsrat, Gesellschafterversammlung und der Geschäftsführer waren zu dem Ergebnis gekommen, den seit Anfang 2016 geltenden Vertrag nicht zu verlängern. Nachfolger wird Ulf Hahn, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg.

150 Lkw-Stellplätze entstehen am Kreuz A 1/A 21

Zum Abschied ist Hinselmann optimistisch, ein Millionenprojekt zu unterzeichnen: Die Verträge zwischen WAS, der Gemeinde Hammoor und Investor über den Autohof am Kreuz A 1/A 21 ständen kurz vor dem Abschluss. Auf einem Feld direkt neben der Autobahn sind rund 150 Lkw-Stellplätzem eine Tankstelle mit Shop, ein Hotel und Systemgastronomie geplant. Die WAS erwartet den Satzungsbeschluss der Gemeinde zum B-Plan voraussichtlich im Sommer.

"Sobald es möglich ist, findet eine Öffentlichkeits­veranstaltung statt", sagt Hinselmann. Dann will der Investor sein konkretes Konzept vorstellen. Ursprünglich war dies bereits für das vergangene Frühjahr geplant, wurde wegen der Corona-Auflagen zu größeren Treffen aber verschoben.

Erschließung bei Höffner in Barsbüttel weit fortgeschritten

Aktiv ist die WAS auch in den anderen Gewerbegebieten entlang der Autobahn. Bei Möbel Höffner am A-1-Anschluss Barsbüttel ist der Erschließung von zusätzlichen 15 Hektar weit fortgeschritten. "Wir stehen inmitten der Vermarktung", sagt Hinselmann. Auch wegen der Hamburger Telefonvorwahl „040″ sei der Standort äußerst interessant für Unternehmen.

Das gilt auch wenige Kilometer weiter am A-1-Anschluss Stapelfeld, wo das erste länderübergreifende Gewerbegebiet von Schleswig-Holstein mit Hamburg (Minervapark und Victoriapark) Formen annimmt. "Mit den Erschließungsarbeiten auf Stormarner Seite beginnen wir voraussichtlich im Frühjahr", sagt Hinselmann. Wie es dort einmal aussehen soll, zeigt eine neue 3-D-Animation auf der Homepage www.was-stormarn.de.

Minervapark bei Stapelfeld bekommt Zertifikat für Nachhaltigkeit

Erstmalig initiiert die WAS für den Minervapark mit ihrem Partner Victoria Park Hamburg eine Zertifizierung bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Das Quartier wird hinsichtlich seiner ökologischen, ökonomischen, soziokulturellen, funktionalen und technischen Qualitäten bewertet. "Weltweit hat die Nachhaltigkeitszertifizierung von Bauprojekten enorm an Bedeutung gewonnen", sagt Hinselmann.

Verkehrsgünstig an der A 24 liegt auch das Reinbeker Gewerbegebiet Haidland. Es ist seit 2019 komplett besiedelt, die WAS hat sich bereits Flächen für eine Erweiterung gesichert. Die sei dringend erforderlich.

Staus an A-1-Anschlussstellen sollen ein Ende haben

Schließlich entwickelt die WAS derzeit noch eine Fläche in Trittau, um ortsansässigen Betrieben Expansionsraum anbieten zu können. Dort soll die Erschließung im zweiten Quartal beginnen. Außerdem beteiligen sich die Wirtschaftsförderer am Umbau der beiden A-1-Anschlussstellen Ahrensburg und Stapelfeld. Dort sollen die täglichen Staus im Berufsverkehr ein Ende haben.

Grundsätzlich stellt der WAS-Geschäftsführer fest, dass immer komplexer werdende verkehrs-, umwelt- und baurechtlichen Regelungen die Umsetzung von Vorhaben erschweren. Die Folge seien zeitliche Verschiebungen. "Uns ist bewusst, dass die Flächen knapper und teurer werden und die Auswahl und
Vergabe von Grundstücken besonderen Kriterien unterzogen werden muss", sagt Hinselmann.

Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern Kommunen Einnahmen

Auf der anderen Seite sei es ohne verfügbare Gewerbeflächen nicht möglich, den Wirtschaftsstandort Stormarn mit neuen Betrieben auszubauen, die Wirtschaftskraft der Kommunen zu stärken und Abwanderungen vorzubeugen. Zukunftssichere Arbeits- und Ausbildungsplätze sicherten auch Gewerbesteuern für die Kommunen.

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