Prozess

Ahrensburger wegen Einbrüchen angeklagt: So leiden die Opfer

| Lesedauer: 5 Minuten
Janina Dietrich
Ein Ahrensburger (39) ist vor dem Landgericht Lübeck angeklagt. Er soll in mehrere Wohnungen und eine Kita in Ahrensburg und Ammersbek eingebrochen sein. Der Mann, der hinter seinem Verteidiger sitzt, versteckt sein Gesicht hinter einem weißen Zettel.

Ein Ahrensburger (39) ist vor dem Landgericht Lübeck angeklagt. Er soll in mehrere Wohnungen und eine Kita in Ahrensburg und Ammersbek eingebrochen sein. Der Mann, der hinter seinem Verteidiger sitzt, versteckt sein Gesicht hinter einem weißen Zettel.

Foto: Janina Dietrich / HA

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen vier Taten vor. Der Mann soll in Wohnungen und eine Kita eingedrungen sein.

Ahrensburg/Lübeck. "Wenn ich nach Hause komme, kontrolliere ich jetzt immer zuerst die Handgriffe der Terrassentür und sämtlicher Fenster", sagt Marion P. (Name geändert). Und weiter: "Mein jüngster Sohn leidet unter Schlafstörungen. Er hat Angst, dass der Einbrecher uns beim nächsten Mal tötet." Zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Familie aus Ahrensburg Opfer eines Einbrechers wurde. Vor dem Landgericht Lübeck schildert die Mutter am Donnerstag in eindringlichen Worten, wie sie das Geschehen bis heute beschäftigt.

Einbrüche in Ahrensburg und Ammersbek

Auf der Anklagebank sitzt ein 39-Jähriger aus Ahrensburg. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der in Kasachstan geborene Mann für diesen und weitere Einbrüche in Ahrensburg und Ammersbek verantwortlich ist. Die Anklagebehörde wirft ihm vier Taten zwischen Juni 2018 und Januar 2019 vor.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwalt Florian Büchmann in zwei Wohnungen, ein Doppelhaus und eine Kita eingebrochen sein, dabei Schmuck im Wert eines fünfstelligen Geldbetrags sowie Notebooks, Digitalkameras, Taschen, ein Tablet und Bargeld gestohlen haben. Einen Teil der Beute haben die Ermittler bei ihm sichergestellt. Der 39-Jährige sitzt derzeit bereits wegen einer anderen Straftat in der Justizvollzugsanstalt in Kiel, genauere Angaben zum Hintergrund machte die Vorsitzende Richterin Gesine Brunkow zunächst nicht.

Schränke wurden aufgebrochen und durchwühlt

Als Marion P. am 4. Juni 2018 mit ihrem jüngsten Sohn gegen Mittag von der Arbeit nach Hause kommt, merkt sie zunächst nicht, dass etwas in ihrem Haus nicht stimmt. Sie stellt nur kurz ihre Tasche ab, um dann den größeren Sohn von der Grundschule abzuholen. Erst bei der Rückkehr fällt ihr auf, dass Schubfächer eines alten Wohnzimmerschrankes offenstehen, abgeschlossene Türen aufgebrochen wurden. Im Obergeschoss sieht die Ahrensburgerin, dass ihre Schmuckschatullen vom Schlafzimmerschrank gerissen und geleert wurden und dass der Inhalt des Badezimmerschrankes ins Waschbecken geworfen wurde. Zeitgleich bemerkt ihr Sohn, dass die Terrassentür offen ist.

Einbrecher kam durch Kellerfenster ins Haus

Der Ehemann erzählt vor Gericht, dass seine Frau ihn an jenem Tag völlig aufgelöst angerufen habe. Auch ihn habe der "Angriff in die Privatsphäre" noch lange beschäftigt. Der 50-Jährige sagt: "Wenn ich Joggen war, bin ich anschließend immer zuerst um das Haus herumgegangen, um zu überprüfen, ob alles noch zu war." Bei den mittlerweile sieben und zehn Jahre alten Kindern habe sich die Tat ins Gedächtnis "eingebrannt", sagt die Mutter. Es sei sehr schwierig, ihnen die Angst wieder zu nehmen. "Sie leiden sehr darunter."

Die Ermittlungen ergeben, dass der Einbrecher durch einen Kellerlichtschacht in das Haus eingebrochen ist, er zum Verlassen des Gebäudes die Terrassentür aufgebrochen hat. "In der Zeit gab es in Ahrensburg viele Einbrüche durch Kellerfenster", sagt ein Ermittler vor Gericht. "Wir vermuten, dass das Fenster mit dem Schuh aufgedrückt wurde."

Polizei versucht Opfer zu beruhigen

Der Polizist erzählt, wie er Einbruchsopfer nach solchen Taten zu beruhigen versuche. "Das ist nicht wie im Fernsehkrimi. Die Täter sind Diebe, keine Räuber", betont der 47-Jährige. "Sie wenden beim Aufeinandertreffen keine Gewalt an, sondern möchten möglichst schnell wegkommen und unerkannt bleiben. Denn sie wollen mit ihren Einbrüchen weitermachen."

Einbruchsopfer war während der Tat im Urlaub

Renate M. (Name geändert) war gerade im Urlaub, als der Einbrecher in ihre Wohnung in Ahrensburg eindrang und alles verwüstete. "Bei mir wurde vor vielen Jahren schon einmal eingebrochen", sagt die 72-Jährige vor Gericht. "Aber dieses Mal war es anders." Sie spricht von "brachialer Gewalt", sagt: "So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen." Mit der Tat, die ebenfalls zweieinhalb Jahre zurückliegt, könne sie bis heute nicht abschließen. "Seitdem brennt bei mir in der Küche immer Licht", sagt sie. "Ich weiß, dass das eigentlich nichts bringt. Aber ich fühle mich dadurch sicherer."

In ihrer Wohnung habe der Einbrecher alles Mögliche mitgenommen: Schmuck, Parfüm, ein Tablet, Notebooks, verschiedene Uhren, darunter auch Erbstücke. "Diese hatten an sich keinen großen Wert, für mich waren es aber wichtige Erinnerungsstücke", sagt die Ahrensburgerin.

Polizist: Profis gehen zielgerichteter vor

Ein Kripo-Beamter sagt vor Gericht, dass die Wohnung völlig durchwühlt worden sei. Ein solches Vorgehen spreche eher für einen nicht so professionellen Täter. "Profis handeln zielgerichtet", sagt er. "Ihre Beute muss klein und wertvoll sein und gut in eine Tasche passen. Sie wollen Schmuck und Bargeld." Wer nicht so versiert sei oder einfach nur etwas Kleingeld suche, durchwühle alles und nehme auch alles mit, sagt der Beamte. Mit Blick auf die Beute in dem Ahrensburger Fall sagt er: "Wer klaut heutzutage noch Digitalkameras? Dafür bekommt man beim Hehler nichts mehr."

Der Angeklagte äußerte sich am Donnerstag nicht zu den Tatvorwürfen. Der Prozess wird am Mittwoch, 20. Januar, fortgesetzt.

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