Reparatur

Künstler sammelt Geld für Ahrensburger Muschelläufer

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Janina Dietrich
Im Februar wurde der Muschelläufer vom Rondeel entfernt, derzeit wird er beim Bauhof gelagert.

Im Februar wurde der Muschelläufer vom Rondeel entfernt, derzeit wird er beim Bauhof gelagert.

Foto: Petra Sonntag

Martin Wolke will auf Rechtsstreit mit der Stadt verzichten. Stattdessen möchte er die Reparatur nun auf anderem Weg vorantreiben.

Ahrensburg.  Künstler Martin Wolke will auf einen Rechtsstreit mit der Stadt Ahrensburg um die Zukunft des Muschelläufers verzichten – zumindest vorerst. Das kündigt der 49-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion an. Stattdessen wolle er finanzielle Unterstützer suchen, um die notwendigen Kosten für die Reparatur und Wiederaufstellung der Skulptur aufzubringen. Wolke sagt: „Ich möchte keine weiteren Verzögerungen provozieren und das nötige Budget direkt finanzieren, damit der Muschelläufer in alter Frische wieder auf dem Rondeel seinen Dienst tun kann.“

Das Hauptproblem ist die Füllung der Skulptur

Bürgermeister Michael Sarach hatte die umstrittene Figur im Februar dieses Jahres abbauen lassen, nachdem ein technischer Prüfbericht die Standsicherheit infrage gestellt hatte. Die Verwaltung übergab den Muschelläufer zur Schadensanalyse an eine Fachfirma in Neumünster. Die Experten stellten fest, dass der „Blaumann“ ein wirtschaftlicher Totalschaden ist und die Beseitigung sämtlicher Schäden mehr als 35.000 Euro kosten würde.

Hauptproblem ist demnach, dass die Skulptur mit Polyurethanschaum gefüllt ist, der sich bei Feuchtigkeit ausdehne und zu Rissen in der Außenhülle der Fiberglas-Figur führe. Die Stadt ist der Auffassung, dass der Künstler für dieses Problem verantwortlich ist und fordert für die notwendige Nachbesserung rund 6500 Euro. Erst danach will die Politik entscheiden, wie es mit dem Kunstwerk weitergehen soll. Die Zahlung der Summe lehnte Martin Wolke bisher ab. Seiner Ansicht nach habe die Stadt ihre Sorgfaltspflicht verletzt und trage deshalb die Schuld am schlechten Zustand des Muschelläufers.

Steuerzahlerbund listet die Figur im Schwarzbuch auf

Seit dem Sommer wird das rund 300 Kilogramm schwere Kunstwerk auf dem Gelände des Ahrensburger Bauhofs gelagert – und damit vor der Öffentlichkeit versteckt, wie Martin Wolke sagt. „Wenn ich nichts tue, wird das dauerhaft so bleiben.“ Freunde aus dem Kunst- und Kulturbereich hätten bereits zugesagt, Geld für die Reparatur geben zu wollen. Ein paar Tausend Euro habe er damit schon in der Hinterhand. „Das hat mich ermutigt, die Aktion zu starten.“ Er wolle mindestens die 6500 Euro zusammenbekommen, die Ahrensburg von ihm einfordert. „Dann wäre die Stadt im Zugzwang“, so Wolke. Er hoffe aber, durch eine Vielzahl von Spenden vielleicht sogar die gesamten Reparaturkosten finanzieren zu können.

„Damit wäre allen geholfen“, sagt Wolke. „Und auch die idiotische Schwarzbuch-Diskussion hätte endlich ein Ende.“ Wie berichtet, hat es der Muschelläufer kürzlich ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Darin listet er jährlich eine Reihe von spektakulären Beispielen auf, bei denen seiner Ansicht nach Steuergeld verschwendet wird. Sein Urteil zum Muschelläufer: „Auch ein geschenktes Kunstwerk kann für die Stadt teuer werden.“ Denn selbst wenn der Künstler die eingeforderten 6500 Euro übernehme, „würde der Steuerzahler noch einmal kräftig zur Kasse gebeten werden: Für Eigenanteil, die Herstellung einer Fallschutzfläche rund um die Skulptur – damit abstürzende Kinder nicht zu Schaden kommen –, für die Reparatur der Audiotechnik und einen neuen Elektroanschluss müsste die Stadt insgesamt rund 29.000 Euro aufwenden“.

Das Kunstwerk wurde mehrfach beschädigt

Bürgermeister Michael Sarach bezeichnet den Vorstoß des Künstlers als einen „interessanten Ansatz“. Zudem begrüße er das positive Signal, keinen Rechtsstreit anfangen zu wollen. Er sei in den vergangenen Wochen immer wieder sporadisch mit Martin Wolke in Kontakt gewesen. „Beide Seiten sind daran interessiert, eine gute und einvernehmliche Lösung zu finden, mit der alle umgehen können“, sagt der Verwaltungschef. Nun bleibe abzuwarten, was bei der Aktion herauskomme und wie die Stadtverordneten darauf reagierten. Er wolle in ein paar Monaten wieder Kontakt zu dem Künstler aufnehmen.

Der Rotary Club Ahrensburg hatte das 25.000 Euro teure Kunstwerk der Stadt anlässlich seines 25-jährigen Bestehens im Jahr 2005 geschenkt. Seitdem wurde es mehrfach beschädigt, zum Beispiel durch Silvesterböller, die in der Muschelöffnung gezündet wurden. Dadurch wurde laut Verwaltung unter anderem die Funktion, etwas in die Handmuschel zu sprechen und über Lautsprecher in der großen Standmuschel hörbar zu machen, zerstört.

Auch der ausgestreckte Arm des Anzugträgers und die Handmuschel sind vor Jahren beschädigt und danach nur notdürftig mit einem dicken Klebeband gesichert worden. Nachdem die Stadt 10.000 Euro für die Instandhaltung ausgegeben hatte, hatten die Ahrensburger Politiker im Jahr 2010 beschlossen, nichts mehr in den Erhalt zu investieren – solange die Verkehrssicherungspflicht gewahrt sei.

Künstler besteht auf Rückkehr der Skulptur auf das Rondeel

Wer Interesse daran hat, für die Reparatur zu spenden, kann per E-Mail unter muschellaeufer@martinwolke.de Kontakt zu dem Künstler aufnehmen. Anfang des Jahres wolle er dann auch eine Crowdfunding-Kampagne im Internet starten und in sozialen Netzwerken für das Vorhaben werben.

Sollte die Sammelaktion keinen Erfolg haben, hält sich Martin Wolke weiterhin juristische Schritte offen. „Ich sehe auf dem Rechtsweg gute Chancen für mich“, sagt er. „Denn ich habe die Stadt in der Vergangenheit mehrfach ermahnt, sich um den notwendigen Sanierungsbedarf des Muschelläufers zu kümmern.“ Doch die Appelle seien ignoriert worden, die Schäden dadurch immer größer geworden.

Von seiner generellen Forderung, dass der Muschelläufer wieder zurück an seinen angestammten Platz muss, werde er auf keinen Fall abrücken. Wolke hatte die Figur speziell für das Rondeel entworfen. Er betont: „Das Rondeel darf aus urheberrechtlichen Gründen ohne meine Zustimmung auch nicht für andere Zwecke freigegeben werden.“

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