Geschäftseröffnung

Ahrensburgs erster Pop-up-Store verkauft Einzelstücke

Dagmar Bily und Mark Kuntz betreiben an der Manhagener Allee Ahrensburgs ersten Pop-up-Store.

Dagmar Bily und Mark Kuntz betreiben an der Manhagener Allee Ahrensburgs ersten Pop-up-Store.

Foto: Filip Schwen

Geschäft an Manhagener Allee existiert nur temporär. Viele der angebotenen Artikel wurden von Menschen mit Behinderung gefertigt.

Ahrensburg.  Sie eröffnen, wenige Wochen oder Monate später sind sie wieder verschwunden: Die Kurzlebigkeit ist die Geschäftsidee hinter den sogenannten Pop-up-Stores. Der Begriff kommt aus den Vereinigten Staaten, bedeutet in etwa „plötzlich auftauchender“ Laden. „Alle Beteiligten profitieren von dem Konzept: Zum einen werden leerstehende Flächen kurzfristig genutzt, auf der anderen Seite finden Händler spontan einen Raum für den Verkauf ihrer Waren“, sagt Mark Kuntz. Vor einer Woche hat der Ahrensburger gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Dagmar Bily seine „Wunderkammer“ an der Manhagener Allee eröffnet, den ersten Pop-up-Store in der Schlossstadt.

Inhaber eigentlich im Journalismus verortet

Auf etwa 35 Quadratmetern präsentieren sie in den ehemaligen Räumen der „Badeperle“ ausgewählte Dekorations- und Einrichtungsartikel. „Alle haben eine besondere Geschichte, sind Einzelstücke“, sagt Kuntz. Einen großen Teil der Stücke haben Menschen mit Behinderung gefertigt. „Wir arbeiten mit Elftklässlern des Förderzentrums Woldenhornschule in Ahrensburg zusammen“, sagt Kuntz. Diese Zusammenarbeit hat das Paar erst auf die Idee für das Geschäft gebracht.

Beruflich sind die beiden eigentlich im Journalismus verortet. „Ich habe 28 Jahre für verschiedene Frauenzeitschriften geschrieben, vor allem im Bereich Lifestyle“, sagt Kuntz. Der studierte Psychologe war unter anderem stellvertretender Chefredakteur der „Brigitte“ und hat mehrere Bücher geschrieben. Bily hat Mode-Design gelernt, war Mode-Chefin bei der Zeitschrift „freundin”, dann Chefredakteurin des Magazins „Burda Style”.

Das Geschäft soll bis zum Frühjahr geöffnet bleiben

„In den letzten zehn Jahren meines Berufslebens wollte ich noch einmal etwas vollkommen Anderes machen“, sagt Kuntz. Durch seine Schwägerin, die Leiterin eines Förderzentrums für geistig behinderte Menschen in Bad Schwartau sei, habe er den Entschluss gefasst, sich bei der Woldenhornschule zu bewerben. „Bis zum Lockdown habe ich dort als Betreuer gearbeitet“, sagt der Ahrensburger. Das Menschenbild, das an der Einrichtung propagiert werde, habe ihn zutiefst beeindruckt. „Es zählen nicht die Einschränkungen, sondern die Fähigkeiten jedes Einzelnen.“

In dieser Zeit sei die Idee einer Zusammenarbeit entstanden. „Meine Lebensgefährtin und ich haben nach Entwürfen für Design-Artikel recherchiert, die in einfachen Arbeitsschritten anzufertigen sind“ sagt Kuntz. „Uns war wichtig, dass die Produkte cool aussehen, dass sie nicht aus Mitleid gekauft werden, sondern weil sie den Kunden gefallen, ohne dass sie den Hintergrund kennen.“ So seien etwa Kerzenständer aus Beton, kunstvolle Vasen und eine Lampe aus Rattankugeln entstanden. Dagmar Bily: „Man sieht den Vasen nicht an, dass es eigentlich Gläser sind, deren Marmorierung aus Kaffeesatz und Kartoffelschalen geformt wurde.“

„Leider haben die Absolventen der Woldenhornschule selten Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt“, sagt Kuntz. Solche Konzepte könnten das ändern. Ein Teil des Erlöses, der dem Einkaufspreis entspricht, geht an den Förderverein der Bildungseinrichtung und soll den Schülern zugute kommen. Bis zum Frühjahr soll die „Wunderkammer“ noch geöffnet sein, dann so schnell wieder verschwinden, wie sie eröffnet hat.