Künstlerkarriere

Ahrensburger ist mit vielen Stars im Kino zu sehen

Der Ahrensburger Nachwuchsschauspieler Junis Marlon (20) spielt in der Kino-Komödie „Es ist zu deinem Besten“ neben Heiner Lauterbach und Jürgen Vogel. An der Stormarnschule hat er 2019 sein Abitur gemacht.

Der Ahrensburger Nachwuchsschauspieler Junis Marlon (20) spielt in der Kino-Komödie „Es ist zu deinem Besten“ neben Heiner Lauterbach und Jürgen Vogel. An der Stormarnschule hat er 2019 sein Abitur gemacht.

Foto: Filip Schwen

Jungschauspieler Junis Marlon (20) spielt in dem aktuellen Film „Es ist zu deinem Besten“ neben Heiner Lauterbach und Jürgen Vogel.

Ahrensburg. Ein Möchtegern-Revoluzzer, ein Akt-Fotograf und ein Drogendealer: drei verzweifelte Väter, die mit allen Mitteln versuchen, die unliebsamen potenziellen Schwiegersöhne loszuwerden – zum Wohle ihrer Töchter. Der Plot der Kino-Komödie „Es ist zu deinem Besten“ mit Heiner Lauterbach, Jürgen Vogel und Hilmi Sözer in den Rollen der etwas zu fürsorglichen Herren, die derzeit infolge des Corona-Lockdowns pausiert, verspricht Stoff für die Lachmuskeln. Einen der drei ungeliebten Liebhaber verkörpert der Ahrensburger Nachwuchsschauspieler Junis Marlon. Für den 20-Jährigen ist es die erste große Rolle auf der Kinoleinwand.

Dreharbeiten starteten drei Wochen nach Casting

„Der Andi ist ein etwas klischeebehafteter Berliner Jugendlicher“, sagt Marlon über seine Rolle in dem Film von Regisseur Marc Rothemund. „Er hängt mit seinen Jungs ab, kifft und dealt mit Drogen, aber eigentlich ist er ein total lieber, fast schon introvertierter Kerl, der nur glücklich mit seiner Sophie sein möchte.“ Wäre da nicht Sophies Vater. Physiotherapeut Yus, gespielt von Hilmi Sözer („Ballermann 6“), ist mit der Partnerwahl alles andere als einverstanden. „Sophie ist seine kleine Prinzessin und ich bin der Proll, der sie ihm wegnehmen möchte“, beschreibt Marlon die Spannungssituation, die Ausgangspunkt eines „total verrückten Plans“ wird.

Denn der verzweifelte Vater beschließt gemeinsam mit seinen Freunden, dem Wirtschaftsanwalt Artur (Heiner Lauterbach) und dem Bauarbeiter Kalle (Jürgen Vogel), die ebenfalls die Liebhaber ihrer Töchter loswerden wollen, die Beziehung zu sabotieren. „Dabei kommen die auf alle mögliche skurrilen Ideen, da gibt es Einiges zu lachen“, verspricht Marlon. Zu der Rolle gekommen sei er ganz kurzfristig. „Im vergangenen Sommer habe ich die Anfrage bekommen, bin dann zum Casting nach Berlin gefahren und drei Wochen später begannen schon die Dreharbeiten“, erzählt der 20-Jährige.

Von Himi Sözer konnte Marlon viel lernen

Besonders viel Spaß bereitet habe ihm eine Szene, die am Ende des Films zu sehen sei. Da seien zwei Schulfreunde aus Ahrensburg als Komparsen zu sehen. „Das war ein tolles Gefühl, mit zwei meiner besten Freunde zusammen vor der Kamera zu stehen“, sagt Marlon. „In der Szene hänge ich mit Kumpels auf einem heruntergekommenen Basketballfeld ab und deale“, erzählt er. Was dann geschieht, will er noch nicht verraten.

„Für mich war das eine absolute Ehre, gemeinsam mit so vielen Top-Schauspielern zu drehen“, sagt Marlon mit Blick auf seine Co-Stars, zu denen neben den drei Protagonisten auch Janina Uhse („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) und Lisa-Marie Koroll („Bibi & Tina“) zählen. „Das erfüllt einen mit Ehrfurcht, wenn man sich dann neben Heiner Lauterbach auf der Leinwand sieht, der seine erste Hauptrolle 25 Jahre vor meiner Geburt hatte“, sagt der Jungschauspieler. „Besonders von Hilmi Sözer, mit dem ich die meisten Szenen gedreht habe, habe ich echt viel gelernt.“

Mit fünf Jahren spielte er seine erste Rolle

Dabei ist der 20-Jährige im Schauspielgeschäft schon fast ein Routinier. Vor 15 Jahren stand Junis Marlon das erste Mal vor der Kamera. „Mit fünf habe ich meine erste Rolle gespielt, einen kleinen Jungen in ,Das Herz ist ein dunkler Wald’“, erzählt der Ahrensburger. In dem 2005 erschienenen Drama spielt Nina Hoss eine Familienmutter, die nach und nach an der Affäre ihres Mannes zerbricht. Der Spaß am Spiel sei ihm quasi in die Wiege gelegt worden. „Meinen Weg in die Schauspielerei hab ich meinem Vater zu verdanken“, sagt Marlon. „Er wollte selbst Schauspieler werden, aber das hat nicht geklappt.“ Als andere Eltern ihre Kinder im Sportverein angemeldet hätten, habe er ihn zu einem Schauspielkurs geschickt, sagt Marlon, der im vergangen Jahr sein Abitur an der Stormarnschule bestanden hat. „Das Mimen anderer Charaktere hat mir von Beginn an Spaß bereitet“. Auch seine zweite Leidenschaft, die Fotografie, verdanke er seinem Vater, der ein Fotostudio in Ahrensburg betreibt.

Nach der ersten Rolle als Schauspieler in „Das Herz ist ein dunkler Wald“ folgten weitere, unter anderem im Kieler „Tatort“ neben Axel Milberg und Sibel Kekilli, im Krimidrama „So weit das Meer“ an der Seite von Uwe Kockisch und im ZDFneo-Mehrteiler „Deutscher“, einer Dystopie über die Folgen des Wahlsiegs einer rechtspopulistischen Partei in Deutschland.

Vorbilder sind Marlon Brando und Al Pacino

„Mich reizen Charaktere, bei denen etwas hinter der Fassade steckt“, sagt Junis Marlon, dessen Vorbilder neben seinem Namensvetter Marlon Brando die Schauspielgrößen Al Pacino und Daniel Day-Lewis sind. Das Genre, ob ernst oder lustig, sei ihm egal. „Die Figur muss erklärt werden, es muss klar sein, warum sie sich so verhält, wie sie sich verhält.“ Eine ganz besondere Rolle sei die des „Keno“ in der „Polizeiruf 110“-Folge „Kindeswohl“ gewesen.

In dem Fernsehfilm von Regisseur Lars Jessen aus dem Jahr 2019 mit Charly Hübner als Ermittler verkörpert Junis Marlon den jungen Keno, der aus einem Heim für schwererziehbare Kinder flieht, um seinen Halbbruder Otto zu finden, und dabei den Heimleiter erschießt. Otto wurde trotz starker Suizidgefährdung aus Kostengründen bei einer Familie in Polen untergebracht. „Keno ist total authentisch“, sagt Marlon. „Als ich mich auf die Rolle vorbereitet habe, habe ich mich ständig gefragt, was in jemandem vorgehen muss, damit er bereit ist zu töten“, so der 20-Jährige. „Ich habe selbst einen kleinen Bruder, das hat mir dabei geholfen, mir diesen Schmerz, die Verzweiflung vorzustellen, die Keno dazu bringt, Grenzen zu überschreiten.“

Sein Lieblingsfilm ist von Quentin Tarantino

Schauspielerische Erfahrungen wie diese veränderten auch den Blick auf Filme als Zuschauer, sagt Marlon. „Wenn ich mit Freunden zusammen einen Film ansehen, bin ich derjenige, der dann anfängt, über die Dynamik der Dialoge zu reden oder darüber, wie schwierig eine lange One-Take-Szene ohne Schnitt für die Schauspieler zu drehen ist“, sagt der 20-Jährige und lacht. „Wenn ich einen Film ansehe, dann analysiere ich alles aus der Perspektive der Schauspieler“, sagt er und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich glaube, das geht meinen Kumpels schon manchmal ganz schön auf die Nerven.“

Seinen absoluten Lieblingsfilm, Quentin Tarantinos mit zwei Oscars prämierten Western „Django Unchained“ aus dem Jahr 2012, habe er schon an die zwanzigmal gesehen, um jedes Detail aufzunehmen. „Tarantino bietet fast drei Stunden geballte Dialoge“, schwärmt Junis Marlon. Gepaart mit dem Spiel von Jamie Foxx, Christoph Waltz und Leonardo DiCaprio sowie der musikalischen Untermalung erschaffe der Kult-Regisseur eine einzigartig stimmige Atmosphäre. „Das stimmt einfach alles, in so einem Film würde jeder Schauspieler gern mal dabei sein.“

Schulung in den USA ist derzeit nicht möglich

Seine Pläne für die kommenden Monate habe die Coronapandemie gehörig durcheinandergewirbelt. Bis vergangenen Donnerstag drehte der Nachwuchsschauspieler für die ZDF-Krimireihe „Ein starkes Team“ in Berlin, die Folge mit dem Ahrensburger wird im kommenden Jahr ausgestrahlt. „Jetzt hatte ich eigentlich geplant, zu einer speziellen Schulung für junge Schauspieler in die USA zu reisen“, sagt Marlon. Doch daraus werde nun erst einmal nichts.

„Anders als alle, die dieses Jahr ihren Schulabschluss gemacht haben, hatte ich immerhin zu Jahresbeginn noch Zeit, um zu reisen“, sagt er. Im Februar und März habe er mit einem Kumpel für sieben Wochen Nepal, Malaysia und Singapur bereist. „Zwei Tage vor dem ersten Lockdown kamen wir zurück“, erzählt Marlon. Die Reise sei eine einzigartige Erfahrung gewesen. „Die Menschen dort sind ganz anders, viel offener und herzlicher“, sagt der Jungschauspieler. In gewisser Weise sehe er den Lockdown in Deutschland jetzt mit anderen Augen. „Ich habe noch Kontakt zu Menschen in Kathmandu. Wie die da von der Pandemie getroffen werden, ist eine ganz andere Hausnummer, da können wir uns in Deutschland glücklich schätzen, wie das hier läuft“, sagt der Ahrensburger.