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A 1 bei Ahrensburg nach vier Monaten Baustelle wieder frei

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Filip Schwen
A1: Verkehrsminister Bernd Buchholz (M.) räumt gemeinsam mit Stephan Krenz (l.) und Klaus Franke von der Autobahn GmbH die Absperrung beiseite.

A1: Verkehrsminister Bernd Buchholz (M.) räumt gemeinsam mit Stephan Krenz (l.) und Klaus Franke von der Autobahn GmbH die Absperrung beiseite.

Foto: Filip Schwen

Seit Juli wurde die Fahrbahn zwischen Ahrensburg und Buddikate erneuert. Kosten zwei Millionen niedriger als geplant.

Ahrensburg. Vier Monate war die Fahrbahn der Autobahn 1 in Richtung Lübeck zwischen der Anschlussstelle Ahrensburg und der Raststätte Buddikate wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. In der Nacht zum Sonnabend soll der Verkehr wieder fließen.

Bereits am Freitag räumte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Autobahn GmbH des Bundes, Stephan Krenz und Klaus Franke, Direktor der Niederlassung Nord der Gesellschaft, die Absperrung symbolisch beiseite. Seit Ende Juli war der rund sechs Kilometer lange Streckenabschnitt der A 1 vollständig erneuert worden, der Bund stellte dafür 16,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Strecke ist wichtig für transeuropäischen Fernverkehr

Bevor Buchholz den Sperrzaun öffnete, betonte der Minister die Bedeutung der Strecke für den transeuropäischen Fernverkehr. „Die A 1 ist die wichtigste Verkehrsachse zwischen Deutschland und Nordeuropa“, so Buchholz. Die Bedeutung der Route werde mit dem Bau der Fehmarnbeltquerung, für den das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Anfang dieses Monats grünes Licht gegeben hatte, noch zunehmen.

„Der Tunnel wird in Zukunft das Tor nach Skandinavien sein“, sagte der Minister und bezeichnete die Querung über den Fehmarnsund als „zweitwichtigstes Verkehrsprojekt Europas nach dem Brenner Basistunnel“. Buchholz lobte die Zusammenarbeit des Landes mit der neu gegründeten Autobahn GmbH. „Gleich mit einem Großprojekt zu starten, war eine Herausforderung, aber das Ergebnis zeigt, dass die Kooperation zwischen Land und Bundes-Gesellschaft hervorragend funktioniert“, so der Verkehrsminister. Der Streckenabschnitt sei nicht nur rund zwei Wochen früher fertig geworden als geplant, voraussichtlich werde er mit Kosten von etwa 14 Millionen Euro auch rund zwei Millionen Euro günstiger als veranschlagt.

Autobahn GmbH ist zuständig für die Instandhaltung

Die Autobahn GmbH, die zu einhundert Prozent dem Bund gehört, übernimmt zum 1. Januar 2021 die Zuständigkeit für die Erweiterung und Instandhaltung der 13.000 deutschen Autobahnkilometer von den Ländern. In Hamburg und Schleswig-Holstein war die Gesellschaft bereits ein Jahr eher gestartet, um Erfahrungen für die Umstellung in den anderen Bundesländern zu sammeln.

Die Entscheidung für den vorzeitigen Start im Norden sei wichtig gewesen, um der GmbH Vorlaufzeit zu geben, damit zum bundesweiten Start alles reibungslos laufe. „Als ich erfahren habe, dass die erste Großbaustelle auf meinem täglichen Arbeitsweg von Ahrensburg nach Kiel eingerichtet wird, habe ich mich natürlich besonders gefreut“, scherzte der Minister, der mit seiner Familie in der Schlossstadt lebt.

Betonkrebs führte dazu, dass alter Fahrbahn aufplatzte

„Bei der alten Betondecke wurde eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion festgestellt“, sagte Klaus Franke, Direktor der Niederlassung Nord der Autobahn GmbH. Bei diesem chemischen Prozess, der umgangssprachlich als Betonkrebs bekannt ist, bildet sich Gallert in den Poren des Betons und drückt diesen auseinander. Die Fahrbahn platzt in der Folge auf.

„Deshalb musste sie dringend vollständig erneuert werden“, so Franke. Der Betonkrebs entsteht durch die Reaktion eines bestimmten Bestandteils von Betonmischungen, die früher im Straßenbau verwendet wurden, mit dem ebenfalls enthaltenen Zement. Heute werden Mischungen genutzt, bei denen das Problem nicht auftritt.


Mischanlage auf Feld für Fahrbahnbelag aufgebaut

Die Firma Strabag hatte am 29. Juli mit den Arbeiten an dem Abschnitt zwischen Ahrensburg und der Raststätte begonnen. Zunächst waren Querungen über den Mittelstreifen erstellt worden, um den Verkehr in Richtung Lübeck auf die Gegenfahrbahn zu verlegen. Dort wurden die Fahrzeuge auf zwei Spuren je Fahrtrichtung an der Baustelle vorbei geleitet. Die Auffahrt Ahrensburg musste ebenfalls gesperrt werden. Der Engpass sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder für Stau.

Innerhalb von acht Tagen wurden 91.000 Quadratmeter Betondecke der alten Fahrbahn mithilfe von sechs Großfräsen und 40 Sattelzügen abgetragen. Das entspricht einer Fläche von 13 Fußballfeldern. „Wir haben im Schichtbetrieb 24 Stunden gearbeitet“, sagte Bauingenieur Marc Neumann damals zum Abendblatt. 2400 Lastwagen-Ladungen Schutt hätten sie zerkleinert und abtransportiert. Die Verfestigung, eine Schicht aus grobem Schotter und Zement, die der Stabilisierung dient, blieb erhalten. Sie wurde aufbereitet, indem per Fräse neuer Zement untergemischt wurde. Parallel wurde auf einem Feld in Siek die Mischanlage für den neuen Fahrbahnbelag aufgebaut. Dort wurden 65.000 Tonnen Gesteinssplit mit Zement und Wasser zu Beton vermengt.

Neuer Belag wurde in zwei Schichten aufgetragen

Anfang Oktober wurde der neue Belag mit einem Betongleitschalungsfertiger, einer speziellen Maschine, die die volle Fahrbahnbreite von 15,25 Metern überspannt, in zwei Schichten aufgetragen. Nachdem der Beton nach etwa einer Woche ausgehärtet war, wurden die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht.

„Wir als Autobahn GmbH haben gezeigt, dass wir Autobahn können“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Gesellschaft, Stephan Krenz. Mit der Eröffnung des A-1-Abschnittes habe die GmbH zugleich ihr erstes Großprojekt erfolgreich abgeschlossen. Viele Autofahrer dürften darüber erleichtert sein.

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